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Eintracht Frankfurt: Die unglaubliche Karriere des Marco Neppe

Von Marco Neppes Arbeit geschieht im Verborgenen, ist aber für den FC Bayern ganz wichtig. Begonnen hat alles bei der Eintracht.
Schnupperkurs: Marco Neppe als Eintracht-Youngster im Profi-Training Foto: imago sportfotodienst Schnupperkurs: Marco Neppe als Eintracht-Youngster im Profi-Training
Frankfurt. 

Kennen sie den Hauptverantwortlichen für das Spielerscouting beim FC Bayern München? Nein, es ist nicht einer der Großkopferten aus der Führung, also nicht Karl-Heinz Rummenigge oder Uli Hoeneß. Es ist auch nicht der neue Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Es ist Marco Neppe. Marco wer? In Frankfurt klingelt es bei diesem Namen. Marco Neppe ist der Sohn des früheren Eintracht-Aufsichtsratsvorsitzenden (2003) Jürgen Neppe, er hat einst für die Eintracht in der Jugend und der Amateurmannschaft am Riederwald gespielt.

Marco Neppe, inzwischen 31 Jahre alt, geboren in Offenbach, aufgewachsen in Klein-Krotzenburg, war ein durchschnittlich talentierter Fußballer, der seinen sportlichen Weg zunächst in der Regionalliga und Dritten Liga gefunden hat. Seit mehr als drei Jahren beobachtet er inzwischen für den FC Bayern weltweit die größten Talente, sucht und findet Spieler für den deutschen Rekordmeister.

Als Scout tritt Neppe kaum öffentlich auf. Hier ist er 2013 im Aachener Trikot zu sehen. Bild-Zoom Foto: imago sportfotodienst
Als Scout tritt Neppe kaum öffentlich auf. Hier ist er 2013 im Aachener Trikot zu sehen.

Beim Wuppertaler SV hat er gespielt, für den VfL Osnabrück, den SV Wehen Wiesbaden und Alemannia Aachen. Im Sommer 2014 hat Neppe dann am Tivoli in Aachen seine aktive Laufbahn beendet, mit 28 Jahren. Grund: Michael Reschke hatte angefragt, ob er denn mit nach München gehen würde. Reschke war in diesem Sommer vom FC Bayern bei Bayer Leverkusen abgeworben worden. Ihm wird ein besonders gute Auge beim Blick auf Talente zugeschrieben. Sein Wechsel als Technischer Direktor zu den Münchnern war überraschend. Noch überraschender war, wen Reschke mitbrachte.

Reschkes Angebot

Marco Neppe, den er in den Jahren zuvor auf seinen Stationen im Fußball-Westen beobachtet und schätzen gelernt hatte, bekam das Angebot, ob er sich einen Wechsel vom Spielfeld auf die Tribüne und ins Büro vorstellen könnte, ob er die Fußballschuhe gegen einen Laptop eintauschen möchte. Wer konnte da Nein sagen? Neppe nahm das Angebot natürlich an, ging mit Reschke nach München und wurde „Assistent des Technischen Direktors“. Eine unglaubliche Karriere hat damit begonnen.

Fortan durfte er mit am großen Rad drehen. Und das ziemlich unauffällig. Die Scouts der großen Clubs sind natürlich nicht unbekannt in der Szene, jeder kennt jeden, aber ihre Arbeit geschieht eher heimlich im Verborgenen, sie drängen sich nicht in die Öffentlichkeit. Ein gutes Beispiel dafür ist auch der Chefscout der Frankfurter Eintracht, Ben Manga, der so gut wie gar nicht öffentlich auftritt. Ganz ähnlich versteht Marco Neppe seinen Job. Inzwischen ist er sogar zum Chef der Münchner Scouting-Abteilung aufgestiegen. Sein Förderer und Freund Reschke war im Sommer nach Stuttgart gewechselt.

Wie groß das Rad tatsächlich ist, das da gedreht wird, zeigt ein kleiner öffentlicher Streit zwischen den Bayern und Reschke. Ober-Bayer Uli Hoeneß hatte Reschke durch die Blume vorgeworfen, bei Ousmane Dembélé vor zwei Jahren ein wenig geschlafen zu haben. Damals hatte Borussia Dortmund den Bayern das 18 Jahre alte Talent von Stade Rennes für 15 Millionen Euro Ablöse weggeschnappt. In diesem Sommer ist Dembélé für 105 Millionen Euro vom BVB zum FC Barcelona weitergezogen. Reschke konterte Hoeneß: „Marco Neppe hat uns auf Dembélé aufmerksam gemacht, aber der Spieler wollte damals unbedingt zu Borussia Dortmund. Wir hatten keine Chance.“

Kontakte nach Frankfurt

Neppe beobachtet also die Großen der Fußball-Welt. Kontakte nach Frankfurt gibt es noch. Mit Assistenztrainer Armin Reutershahn ist er befreundet. „Ich kenne ihn noch aus meiner ersten Frankfurter Zeit mit Friedhelm Funkel“, sagt Reutershahn vor dem Heimspiel gegen die Bayern am Samstag, „Marco hat da noch bei uns bei den Amateuren gespielt.“ Der Kontakt ist seither nie mehr abgerissen. „Ich freue mich riesig für ihn. Er hat einen Top-Job bei einer Top-Adresse“. Marco Neppe zeichne sich durch viel Fleiß aus, sagt der Frankfurter Co-Trainer, der Neppes sportlichen und beruflichen Weg genau verfolgt hat. Durch die Freundschaft seines Vaters Jürgen Neppe mit Bayer-Manager Rudi Völler gab es gute Kontakte nach Leverkusen. Neppe hat dann Reschke kennengelernt und schon im kleinen Rahmen ab und zu für Bayer die Augen offen gehalten. „Und Michael Reschke war überzeugt von Marcos Fähigkeiten und seinem guten Auge“, erzählt Reutershahn. So war der Weg nach München geebnet.

Auch der Leiter des Frankfurter Nachwuchsleistungszentrums Armin Kraaz erinnert sich noch gut an den Nachwuchsfußballer und bestätigt den guten Ruf, den Neppe in der Branche längst genießt. „Marco war ein sehr solider A-Jugendspieler“, sagt Kraaz, „ein richtig guter Junge“. Von den Bayern, so Kraaz, höre man in vielen Gesprächen, „dass er dort einen Superjob macht“. Ob bei den guten Kontakten nach Frankfurt mal ein Spieler für die Eintracht abfallen könnte, der den Bayern dann doch nicht helfen würde? „Das glaube ich eher nicht“, sagt Reutershahn, „Spieler, die Marco für die Bayern beobachtet, übersteigen meistens unser Budget.“

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