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Eintracht Frankfurt: Eintracht will weiter mutig bleiben

Die Frankfurter Eintracht wird bei Borussia Dortmund gerade in der Phase bezwungen, als sie beginnt, an einen Überraschungscoup zu glauben.
In der noch jungen Saison zählen die Adler zwei Niederlagen nach drei Pflichtspielen. Foto: dpa In der noch jungen Saison zählen die Adler zwei Niederlagen nach drei Pflichtspielen.
Frankfurt. 

Hätte Eintracht Frankfurt weniger Risiko wählen sollen? Hätten die Hessen lieber das Unentschieden absichern sollen? Sind sie in ihr Verderben gelaufen? Fragen, die auf den ersten Blick wohl mit Ja beantwortet werden müssen, schließlich sprechen die Fakten für sich. 1:3 (0:1) hieß es aus Frankfurter Sicht am Freitagabend bei Borussia Dortmund. Trotz ordentlicher Leistung reichte es im zweiten Bundesligaspiel nacheinander nicht zu einem Punktgewinn. Dabei sah das Ganze nach genau 68 Minuten doch noch ziemlich gut aus. Da hatte Mittelstürmer Sebastien Haller gerade im Fallen gekonnt zum 1:1 ausgeglichen. Das dritte Saisontor des Franzosen, das bei den elf Männer aus dem Hessenland die Gier nach mehr weckte. Die Eintracht spürte, dass da etwas gehen könnte. Vielleicht ja sogar ein Überraschungscoup, drei Zähler im ausverkauften Dortmunder Fußballtempel.

Die Gäste rückten nun im Kollektiv weiter nach vorne, waren mehr am Ball, agierten. Und wurden prompt bestraft. Als Simon Falette ein einziges Mal auf der für ihn ungewohnten Linksverteidigerposition zu weit nach vorne schob, enteilte ihm Jadon Sancho im Rücken. Gerade als der wuchtige Franzose den zierlichen Engländer im eigenen Strafraum wieder eingeholt hatte, wendete der Dortmunder nahezu auf der Stelle, dass sowohl Falette als auch der dahinter positionierte David Abraham in den leeren Raum preschten. Sancho hatte Zeit, brachte die Flanke auf den langen Pfosten, fand dort den ansonsten ziemlich unauffälligen Ex-Frankfurter Marius Wolf, der zur zweiten Dortmunder Führung des Abends einschoss – die Vorentscheidung (72.). „Das war der Knackpunkt. Der Konter ärgert mich, weil ich das Gefühl hatte, dass wir unsererseits dem 2:1 nahe waren“, sagte Eintracht-Trainer Adi Hütter hinterher.

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Dortmund bleibt für die Eintracht der Angstgegner. Die Frankfurter unterlagen beim BVB 1:3. Wie haben sich die Adler geschlagen? Wir beurteilen die Spieler in der Einzelkritik. (dani/dur)Kein Eintrag

Bei Bruno Hübner kamen in eben jener Situation Erinnerungen an den vergangenen März hoch, die der Frankfurter Sportdirektor als „bitter“ bezeichnete. Damals hatte die Eintracht in Dortmund eines ihrer besten Spiele der ansonsten ziemlich tristen Rückserie abgeliefert, sich mit viel Leidenschaft und Mut den späten 2:2-Ausgleich von Danny Blum erkämpft, in den Schlussminuten waghalsig auf Sieg gespielt und dann wegen eines Gegentores in der vierten Minute der Nachspielzeit doch noch verloren. „Vor dem 1:2 waren wir zu weit aufgerückt und haben den Konter bekommen. Das ist sehr ärgerlich, weil wir ein gutes Spiel gemacht haben“, sagte Hübner.   

Daher noch mal die Frage: Wäre weniger Risiko diesmal mehr gewesen? Hütter antwortete: „Es gibt Situationen, in denen man zupacken und zubeißen kann oder abwartend spielt.“ Seine Mannschaft entschied sich für die erste, im Nachhinein wohl falsche Variante. Doch da ist man bekanntlich ja immer schlauer. Dass die Eintracht im zweiten Abschnitt mehr wagte, hatte zum einen natürlich mit dem Rückstand, zum anderen aber auch mit dem Fußballverständnis des Trainers zu tun. Dem 48-jährigen Österreicher war schon im ersten Abschnitt, als die Gäste bis auf das unglückliche Eckball-Nachsetzer-Stocher-Tor von BVB-Verteidiger Abdou Diallo (36.) nichts zuließen, anzumerken, dass ihm das nicht so richtig gefiel, was seine Mannschaft da ablieferte. Immer wieder wirbelte er am Spielfeldrand beide Arme durch die Luft. Die Ansagen waren nicht allzu schwer zu deuten: Rausrücken. Nicht so tief stehen. Aktiver auftreten.

Das wurde der Trainer erstmals in dieser Bundesligasaison während eines Spiels dann auch selbst. Nachdem Hütter in Freiburg nur positionsgetreu gewechselt hatte und gegen Bremen aufgrund von Verletzungen sowie dem Jetro-Willems-Aussetzer nur reagieren konnte, setzte er nun mit seinem Personaltausch erstmals auch taktische Akzente. Nach 63 Minuten, freilich in dieser Phase noch 0:1 zurückliegend, schickte Hütter einen zweiten Stürmer, Luka Jovic, aufs Feld. Dazu den spielstärkeren Jonathan de Guzman für den kernigen Abräumer Gelson Fernandes. Der Trainer ließ nun in seinem ohnehin präferierten 4-4-2-System spielen. „Wir haben mehr riskiert und wurden durch den Ausgleich belohnt. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt das Gefühl, dass wir das Spiel gewinnen können“, sagte Hütter. „Wir haben dann mehr Druck gemacht“, ergänzte Mijat Gacinovic. Und Torhüter Kevin Trapp fand: „Wir haben gezeigt, dass wir kicken können.“

Nun sei an dieser Stelle geschrieben, dass die Hessen nach dem Seitenwechsel keineswegs ein Offensivfeuerwerk abbrannten, letztlich brachten sie bis auf den Ausgleich von Haller und eines wegen einer Abseitsstellung zurecht nicht anerkannten Jovic-Treffers nichts Gefährliches in Richtung des BVB-Kastens. Auch verloren sie nach dem späten 3:1 von Paco Alcacer (88.) verdient, „weil sich Klasse durchgesetzt hat“, so Hütter. Gemeint war natürlich die der Dortmunder. Insgesamt fehlte es den Hessen auf der anderen Seite schlicht an Klasse, um dem Champions-League-Team aus dem Ruhrpott beikommen zu können. Manch Versuch der attackierenden Fraktion aus Frankfurt war doch von ziemlicher Einfallslosigkeit, spielerischer Armut geprägt.

Und dennoch gab die zweite Hälfte einen kleinen Wink darauf, wo Hütter trotz der ziemlich komplizierten Aufgaben in den kommenden Wochen (Europa League in Marseille und gegen Lazio Rom, Bundesliga gegen Leipzig und in Mönchengladbach) mit seiner Mannschaft hinwill. „Wir müssen weiter mutig bleiben, dann werden wir auch wieder belohnt“, sagte der neue Anführer Trapp. Die Worte hätten auch von seinem Trainer stammen können. Trotz des letztlich zu hoch gewählten Risikos in Dortmund.

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