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Eintracht Frankfurt: Ernüchterung in letzter Minute

Von Der Aussetzer von Linksverteidiger Willems schadet der Eintracht gegen Bremen. Trotzdem hätte es fast zu einem Punkt gereicht.
Hoffen und Bangen, am Ende vergebens aus Frankfurter Sicht: Der Bremer Milot Roshica zirkelt den Ball über die Eintracht-Mauer hin weg ins Tor. Foto: Revierfoto (imago sportfotodienst) Hoffen und Bangen, am Ende vergebens aus Frankfurter Sicht: Der Bremer Milot Roshica zirkelt den Ball über die Eintracht-Mauer hin weg ins Tor.
Frankfurt. 

Mit seinen gerade einmal 19 Jahren tritt Evan Ndicka schon erstaunlich reif und gelassen auf. Nicht nur auf dem Fußballplatz, sondern auch abseits der Seitenlinien. Und so fand der talentierte Innenverteidiger der Frankfurter Eintracht in den Katakomben der Arena selbst für den unsäglichen Aussetzer seines Kollegen Jetro Willems abgeklärte Worte. „So etwas kann passieren, davor ist niemand gefeit. Manchmal sind Dinge nicht einfach zu erklären, so ist es im Fußball“, urteilte Ndicka sanft, um rasch den Blick wieder aufs Wesentliche zu lenken: „Dennoch haben wir versucht, uns zurück zu kämpfen, das ist uns auch gelungen.“ Dass stimmte so, ließ allerdings die bittere Schlusspointe aus: In letzter Minute verloren die Pokalsieger ihr erstes Heimspiel der neuen Bundesliga-Saison doch noch, mit 1:2 (0:1) gegen Werder Bremen – und verpassten die Gelegenheit, neben einem Punkt für die Moral auch ein etwas größeres Polster mit in den heißen Frühherbst zu nehmen.

Der Frankfurter Torwart Kevin Trapp kann das 2:1 nicht verhindern
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Eintracht Frankfurt hatte beim 1:2 gegen Werder Bremen alles andere als Glück. Die Hessen mussten ein 0:1 nach Videobeweis und eine Rote Karte für Jetro Willems ebenso hinnehmen - und ein Last-Minute-Tor durch den Bremer Milot Rashica verkraften.

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„Es tut schon weh, wenn man ein Spiel so verliert. Auch weil wir in Unterzahl heroisch gekämpft haben“, räumte Adi Hütter nach der späten Ernüchterung ein, wollte aber nicht lange damit hadern. „Ich sehe das Positive“, betonte der Frankfurter Trainer und führte beispielsweise auf: „Die Mannschaft hat Leidenschaft gezeigt, und sie ist körperlich in einem guten Zustand.“ Ganz am Ende reichte das nicht für einen zählbaren Ertrag. Weil Gelson Fernandes mit einem unnötigen Trikotzupfer noch einen letzten Freistoß verursachte und der Bremer Joker Milot Rashica diesen zum 2:1 nutzte, in der sechsten Minute der Nachspielzeit. Kevin Trapp sah bei seiner sonst ordentlichen Rückkehr zwischen die Frankfurter Pfosten da nebenbei auch nicht ganz glücklich aus.

Eine entscheidendere Rolle beim Verlauf dieser turbulenten, intensiven Partie spielte eine andere Szene, mit einem anderen Hauptdarsteller: Nach einer halben Stunde hatte sich Linksverteidiger Jetro Willlems zu einem Klaps auf den Hinterkopf des Bremers Theodor Gebre Selassie hinreißen lassen, nach einem harmlosen Geplänkel am Spielfeldrand. „Eine dumme Aktion“, räumte Willems tags drauf in einer kleinlauten Internetbotschaft ein, für Hütter war es eine „klare Rote Karte“.

„Komischer Spielverlauf“

Freilich stand es dem Trainer gut zu Gesicht, die Niederlage nicht allein an der Unterzahl festmachen zu wollen. Schließlich hatte seine Eintracht zwar gut begonnen, mit viel Engagement. Die reifere Spielanlage aber zeigten die Gäste – nicht nur bei dem 0:1 durch Yuya Osako nach 20 Minuten, den die Schiedsrichter zuerst im Abseits gewähnt hatten und der nach dem Studium der Videobilder doch jubeln durfte. Den ersten Rückschlag für die Eintracht hatte es schon vorher gegeben: Da hatte Verteidiger Carlos Salcedo nach einer rüden Grätsche des Bremers Davy Klaassen mit schwer schmerzendem Sprunggelenk vom Platz humpeln müssen.

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„Der Spielverlauf war komisch“, fand Hütter: „Die Verletzungen, der Videobeweis, die Rote Karte.“ Nach der Pause ging es so weiter: Mijat Gacinovic wurde nach einer verunglückten Rückgabe eines Abwehrkollegen von Werders Keepers Jiri Pavlenka von den Beinen geholt. Dieser erlitt bei dem Zusammenprall eine Gehirnerschütterung und wurde mehrere Minuten bewusstlos auf dem Rasen behandelt – der Grund für die lange Nachspielzeit. Sébastien Haller nutzte den fälligen Elfmeter zum 1:1 (54.), zwischenzeitlich drängte die Eintracht gar nach mehr – um am Ende wieder stark unter Druck zu geraten und schließlich schwer getroffen zu werden.

„Der Sieg für uns ist glücklich, aber nicht unverdient“, fand der Bremer Trainer Florian Kohfeldt, nicht zu Unrecht und trotz der großen Frankfurter Einsatzbereitschaft. Nicht auszudenken, wenn die Eintracht nicht zum Start in die erste Klasse des deutschen Fußballs 2:0 in Freiburg gewonnen hätte! Sonst müsste man der Terminhatz nach der Länderspielpause schon bange entgegenblicken. Zwischen den ersten internationalen Festtagen in der Europa League warten dann schwere Brocken in der Bundesliga. Da könnte es auch so schwer werden, den Anschluss zu wahren.

Baustelle in der Zentrale

Dass es nach dem großen Umbruch des Sommers noch einige Bau- und Leerstellen gibt, war gegen Bremen wie bereits in Freiburg unübersehbar. Vor allem im Mittelfeld, wo sich der junge Lucas Torro zwar steigert und Fernandes fleißig sein Zerstörungswerk verrichtet, aber bei der Aufbauarbeit nicht wirklich helfen kann. Ein Lenker in der Schaltzentrale fehlt, er war auf dem Transfermarkt offenbar nicht zu finden. Während man sich gleichzeitig den Luxus leistet, Marco Fabián und Marc Stendera auszumustern. Ob sie nach erfolglosen Verkaufsversuchen nun aus dem Schaufenster zurückgeholt werden und vielleicht doch helfen dürfen? „Wir werden eine Lösung finden“, sagte Hütter am Samstag dazu nur. Dass er obendrein Makoto Hasebe auf die Tribüne setzte, erstaunte beim allgemeinen Mangel an strategischen Fähigkeiten umso mehr.

Dünn wird die Personaldecke auch auf den Außenbahnen, wo Willems erst einmal gesperrt ist und Verteidiger Salcedo vorerst auch nicht aushelfen kann. Zu gerne hätte Hütter Kevin Mbabu aus seiner alten Wirkungsstätte Bern nachgeholt, das scheiterte aber an den Preisvorstellungen des Schweizer Meisters – dem Vernehmen nach 9,5 Millionen Euro. „Man wünscht sich so manches. Aber ich weiß auch, was wirtschaftlich möglich ist“, trug es der Trainer mit einem süßsauren Lächeln.

Ein paar Sorgen hat er schon. Das Rätsel um den eigentlich unverzichtbaren Pokalhelden Ante Rebic etwa, der seine schwer fassbaren Schmerzen nun von Spezialisten in Serbien untersuchen ließ und so schnell nicht wieder auf dem Platz stehen wird. Oder die Wackler von Abwehrchef David Abraham, der in Hütters Viererkette seine Form sucht. Immerhin: Auf Evan Ndicka kann sich Adi Hütter verlassen, wenn er ihn braucht. In Freiburg für den angeschlagenen Abraham, nun für Salcedo. Und vermutlich auch bei den frühherbstlichen Herausforderungen.

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