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A-Jugend: Eintrachts Nachwuchsabteilung droht das Chaos

Stendera und Kittel: Zwei Namen, eine Herkunft. Denn beide Spieler entstammen dem Eintracht-Nachwuchs. Doch bis auf die zwei Hoffnungsträger gibt die Talentschmiede nicht viel her.
Zwei Jubler: Sonny Kittel (links) und Takashi Inui.	Foto: Hübner Bilder > Zwei Jubler: Sonny Kittel (links) und Takashi Inui. Foto: Hübner
Frankfurt. 

Frust und Freude herrschte am Wochenende rund um die Talente der Frankfurter Eintracht. Da war der Sieg der Profis in Mönchengladbach mit den starken Leistungen der Youngster Marc Stendera und Sonny Kittel. Da war aber auch das 0:3 der U 19 bei 1860 München, das zu personellen Konsequenzen geführt hat. Am Montag wurden A-Jugendtrainer Daniyel Cimen und sein Assistent Christos Arnautis gefeuert. Nachwuchs-Cheftrainer Alexander Schur und seine früherer Assistent Patrick Glöckner werden übernehmen und versuchen, den Abstieg aus der Bundesliga zu verhindern. Das neue Trainergespann trainierte bis zum Sommer 2014 die U 23 der Eintracht. „Nach den letzten Ergebnissen sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass die Mannschaft neue Impulse braucht“, sagte Armin Kraaz, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ).

Talente wie Kittel (21) und Stendera (18) haben sie in diesen trüben Tagen am Riederwald kaum. Der Beste, Luca Waldschmidt, ist verletzt, der aktuelle Jahrgang wird von Problemen geplagt. Vor allem deshalb droht der Super-Gau im NLZ. Schon die überstürzte und nicht durchdachte Abmeldung der U 23 aus der Regionalliga hat tiefe Wunden gerissen. 800 000 Euro hat die Eintracht damit zwar angeblich gespart, doch an Perspektive verloren. Sollte die A-Jugend tatsächlich absteigen, würden große Teile der Nachwuchsarbeit in Trümmern liegen. Die Spieler aus der U 17, die sich in der Bundesliga ebenfalls schwer tun, hätten dann auf Jahre hinaus keine Perspektiven mehr.

Die haben nun wieder Kittel und Stendera. Sie sind zurück in der Bundesliga, nach schweren Verletzungen, nach Monaten im Reha-Training, nach vielen Selbstzweifeln. „Natürlich denkt man auch mal drüber nach, was passiert eigentlich, wenn es nichts mehr wird?“, gibt Kittel zu. Ehrgeiz, Hilfe und Geborgenheit in der Familie sowie das Vertrauen des Clubs haben diese Gedanken jedoch verscheucht. Beim 3:1 in Mönchengladbach gehörten die beiden zu den Besten. Stendera erzielte einen Treffer und bereitete einen vor, Kittel war nach seiner Einwechslung am dritten Tor beteiligt. Und es gab verdientes Lob. „Die fußballerische Kompetenz der beiden tut uns gut“, sagt Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Einfacher gesagt: Stendera und Kittel sind gute Fußballer, gute Techniker.

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Manfred Binz: „Manni der Libero“ wurde der Abwehrchef der Frankfurter Eintracht liebevoll von den Fans genannt. Spielte in der Jugend für den VfR Bockenheim und die SGE. Der 1965 in der Mainmetropole geborene Verteidiger war ab der Saison 1986/87 fester Bestandteil der Frankfurter Defensive. Zwischen 1984 und 1996 absolvierte er 336 Spiele für die SGE, ehe er nach Italien wechselte und für Brescia Calcio auflief. Gehörte bei der EM 1992 zum Kreis der Nationalmannschaft und absolvierte insgesamt 14 Länderspiele für die DFB-Elf. Wurde 1998 von Borussia Dortmund verpflichtet. Nach Engagements bei den Kickers Offenbach und den Eintracht-Amateuren beendete er  2010 seine Karriere.Gescheitert<br><br>
Michael Anicic: Spielte sich im zarten Alter von 18 Jahren erstmalig ins Rampenlicht der Bundesliga und erhielt sogar ein Angebot vom FC Bayern München, gegen die er unter Trainer Dragoslav Stepanovic auch debütieren dufte. »Ich dachte, ich muss mal wieder einen reinwerfen«, hatte Stepi  die überraschende Aufstellung begründet. Schon am Abend des Debüts war Anicic Gast im Aktuellen Sportstudio. Das kam offenbar zu früh. Anicic ließ nach. Eine  schwere Knieverletzung zwang den «Senkrechtstarter» zu einer längeren Pause. Richtig erholen konnte sich der talentierte Mittefeldspieler davon nie. 1996 zog es ihn Ausland. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland spielte er ausschließlich für unterklassige Vereine. Zur Eintracht kehrte er nie zurück. Am Ende der Spielzeit 2008/09 beendete er seine Karriere. Heute ist er sportlicher Leiter beim SV Fischbach.

Ihre sportliche Zukunft hing am seidenen Faden, nun könnten sie die Zukunft der Eintracht sein. Beide sind sie Mittelfeldspieler, freilich mit ganz unterschiedlichen Talenten. Kittel ist der flinkere, dribbelstark, auch torgefährlich, kann im offensiven Mittelfeld spielen, auch auf Außen. Stendera ist der Mann mit dem guten Auge für den Mitspieler, ein genauer Passgeber, einer, der spezialisiert ist auf Standards, Typ Spielmacher. „Ich bin froh, dass ich sie habe“, sagt Trainer Thomas Schaaf. Stendera sei ein „richtig guter Fußballer“, und Kittel habe „Freude an dem, was er tut“.

Beide haben sie schon auf der Sonnenseite des Fußballs gespielt, aber auch die Schattenseiten kennengelernt. Kittel hat alle DFB-Nachwuchsmannschaften durchlaufen, 23 Länderspiele absolviert, wurde 2011 mit der Fritz-Walter-Medaille in Silber ausgezeichnet und galt damals neben „Goldgewinner“ Julian Draxler als größtes Talent im deutschen Fußball. Mit den B-Junioren der Eintracht war er 2010 Deutscher Meister geworden. Und hat am 28. August 2010 als jüngster Feldspieler in der Frankfurter Geschichte gegen den Hamburger SV sein Bundesligadebüt gefeiert. Ein paar Wochen später stand er zum ersten Mal in der Anfangself, ausgerechnet in München. Der Aufstieg schien unaufhaltsam. Und wurde jäh gestoppt. Am 19. April 2011 zog sich Kittel im Training einen Kreuzbandriss im linken Knie zu. Fortan galt er als Dauerpatient, der immer nur für kurze Zeit zurückkehrte.

Seine Krankenakte wurde länger und länger, die Verletzungen wurden nicht leichter. Im April 2013 wurde er wegen eines Knorpelschadens im rechten Knie operiert, im Februar 2014 erneut. Beide Knie sind also schon ziemlich beschädigt. Doch Sonny hat ein sonniges Gemüt, das ihm hilft, sich immer wieder heran zu kämpfen. „Mir geht’s gut, wenn es meinem Knie gut geht“, sagt er und strahlt. Das Vertrauen in die Gesundheit ist zurück. Die Eintracht hat in der Krise Verantwortungsbewusstsein gezeigt und den Vertrag in der langen Rehaphase bis zum 30. Juni 2016 verlängert. Ein kluger Schachzug, wie sich herausgestellt hat. „Wir erwarten noch viel von Sonny“, sagt Sportdirektor Bruno Hübner.
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Thomas Schaaf hat bislang noch nicht entschieden, welcher seiner Spieler in der Saison 2014/15 die Kapitänsbinde tragen wird. Grund für uns, einen Blick auf die berühmtesten Eintracht-Kapitäne der Geschichte zu werfen. Alle Fotos: Imago <br><br> Im Bild: Ioannis AmanatidisRalf Weber: War in der Saison 1998/99 Kapitän der Frankfurter Eintracht. Schlüpfte zwischen 1989 und 2001 insgesamt 214 Mal (29 Tore) in das SGE-Trikot. Wurde . . .. . . in seiner Karriere immer wieder von schweren Verletzungen zurückgeworfen. 2001 musste er seine Karriere nach zahlreichen Operationen vorzeitig beenden. Wäre ohne die vielen Verletzungen mit Sicherheit regelmäßig in die Nationalmannschaft berufen worden.

Auch Stendera hat die wohl schwerste Verletzung, die einen Fußballprofi ereilen kann, hinter sich. Am 14. Juli 2013 hat er sich bei einem Testspiel gegen den VfR Aalen das vordere Kreuzband im rechten Knie gerissen. Ein Dreivierteljahr hat es gedauert, ehe er Mitte März sein Comeback gegen Freiburg feiern konnte. Inzwischen geht es längst wieder steil bergauf. Im Sommer hat er mit der deutschen U 19 die EM gewonnen, insgesamt kommt er auf 21 Länderspiele für Deutschlands Junioren-Teams. Bei Trainer Schaaf gehört er zum engeren Kreis, ist auf dem Sprung zur Stammkraft. Die Eintracht hat vorgesorgt: Der Vertrag läuft bis 2017.

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