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Ein ganz normaler Typ

Von Der Frankfurter Fußball-Zweitligist kann sich auf seinen Torhüter verlassen: Das Eintracht-Urgestein Oka Nikolov ist mit 37 Jahren noch eine Bank. Und die Fans feiern ihn.
Reaktionsschnell auch gegen Duisburg: Oka Nikolov.	Foto: Rhode Reaktionsschnell auch gegen Duisburg: Oka Nikolov. Foto: Rhode
Frankfurt. 

Torhüter und Linksaußen, die haben einen leichten Schaden. So sagte man früher gerne verallgemeinernd über die Charaktereigenschaften von verschiedenen Fußballspielern. Echte Linksaußen gibt es ja nicht mehr, bei Torhütern mag das auch heute noch manchmal stimmen.

Nicht aber bei Oka Nikolov. Der 37-Jährige rastet nie aus, stellt sich so weit in den Dienst der Mannschaft, dass er unter gewissen Umständen sogar mit Gegentoren gut leben kann. "Natürlich ist es schön, wenn wir zu Null spielen, aber ich auch kein Problem damit, wenn wir mit 4:2 gewinnen", sagte Nikolov am Sonntag nach dem 3:0 "seiner" Frankfurter Eintracht gegen den MSV Duisburg.

Eine klare Sache also, an der die Nummer eins eher wenig beteiligt war. Ein abgefälschter Weitschuss, ein Kopfball aus vier, fünf Metern Entfernung, da war der "ewige Oka", der seit 1991 den Adlerträgern angehört, hellwach. Zum Leidwesen von MSV-Trainer Milan Sasic: "Wenn der älteste Mann der Eintracht nicht so toll reagiert hätte, ein 1:1 zur Pause wäre nicht unverdient gewesen."

Auch nach zwanzig Jahren muss und will Nikolov noch dazu lernen. Denn so dominant wie in den letzten Wochen war sein Team selten gewesen, entsprechend selten hatte er so häufig so lange Pausen während einer Partie zu überstehen: "Am Anfang war die Umstellung nicht einfach, aber ich habe mich daran gewöhnt, während der 90 Minuten nur wenige Aktionen zu haben." Bei denen er dann aber hellwach sein muss.

Inzwischen wird das auch von den Fans honoriert. Auch bei ihnen ist er die unumstrittene Nummer eins. Am Sonntag feierten ihn die Eintracht-Anhänger in der zweiten Halbzeit fünf Minuten lang ohne besonderen Grund. Nikolov stand zeitweise am Sechzehner, hob den Daumen und klatschte den Fans dankend Beifall. Natürlich ohne sich zu ihnen umzudrehen, immer aufs Feld focussiert. "Natürlich ist das schön, viel schöner als ausgepfiffen zu werden", sagte er später lächelnd.

Denn das hat der Routinier natürlich auch schon erlebt. Doch am Ende hat er sich immer wieder durchgesetzt, ob gegen Dirk Heinen, Markus Pröll, Ralf Fährmann oder in dieser Saison Thomas Kessler. Der war im Sommer vom FC St. Pauli als Nummer 1 geholt worden, stand auch die beiden ersten Punktspiele auf dem Feld. Dann korrigierte Armin Veh diese Entscheidung. "Ich kann einfach ruhiger atmen, wenn der Oka spielt", meinte der Trainer.

119 Zweitliga-Spiele, 221 Erstligaspiele hat der 37-Jährige absolviert, freut sich auf seinen 32. Einsatz im DFB-Pokal, wenn morgen der 1. FC Kaiserslautern an den Main kommt. "Wenn wir so spielen wie zuletzt, dann haben wir eine Chance, sind aber als Zweitligist sicher nicht favorisiert", hält Nikolov auch hier den Ball flach.

Am Sonntag hatten die Fans gefordert: "Oka in den Sturm!" Ob er denn beim klaren Stand von 3:0 eventuell einen Elfmeter geschossen hätte? "Nein, das werde ich nie machen. Wir haben genügend Leute, die das können." Jeder hat seine Aufgabe. Die von Nikolov ist es, Bälle zu halten.

Neuer Vertrag

Besonders auf der Linie ist er dank seiner Reaktionsschnelligkeit eine Bank. Dass er auch mal unter einer hohen Flanke durchtaucht, wird ihm verziehen. Schon jetzt ist sicher, dass die Eintracht dem bodenständigen Familienvater aus dem Odenwald für die kommende Saison einen neuen Vertrag geben wird. "Wir wären dumm, einen so guten Mann ziehen zu lassen", sagt Veh.

Nikolov wird dann 38 Jahre alt sein. Kein Hinderungsgrund für ihn, denn Ehrgeiz, Fitness, Können und Spaß sind weiter vorhanden. "Wenn ich keinen Spaß mehr am Fußball hätte, dann hätte ich schon längst aufgehört", grinst Nikolov. Aber davon ist er noch weit entfernt. Ein guter, alter Wein schmeckt ja bekanntlich auch richtig fein.

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