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Eintracht Frankfurt: Eintracht Frankfurt mit mangelnder Stabilität und Konstanz

Von Niko Kovac kann sich durch das 0:1 gegen Bayer Leverkusen bestätigt sehen. Der Blick des Eintracht-Trainers richtet sich ausschließlich auf die unteren Tabellenregionen.
Abgetaucht: Simon Falette, nachdem die Niederlage gegen Leverkusen besiegelt war. Foto: Christian Klein (FotoKlein) Abgetaucht: Simon Falette, nachdem die Niederlage gegen Leverkusen besiegelt war.
Frankfurt. 

Niko Kovac ging als erster in die Kabine. Mit leerem Blick, tief durchatmend. Kurz danach Ante Rebic. Ebenfalls mit leerem Blick, das Trikot bis über die Nase hinauf gezogen. Kovac als Trainer und Denker, Rebic als Angreifer und Vollstrecker: Da hatte sich in den vergangenen Wochen eine effiziente Schicksalsgemeinschaft bei der Frankfurter Eintracht gebildet. Zusammen hatten sie Erfolge gefeiert, jetzt waren sie im Unglück vereint. Und nebenbei hatte das 0:1 (0:0) gegen Bayer Leverkusen aufgezeigt, wie weit die Eintracht von einer Spitzenmannschaft in der Fußball-Bundesliga oder gar europäischen Fleischtöpfen entfernt ist.

Natürlich waren die sportlichen Chefs verärgert über die dritte Heimniederlage der Saison, mit der eine Erfolgsserie von sechs Spielen ohne Niederlage endete. Aber ein klein wenig spielte sie ihnen auch in die Karten. Schließlich sehen sie den Club noch lange nicht auf dem Weg nach ganz oben. Sportvorstand Fredi Bobic erteilte den Träumereien der vergangenen Tage augenzwinkernd eine Absage: „Die Spieler können gerne nach Europa. Sie brauchen sich bloß in ihrer Freizeit in den Flieger setzen.“ Und Niko Kovac fühlte sich in seinem Mantra bestätigt, das da heißt: Wichtig ist nur, was in der zweiten Tabellenhälfte passiert. „Der Abstand nach unten hat sich verkleinert. Freiburg drückt durch seinen Sieg nach oben. Damit müssen wir umgehen. Alles andere ist nicht mein Ansatz“, sagte der Trainer.

Von den Bossen gab es aber nicht nur die Peitsche, auch ein wenig Zuckerbrot. „Wir sind keine Mannschaft, die um die Champions League spielen kann. Aber wir waren auf Augenhöhe mit einer Mannschaft, die es in die Champions League schaffen kann“, meinte Fredi Bobic.

Das war ziemlich charmant formuliert, angesichts der Tatsache, dass die Eintracht eine erste Halbzeit zum Vergessen gespielt hatte: kaum geordneter Spielaufbau, viele Bälle quer oder nach hinten, und mit Carlos Salcedo und Simon Falette zwei Verteidiger, die die Kugel in der Vorwärtsbewegung fast ausschließlich ins Aus oder zum Gegner beförderten. „Die erste Halbzeit war schlecht“, gab Torhüter Lukas Hradecky freimütig zu: „Den letzten Pass kriegen wir nicht hin.“

„Nur hinterhergelaufen“

Nur durch viel Glück und den Pfosten wurden er und die Eintracht vor einem Rückstand bewahrt. Zuerst köpfte Alario an den Balken (30.), dann scheiterte er mit einem Schuss (33.). Zwischendurch hatte der agile Nationalspieler Julian Brandt frei stehend über den Frankfurter Kasten gezielt. Sportvorstand Bobic hatte das Geschehen in seinem ganz eigenen Blick gehabt: „In den ersten 20 Minuten haben wir nichts zugelassen, danach den Faden verloren.“ Niko Kovac wurde da schon deutlicher: „In der ersten Halbzeit sind wir nur hinterhergelaufen, sind nicht in die Zweikämpfe gekommen. In der zweiten Halbzeit haben wir es dann besser gemacht.“

Zu Beginn des zweiten Abschnitts hatte die Eintracht vor 50 000 Zuschauern in der Tat eine bessere Phase und durch Ante Rebic auch zwei gute Möglichkeiten. Der Stürmer scheiterte aber am gut aufgelegten Leverkusener Keeper Leno. Und ausgerechnet mitten in diese stärkeren Minuten hinein platzte der Treffer der Werkself (76.). Mijat Gacinovic hatte am Leverkusener Strafraum die Führung auf dem Fuß. Sein mäßiger Schuss wurde geblockt, danach ging bei Bayer die Post ab.

Am Ende eines schnellen und von den Frankfurtern nicht gestörten Konters erzielte der komplett blank stehende Kevin Volland den Siegtreffer. „Wir müssen daran arbeiten, dass wir vorne selbst die Tore machen, wenn wir in Überzahl sind. Das ist ein Lernprozess“, kommentierte Kevin-Prince Boateng die spielentscheidende Szene.

Starke Gegner vor der Tür

„Das ärgert mich“, meinte Niko Kovac zur Entstehung des Gegentores: „Da haben wir viel falsch gemacht.“ Der Trainer gab zu, sich ein taktisches Foul gewünscht zu haben, um den Angriff zu unterbinden. Unter dem Strich bleibt die Erkenntnis, dass es der Eintracht über 90 Minuten oft immer noch an Konstanz und Stabilität fehlt. „Ich bin sehr enttäuscht. Dieses Spiel hätten wir nicht verlieren dürfen“, erklärte Kovac. „Das haben die Jungs nicht verdient“, meinte auch Fredi Bobic. Der Sportvorstand deckte letztlich den Mantel der Barmherzigkeit über den missglückten Nachmittag. Kritikern, die auf die mangelnde Passsicherheit, schlechte Standards und andere Mängel hinwiesen, warf Bobic vor, „einen vernebelten Blick auf das Ganze“ zu haben.

Der Nebel über der Eintracht sollte sich indes schnell wieder lichten. Die letzten beiden Heimspielgegner in diesem Jahr heißen Bayern München und Schalke 04. Hohe Siege sind, Stand jetzt, nicht zu erwarten.

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