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Eintracht Frankfurt: Der Eintracht-Gebäudecheck

Von Der Rekord-Sommer auf dem Transfermarkt ist vorbei, erst im Winter könnte wieder nachgebessert werden. Der Frankfurter Kader-Bau und seine Einzelteile im Check, vom Fundament bis zur Spitze.
Kann für mehr Breite in der Spitze sorgen, aber auch weiter hinten helfen: Kevin-Prince Boateng ist wie viele Eintracht-Kollegen vielseitig einsetzbar. Bilder > Foto: Heiko Rhode (Heiko Rhode) Kann für mehr Breite in der Spitze sorgen, aber auch weiter hinten helfen: Kevin-Prince Boateng ist wie viele Eintracht-Kollegen vielseitig einsetzbar.

  Erste Ansicht: Es war ein Rekord-Sommer auf dem Fußballer-Basar, auch in Frankfurt. Nimmt man die möglichen Bonuszahlungen hinzu, dürften sich die Ausgaben von Sportdirektor Fredi Bobic und Co. bei ihren Kader-Bauarbeiten mit einem Dutzend neuer Verpflichtungen auf über 20 Millionen Euro summieren – ein Quantensprung in der Eintracht-Geschichte. „Das muss man aber in Relation setzen“, betont Finanzchef Oliver Frankenbach. Im Vergleich mit der Konkurrenz bewegt sich die Eintracht dann doch eben wieder in üblichen Verhältnissen. Weil praktisch alle Bundesligisten über ihre Schatten gesprungen sind, mit mehr Geldern aus der Fernsehvermarktung in der Tasche und einer selten dagewesenen Wettbewerbsdichte vor Augen.

Dass die Eintracht beim Personaletat erstmals die 40-Millionen-Marke knackt, ist so gesehen nicht einmal in den mittleren und unteren Schichten der ersten Klasse des deutschen Fußballs noch etwas Besonderes. Gut aufgestellt sollte man aber sein. 37 Spieler zählt der Kader offiziell. Auch wenn sich darunter ein halbes Dutzend Nachwuchskräfte befinden, einige Langzeitverletzte und der eine oder andere praktisch Aussortierte, ist jede Position doppelt besetzt – wenn auch naturgemäß nicht in gleicher Qualität.

  Tor in bewährter Hand: Das fängt beim Eintracht-Tor an. Rückkehrer Jan Zimmermann ist eine vernünftige Wahl als neuer Stellvertreter. Im Training mögen die Leistungsunterschiede zwischen Nummer eins und Nummer zwei jetzt etwas größer wirken mögen als bei Heinz Linder, im Sommer nach Zürich abgewandert. Sorgen muss man sich zumindest im Normalfall aber nicht machen, der Schutz des Tores liegt in bewährten Händen. Selbst die Hängepartie um eine etwaige Vertragsverlängerung oder doch eine Veränderung des Arbeitsplatzes hat Lukas Hradecky nicht nervös gemacht. Der Schlussmann hat weder das eine noch das andere gemacht, ist einfach geblieben und hält so gut wie gewohnt – wobei zu den ersten Terminen der neuen Bundesliga-Runde beim SC Freiburg (0:0) und gegen den VfL Wolfsburg (0:1) noch nicht die allergrößten Bewährungsproben warteten.

  Stabiles Fundament: In der so Hinrunde der vergangenen Saison war die Abwehrbereitschaft das Fundament für eine alle Hoffnungen übertreffende Erfolgsbilanz. Auch jetzt machen Makoto Hasebe, David Abraham und Co. schon wieder einen recht stabilen Eindruck – abgesehen von der Fehlerkette beim bislang einzigen Gegentor, gegen Wolfsburg. Wer aber ist der dritte Mann? Simon Falette offenbarte bei aller Robustheit etwas viel Mängel im Stellungs- und Aufbauspiel. Geholt wurde für diesen Job als Nachfolger von Jesús Vallejo ja eigentlich auch Carlos Salcedo. Seine Schulterverletzung dürfte genug ausgeheilt sein, um einer Premiere am Samstag bei Borussia Mönchengladbach nicht mehr im Wege zu stehen.

Falette würde dann wohl auf die Bank rutschen, in die Rolle, die Michael Hector vorige Saison innehatte. Für Marco Russ wird es so noch enger. Und Andersson Ordóñez ist ohnehin ganz außen vor. So oder so: Bei aller Flexibilität geht der Trend zur Dreierkette. Dafür spricht, dass Bobic und Co. bei ihren Transfermarkt-Bummeln erst einmal kein großes Interesse an Flügelstürmern hatten – was sich erst mit der Rückkehr von Ante Rebic kurz vor Ladenschluss änderte. Die Flankenläufe fallen bei diesem Schema schließlich in das Aufgabengebiet der Außenverteidiger: Timothy Chandler und Jetro Willems, dessen Spezialität besonders freche Vorstöße sind.

  Das mittlere Stockwerk: Auf der nächsten Etage ist das Getümmel noch größer, gut ein Dutzend Profis ringen um vier, fünf Plätze im Mittelfeld. Dass kaum ein echter Abräumer darunter ist, ist wiederum ein Glück für Gelson Fernandes. Zumindest so lange wie Omar Mascarell ausfällt, hat er gute Chancen, seinen Posten in der Zentrale zu behalten – obwohl er noch nicht dauerhaft überzeugen konnte. Oder ist Kevin-Prince Boateng, die schillerndste neue Figur im Ensemble von Trainer Niko Kovac, auch ein Mann für diesen Sechser-Job?

Boateng indes ist vielleicht vor allem gefragt, das dringendste Problem zu lösen: Mit der Bandscheiben-Operation von Marco Fabián, der wie Mascarell die ganze Hinrunde ausfällt, ist der Eintracht eine satte Portion Spielwitz und Torgefahr verloren gegangen. Der vielseitige Mijat Gacinovic wird sich da auf dem Weg nach vorne einbringen. Von Jonathan de Guzman sollte hingegen noch mehr kommen, sonst könnte er seinen Platz verlieren – gut möglich ist es nämlich, dass Kovac Boateng nach der Länderspielpause ein Stück aus der Spitze zurückzieht.

  Zentimeterfragen in der Spitze: Die Bewertung der Spitzenlösung wäre nach nur zwei Spieltagen noch positiver ausgefallen, hätten Sebastien Haller nicht gleich zwei Mal nur ein paar Zentimeter gefehlt: In Freiburg traf er die Latte, gegen Wolfsburg den Innenpfosten. Beeindrucken konnte der Sieben-Millionen-Hüne trotzdem und ist wohl erst einmal gesetzt – als Teil einer Doppelspitze, wie zuletzt neben Boateng. Oder als Solo-Stürmer. Mit Rebic, der ebenfalls als zweite Spitze oder auf dem Flügel spielen kann, hat Kovac noch mehr Variationsmöglichkeiten, Variabilität soll ohnehin ein Trumpf werden. Eigentlich gibt es genug Personal, um die Torschusskrise zu beenden. Breite in der Spitze? Das sollte in Frankfurt kein Problem sein.

  Gesamtbetrachtung: Bobic, Kovac und Co. haben ihre Lehren aus der vergangenen Saison gezogen. Der Absturz in der Rückrunde lag nicht zuletzt daran, dass viele Säulen wegbrachen, wegen Verletzungen oder Sperren. Nun ist der Kader breiter aufgestellt. Das sollte helfen, Ausfälle wie die von Fabián, Mascarell und Alexander Meier besser zu verkraften. Spannend wird es, wenn sie zurückkehren und auch wieder spielen wollen. Schon jetzt ist es für manche schwer, einen Platz nur auf der Bank zu ergattern. Ein Talent wie Aymen Barkok etwa bräuchte eigentlich Spielpraxis, stand aber noch keine Minute auf dem Platz. Und ein Routinier wie Marco Russ muss sich als bewährte Führungskraft eventuell mit einer neuen Rolle anfreunden.

Allzu viel Frust sollte sich nicht breit machen, die Kadergröße kann da Fluch und Segen sein. Auf jeden Fall sollte sie Kovac in die Lage versetzen, für verschiedene Strategie-und Systemfragen geeignete Personallösungen zu finden, flexibler, unberechenbarer zu werden – Rebic war da der letzte Baustein. Und ein Typ wie Boateng kann vielleicht mit fußballerischer Klasse und gewissen Charaktereigenschaften auch in schlechten Zeiten einmal das Ruder herumreißen, wenn wie im Frühjahr allgemeine Verunsicherung an Kovacs Kollektiv nagt. Die Abwehrbereitschaft bleibt das Fundament, die Spitze ist mit Haller besser besetzt – und im Mittelfeld ist mehr Erfahrung am Ball. Nicht zufällig sind unter den Neuen Routiniers, die sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen lassen. Auch wenn der Start weniger gut gelungen ist als erhofft: Mehr als der elfte Tabellenplatz der vorigen Runde ist damit schon möglich – was freilich nicht nur in Frankfurt angestrebt wird.

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