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Eintracht Frankfurt: Eintracht patzt und verpasst den Sprung auf Platz zwei

Von Lukas Hradecky, der Torhüter des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt war stinksauer. Verständlich. Seine Mannschaft unterlag nach einer schwachen Leistung dem gastgebenden FC Augsburg mit 0:3.
Er kann nicht mehr hinsehen: Eintracht-Stürmer Sebastien Haller. Foto: Jan Huebner (Jan Huebner) Er kann nicht mehr hinsehen: Eintracht-Stürmer Sebastien Haller.
Augsburg. 

Zweiter hätte die Frankfurter Eintracht mit einem Sieg in Augsburg werden können. Doch diese Aussicht hat die Mannschaft komplett überfordert. Stattdessen setzte es eine 0:3 (0:1)-Niederlage beim FC Augsburg, die deftigste Pleite dieser Saison in der Fußball-Bundesliga. Und das Resultat entsprach durchaus dem Gebotenen. „Wir haben überheblich gespielt“, sagte Frankfurts Torwart Lukas Hradecky, der ziemlich sauer in die Kabine gestürmt war.

Ernüchterung

Ganz ähnlich, wenn auch nicht so krass, ordnete der Manager der Hessen das Spiel ein. „Das war ernüchternd, aber vielleicht ist das gerade zur rechten Zeit gekommen“, sagte Bruno Hübner und meinte damit den Rückschlag, den die Eintracht hat hinnehmen müssen. Aus dem möglichen Platz zwei ist nun Rang sechs in der Beletage des deutschen Fußballs geworden. Nicht die Niederlage allein hat der Eintracht weh getan, viel mehr war es die Art und Weise. „Das war ein gebrauchter Tag“, räumte Trainer Niko Kovac ein, „wir sind von der ersten Minute an nicht ins Spiel gekommen“ Das kann am 21. Spieltag sicher mal passieren, durchaus alarmierend aber sollte sein, dass es viele Spieler, im Grunde die gesamte Mannschaft, an jenen Tugenden fehlen ließ,en die sie in den vergangenen Wochen und Monaten sonst auszeichnet hat. Es habe an den „Basics“ gefehlt, monierte Kovac, „Einstellung, Leidenschaft, Kampf, da war Augsburg besser“. Und zwar viel besser. Und dies von Beginn an bis zum bitteren Ende.

Die Eintracht verliert in Augsburg mit 3:0.
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Man kann leider die Uhr danach stellen: Wenn die Eintracht nach oben klettern könnte, versagen ihr die Nerven. Bei der hochverdienten 0:3-Niederlage in Augsburg zeigte die Eintracht eine klägliche Leistung.

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Der Frankfurter Trainer hatte die erwartete Elf aufgeboten. Den gesperrten Angreifer Ante Rebic ersetzte Luka Jovic. Nur eine Änderung also. Und doch war alles anders als in den letzten Wochen. „Das kommt vor“, blieb der Trainer mit Blick auf das nächste Spiel am Mittwoch gegen den FSV Mainz 05 im DFB-Pokalviertelfinale vergleichsweise milde, „ich gehe davon aus, dass es so sicher nicht noch mal passieren wird.“

Die Spieler werden sich einiges anhören müssen, freilich alles dosiert, denn vor dem Pokalknaller will Kovac kein Porzellan zerdeppern. Irgendwie waren fast alle Frankfurter nicht richtig bei der Sache. Schon in der direkten Vorbereitung auf das Spiel ist wohl nicht alles optimal gelaufen. Das 0:1 habe man „viel zu leicht kassiert“, ärgerte sich der Torwart. Vieles habe „zu locker ausgesehen“. Hradecky weiter: „Ich habe mich wie immer auf mein Spiel fokussiert, aber ich habe gehört, dass es bei anderen zu überheblich gewesen war“.

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„Fußball einfach“

Zu den Frankfurter Schwächen kam eine starke Augsburger Mannschaft. Deren Trainer Manuel Baum hatte das Spiel der Eintracht gut gelesen und seiner Mannschaft „Fußball einfach“ verordnet. Lange, weite Bälle hinter die Dreierkette – das reichte, um ein uns andere Mal gefährlich vor das Tor der Gäste zu kommen. Die Eintracht fand dagegen kein Mittel. Vor allem die linke Abwehrseite war offen wie ein Scheunentor. Simon Falette war mit dem schnellen Ex-Frankfurter Marcel Heller komplett überfordert und bekam von seinen Kollegen keine Hilfe.

Viele andere waren aber auch nicht viel besser. So war Angreifer Sébastien Haller diesmal ein Ausfall. Und auch Regisseur Kevin-Prince Boateng lieferte sein schlechtestes Spiel in Eintracht-Trikot ab.

Dass die Gastgeber zur Pause nur mit 1:0 in Führung lagen, war pures Glück. Lediglich Ja-Cheol Koo traf in der 20. Minute. Und da war ein wenig der Zufall mit im Spiel. Eine der vielen Freistoßflanken schien bereits abgewehrt, als der Ball noch einmal in den Strafraum flipperte. Koo drehte sich schnell, traf den Ball nicht voll, aber immerhin so genau, dass er ins lange Eck hoppelte und vom Innenpfosten ins Tor prallte. Hradecky hatte keine Chance. Die hätte er auch gegen einen Kopfball von Kevin Danso nicht haben dürfen, doch der verfehlte klar. In den letzten Minuten vor der Pause schien die Eintracht von allen guten Geistern verlassen. Caiuby, Heller und Gregoritsch kamen dreimal frei zum Abschluss, das längst verdiente zweite Tor gelang ihnen aber noch nicht.

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Der mexikanische Nationalspieler Marco Fabián war in der Partie gegen Augsburg der einzige Lichtblick für die Frankfurter Eintracht. Er feierte nach einer Bandenscheibenoperation sein Comeback.

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Auch in der Halbzeitpause schaffte es der Frankfurter Trainer nicht, seine Spieler wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Augsburg blieb tonangebend, hatte immer noch die besseren Chancen, wenn auch nicht mehr ganz so viele wie im ersten Durchgang. Und nutzte eine zum entscheidenden 2:0. Caiuby gewann ein Kopfballduell gegen Wolf, der Ball kam im Strafraum zu Gregoritsch und der schoss ins lange Ecke. Eine Viertelstunde vor Schluss war die Partie entschieden. „Danach haben wir aufgegeben“, sagte Hradecky. Trainer Kovac hatte kurz zuvor den lange verletzten Marco Fabián ins Spiel geschickt für den an diesem Nachmittag so merkwürdig unkonzentrierten Boateng. Der Mexikaner hatte einen guten Einstand, aber das half auch nichts mehr. Wolf vergab die beste Frankfurter Chance zum Anschlusstreffer, da war aber die Schlussphase schon eingeläutet.

Zu euphorisch

Und passend zum Spiel hatten wieder die erstaunlich starken Augsburger das Schlusswort. Salcedo hatte einen Fehlpass gespielt, auch das nicht ungewöhnlich für die 90 Minuten, und der eingewechselte Richter das Geschenk genutzt. Wieder hatte Hradecky keine Chance. Der Frankfurter Torwart war in etwa der einzige Frankfurter Profi in Normalform an diesem Tag. „Es läuft nicht immer alles in unsere Richtung, daraus müssen wir lernen“, sagte er, „wir waren wohl zu euphorisch.“

Dem finnischen Keeper, eigentlich eine Frohnatur, geht offenbar die gute Laune einiger seiner Kollegen auf die Nerven. Als die Eintracht vor einer Woche nach dem Sieg gegen Borussia Mönchengladbach auf Tabellenplatz zwei übernachtete, hätten einige seiner Mitspieler „Bilder von der Tabelle gepostet“. Das sei nicht angebracht gewesen, sagte Hradecky, „da war ich ziemlich enttäuscht“. In die gleiche Kerbe hieb der Trainer, nur mit anderen Worten. „Wir haben versucht, den zweiten vor dem ersten Schritt zu machen“, sagte Kovac, „erst muss man gewinnen, dann ist man Zweiter“. Das ist diesmal in die Hose gegangen.

Für die Eintracht war in Augsburg nichts zu holen.
Kommentar Eintracht: Zum richtigen Zeitpunkt

Trainer Niko Kovac hat Recht, wenn er es wieder und wieder betont: Eintracht Frankfurt fällt nichts so einfach in den Schoß. Die Mannschaft muss sich alles immer wieder aufs Neue erarbeiten.

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