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Eintracht Frankfurt: Der EFC Derngem kommt traditionell mit der Regionalbahn 58 ins Waldstadion

Von Bei den „Eulen“ fühlen sich diese „Adler“ heimisch. Der EFC Derngem hat sich als Stadtteil-Fan-Club in Maintal etabliert. Mit unterschiedlichen Aktivitäten bieten die Dörnigheimer ihren Mitgliedern einiges an rund um die Frankfurter Eintracht.
Maintaler in München: Um die Ecke steht das Hofbräuhaus. Maintaler in München: Um die Ecke steht das Hofbräuhaus.

So kann man auch mit der Nachbarschaft in Kontakt kommen: Dietmar Heil nahm einfach mal das Heft in die Hand als abgehärteter SGEler und verkündete im Stadtteil, einen Eintracht-Fan-Club gründen zu wollen. Die Resonanz war gut: Zum ersten gemeinsamen Beisammensein kamen 17 Interessierte. Und Heil machte mit ihnen gleich ganze Sache, es entwickelte sich an diesem August-Abend vor fast fünf Jahren die Gründungssitzung.

Öffentlichkeitsarbeit: Der EFC zeigt Flagge. Bild-Zoom
Öffentlichkeitsarbeit: Der EFC zeigt Flagge.

Auch Torsten Aßmann gehörte zu diesem Kreis. „Ich wollte zunächst eigentlich nicht in einen EFC. Aber über den Kontakt zu Dietmar Heil machte ich dann doch mit“, erzählt er. Und das richtig: Seit Gründung ist der 42-Jährige für die Geldgeschichten zuständig, Heil und sein Stellvertreter Heiko Uhlig sitzen dem EFC vor.

Der Nebeneffekt ist schon erstaunlich. „So haben sich Leute kennengelernt, die Nachbarn sind und ebenso zur Eintracht halten“, sagt Aßmann. Inzwischen gehören 35 dem EFC Derngem an, 32 davon kommen aus dem Stadtteil. „Derngem heißt auf hochdeutsch Dörnigheim“, erklärt Heil. Der 57-Jährige hat dies freilich verinnerlicht, ist er doch dort aufgewachsen. Zu Zeiten, als Dörnigheim noch Stadtrechte hatte; erst im Jahr des ersten Pokalsiegs kam es zum Zusammenschluss mit Bischofsheim, Hochstadt und Wachenbuchen und zur Bildung der Gemeinde Maintal.

Nicht nur der Main trennt die Dörnigheimer von Offenbach, auch das fußballerische Glaubensbekenntnis. Zu den Derbys, erinnert sich Dietmar Heil, ging es damals mit dem Fahrrad und der Fähre – ungefährlich war die kurze Fahrt in die südwestliche Nachbarstadt freilich nicht. Aber diese Zeiten sind vorbei, und diese Erfahrungen hat der spürbar jüngere Derngem-Kassenwart nicht machen müssen. „Wir verstehen uns als familienfreundlicher Fan-Club“, sagt Aßmann und verweist auf acht Kinder, die Mitglied seien.

Die Älteren aus dem EFC sehen sich nicht nur bei den Spielen im Waldstadion, sondern auch regelmäßig zum Stammtisch. Jeden ersten Mittwoch im Monat geht es ins „Eulen-Pub“; dort besprechen sich die „Adler“, dort feiern sie Feste – auch wenn das Ergebnis mal nicht so stimmt.

Gibt es einen größeren Anlass, dann wird zum örtlichen Fußballclub Germania Dörnigheim umgezogen. Allerdings kann das fünfjährige Jubiläum dort nicht gefeiert, werden. Die „Eichenheege“ wird verlassen, künftig spielten die Germanen mit dem Dörnigheimer SV an der „Dicken Buche“, die für mehrere Millionen Euro modernisiert wird. „Dann feiern wir dort halt unser ,Sechsjähriges’“, sagt Heil, der seit Geburt bei der Germania Mitglied ist.

Der EFC Derngem bildet auch eine Schoppemannschaft, die an Turnieren wie von der Germania teilnimmt. Neben Sommer- und Winterfest stehen auch andere Aktivitäten auf dem Programm, wie etwa der Maintaler Faschingsumzug und das karnevaleske Maintaler Männerfrühstück mit dem Motto „Esse, Trinke, Heiterkeit, es ist jetzt endlich Männerzeit“. Die Auflage 2017, das geben die Dörnigheimer gerne kund, wurde dann „gekrönt durch das 2:0 im Derby gegen Darmstadt 98“.

Doch die Heiterkeit der Jungs und Mädels aus Derngem hat auch Grenzen. Eigentlich war geplant, die Jahresfahrt nach Gelsenkirchen zu machen. 40 Karten hatte Dietmar Heil fürs letzte Bundesliga-Saisonspiel bestellt – doch keine erhielt der EFC. „Wir haben leider noch nicht einmal eine Absage von der Eintracht bekommen. Ich musste selbst anrufen“, konstatiert Heil.

Fürs Pokalendspiel seien schon zwei Zimmer für sechs und acht Personen reserviert. Doch nur die wenigen Dauerkarteninhaber, die auch Vereinsmitglied sind, haben eine Eintrittskarte sicher. Es werden vermutlich Dörnigheimer leer ausgehen, welche die Eintracht auf den ersten beiden Stationen der Pokalsession nach Siegen und Schweinfurt begleitet hatten.

Doch heute kann ihnen keiner einen Strich durch die Rechnung machen. Dann heißt es wieder, wie es Heil ausdrückt: „Dreizehn Uhr zwölf, Maintal Ost. Das war schon immer so.“ Dann hält die Regionalbahn 58 aus Hanau kommend auf Dernger Territorium, dann geht es weiter zum Frankfurter Hauptbahnhof und ins Waldstadion.

Dort wird Niko Kovac gegen den HSV ein letztes Mal auf der Eintracht-Bank Platz nehmen. Ginge es nach Torsten Aßmann, wäre dem nicht mehr so. „Er hätte eigentlich schon entlassen sein sollen“, betont er und nennt drei Gründe dafür: „Seine Kommunikation zu seinem Wechsel, dann ist er nicht von München mit der Mannschaft zurück und hat sich stattdessen von den Bayern nach Salzburg fahren lassen, und die Ergebnisse waren schlecht.“ Dietmar Heil würde indes an Kovac festhalten: „Nicht nur Kovac ist an der Situation schuld. Die Krux ist, dass er so eine Klausel in seinem Vertrag hat mit geringer Ablösesumme. Er hat viel für die Eintracht getan, jetzt gilt es noch einmal, sich voll aufs Sportliche zu konzentrieren.“

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