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Eintracht Frankfurt: Eintracht will der digitalste Bundesligist werden

Von Im Doppelpass mit dem ganzen Digitalstandort Frankfurt stellt sich die Eintracht für die Zukunft auf. Und ist bereit, sich das auch etwas kosten zu lassen.
In der Smartphone-Welt: Vorstand Axel Hellmann treibt die Digitalisierung der Eintracht voran. Foto: Jan Huebner (imago sportfotodienst) In der Smartphone-Welt: Vorstand Axel Hellmann treibt die Digitalisierung der Eintracht voran.
Frankfurt. 

Der Ball ruht, aber im Stadion herrschte gestern rege Betriebsamkeit. Fast wie auf einer Baustelle. Freilich dienten diese Arbeiten noch nicht der Erweiterung des Frankfurter Fußball-Tempels auf 60 000 Zuschauer, sondern der Beseitigung der wüsten Spuren, die die gigantische Elektromusik-Party World Club Dome dort hinterlassen hat. In nicht allzu ferner Zukunft indes soll dann tatsächlich mit dem Ausbau der Arena begonnen werden, und nicht zuletzt in diesem Zusammenhang verfolgt die Eintracht ein ehrgeiziges Ziel. „Wir wollen“, sagt Vorstandsmitglied Axel Hellmann, „der digitalste Bundesligist werden“.

Ranglisten auf diesem vielschichtigen Gebiet lassen sich nicht so leicht errechnen wie Fußballtabellen. Klar ist aber: Die Eintracht unternimmt schon jetzt mehr Anstrengungen als die meisten Klassenkameraden. Und beim Versuch, noch besser dazustehen, geht es neben möglichen sportlichen Mehrwerten vor allem um einen besseren Service für Fans. Das Stadion spielt dabei eine besondere Rolle, weil es in dieser Hinsicht am meisten Luft nach oben gibt.

Der bei der Eröffnung 2005 noch ganz modern anmutende Videowürfel etwa ist inzwischen veraltet, und seit der Pleite der Bezahlkarten-Firma vor bald einem Jahr wird wieder mit Bargeld bezahlt. „Das Stadion ist quasi zu einer Industrie-1.0-Phase geplant und entwickelt worden. Dass es da einen enormen Anpassungsbedarf gibt, ist bekannt“, betont Hellmann. Er ist bereit, mit der Eintracht kräftig zu investieren, obwohl die Arena weiter in Händen der Stadt Frankfurt bleiben wird. „Das hat die Stadt klar signalisiert, und das respektieren wir. Wenn wir nicht Eigentümer sind, muss aber klar sein, dass wir Betreiber und Hauptnutzer sind“, sagt der Club-Vorstand.

Alles auf dem Smartphone

Bis zur Saison 2020/2021 könnte das Fassungsvermögen um etwa 8500 Plätze erweitert sein. „Die Stadt muss in Beton investieren“, erklärt Hellmann, „wir würden den digitalen Ausbau übernehmen“. 30 Millionen Euro würde die Eintracht für diesen Zweck ins Stadion stecken – eine stattliche Summe und immerhin genauso viel, wie der Neubau von Profi-Campus und Geschäftsstelle auf dem Stadiongelände kosten soll.

„Das können wir stemmen“, sagt Hellmann. Ein neuer Videowürfel ist eingerechnet. Insgesamt geht es aber vor allem um eine „digitale Ausleuchtung des Stadions“, der Begriff ist Hellmann wichtig. Ob mit WLAN oder anderen Funkverbindungen: Überlastete Handynetze sollen dann der Vergangenheit angehören – und stattdessen etwa eine Smartphone-App dem Stadionbesucher den Weg zu seinem Platz weisen können. Oder man bekommt das in der Bahn zum Stadion übers Handy bestellte Trikot am Eingang ausgehändigt. „Im Moment haben wir in den Halbzeitpausen bürgerkriegsähnliche Zustände beim Bestellen von Bier und Bratwurst“, weiß Hellmann. Und hofft auf eine Entspannung dieser Lage und nebenbei auf mehr Umsätze, wenn wie in dem Trikot-Beispiel „Bestell-, Bezahlungs- und Abholvorgänge entkoppelt“ würden.

Ein erster Schritt: Spätestens zur Saison 2019/2020 soll das neue Bezahlkartensystem eingeführt sein und dann auch alle Kinderkrankheiten überstanden haben. Darauf ließen sich, so Hellmann, dann auch andere Systeme aufsetzen: Etwa für den Kartenkauf und die Einlasskontrolle, auch für die Anreise mit der Bahn, da sind die Fantasien grenzenlos. Mit dem Ziel, „nicht mehr fünf Karten im Portemonnaie zu haben, sondern alle Elemente auf dem Smartphone“.

Eigene Stabsstelle

Die Eintracht habe eine Stabsstelle dafür eingerichtet, „wie sie kein anderer Bundesligist hat“, berichtet Hellmann. Um Modelle zu entwickeln, die zur „Lebenswirklichkeit in einer Smartphone-Welt“ passten. Auch im Doppelpass mit dem Frankfurter Tech-Quartier, in dem sich Start-up-Unternehmen aus Stadt und Region versammeln, auf Anstoß des hessischen Wirtschaftsministeriums und mit Unterstützung der hiesigen Hochschulen, vernetzt mit den etablierten Unternehmen des Rhein-Main-Gebiets. Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir freut sich über die Partnerschaft mit der Eintracht, in der Hoffnung, dass die Strahlkraft des Pokalsiegers auch den Bestrebungen des ganzen Digitalstandorts Frankfurt mehr Aufmerksamkeit bescheren möge. „Wir wollen in fünf Jahren zu einer international anerkannten Tech-Region werden“, erklärte er gestern auf einem gemeinsamen Pressegespräch den ambitionierten Masterplan. „Frankfurt soll die führende Start-up-Stadt werden“, ergänzt Thomas Funke, Co-Director des Tech-Quartiers.

Einen ersten von Funke und Co. vermittelten Ideenaustausch zwischen 15 ausgewählten Start-ups und den Eintracht-Verantwortlichen hat es bereits gegeben, zu den vom Verein abgesteckten Themen Athletik, Medizin, Verletzungsprävention, Spielerperformance, Spielanalyse und Videoanalyse. Die digitale Offensive soll schließlich auch auf dem Fußballplatz von Nutzen sein. „Alles, was hilft, die Mannschaft besser zu machen, ist willkommen“, sagt Hellmann dazu.

Zuletzt gab es für die Profis bereits eine App, mit der sie sich unter anderem auf ihre Gegner vorbereiten konnten – vielleicht ja auch ein Baustein für den sensationellen Pokal-Triumph gegen den FC Bayern. Einen Titel indes musste die Eintracht wieder nach München abgegeben: den des Social-Media-Meisters, den sie 2017 mit ihren Aktivitäten auf Facebook und anderen Plattformen erworben hatte. „Das war diesmal ganz knapp“, verriet Axel Hellmann, die Entthronung freilich konnte er verkraften: „Der zweite Platz ist ja auch schon eine Leistung. Und der Pokalsieg war mir doch lieber.“

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