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Eintracht Frankfurt: Es wird immer enger im Kampf um einen Kaderplatz

Verlassen haben die Eintracht zum Ende der Winter-Transferperiode nur Slobodan Medojevic und Max Besuschkow. Yanni Regäsel hat zwar noch einen Vertrag, ist aber nur noch der große Unbekannte.
Konkurrenten im Training und im Kampf um einen Stammplatz bei der Eintracht: Marc Stendera (links) und Marco Fabián Foto: Heiko Rhode (Heiko Rhode) Konkurrenten im Training und im Kampf um einen Stammplatz bei der Eintracht: Marc Stendera (links) und Marco Fabián
Frankfurt. 

Bis gestern Abend, 18 Uhr, hätte die Karriere des Fußball-Profis Yanni Regäsel kurzfristig eine positive Wendung nehmen können. Eine Ausleihe, ein Verkauf – beides wäre zum Ende der Winter-Transferperiode eine Option gewesen, nachdem der 22-jährige Berliner bei der Frankfurter Eintracht keine Zukunft mehr hatte. Aber es kam kein Geschäft zustande. Für Regäsel, ein rechter Außenverteidiger, der es immerhin in drei Junioren-Nationalmannschaften geschafft hat, gibt es offensichtlich keinen Markt. Man könnte auch ketzerisch vermuten: Der Spieler und sein Berater suchen diesen Markt gar nicht. Regäsels Vertrag bei der Eintracht läuft schließlich noch bis zum Sommer 2019.

Yanni Regäsel, im Januar 2016 von Hertha BSC nach Frankfurt gekommen, ist seit Monaten der große Unbekannte bei der Eintracht. Vom Mannschaftstraining ist er schon seit längerer Zeit freigestellt. „Wir haben ihm mitgeteilt, dass er sich einen anderen Verein suchen kann“, bestätigt Trainer Niko Kovac. Gleichzeitig wurde dem Spieler ein individuelles Trainingsprogramm zugewiesen.

Wo dieses Training stattfindet, wer es leitet, ist Verschlusssache bei der Eintracht. „Yanni ist mit der Situation zufrieden. Es gibt keinen Streit und keine juristische Klage“, sagt Kovac. Was womöglich daran liegt, dass Regäsel von der Agentur „Lian Sports“ vertreten wird, die mit Mijat Gacinovic, Ante Rebic, Luka Jovic und Taleb Tawatha vier weitere Klienten bei der Eintracht hat. Auch der Trainer verweist darauf, dass der Spieler einen Berater habe: „Aber anscheinend gibt es da wenig Interessenten.“

Bei Andersson Ordonez war das anders. Auch der Innenverteidiger aus Ecuador, im Januar diesen Jahres für eine Million Euro gekommen und mit einem Vertrag bis 2020 ausgestattet, war bei Kovac durchs Raster gefallen. Der 23-Jährige ist aber schon im alten Jahr zurück in seine Heimat, zu LDU Quito, ausgeliehen worden.

In Regäsels Statistik stehen nur zehn Spiele für die Eintracht. Als er geholt wurde, um zu einer echten Alternative für die rechte Seite aufgebaut zu werden, hieß der Trainer noch Armin Veh. Am Anfang lief es auch noch vielversprechend. Später fiel er über Monate wegen Hüftproblemen aus, die auch eine Operation nach sich gezogen hatten. Und dann war da noch ein Interview als Niko Kovac schon Trainer war – mit ein paar ehrlichen, aber unbedachten Äußerungen. „So wie ich trainiere, hätte ich auf jeden Fall eine Chance verdient“, hatte Regäsel geklagt, „ich trainiere stark, aber der Trainer sagt nichts.“ Damit hatte der Spieler sich keinen Gefallen getan.

Regäsel ist nicht der einzige Spieler im aktuell über 30 Mann starken Eintracht-Profikader, dem eine Luftveränderung gut täte. Die Konkurrenz ist groß, vor allem im Mittelfeld, wo nun auch wieder Omar Mascarell mitmischt und auch Marco Fabián nach seiner Genesung mit den Hufen scharrt.

Es wird immer enger auf dem Trainingsplatz. Hoffnungslos aber sei die Situation für die aktuellen „Reservisten“ nicht. Und bedauern müsse sie auch niemand. „Sie haben Verträge, verdienen ordentliches Geld und müssen sich empfehlen“, empfiehlt Kovac als Strategie für die Spieler, ihre Lage aus eigener Kraft zu verbessern: „Wer nicht im 18er-Kader steht, muss arbeiten, arbeiten, arbeiten.“ Alle Spieler seien in jedem Fall weiter „Teil der Mannschaft“, versichert der Eintracht-Coach.

Ein Spieler wie Marc Stendera zum Beispiel hat es aber zuletzt oft nicht einmal mehr in den Spieltagskader geschafft. „Die Situation ist für diese Spieler nicht einfach“, gibt Kovac zu: „Es ist klar, dass der eine oder andere sich Gedanken macht. Wir wollen den Spielern ja auch Spielpraxis geben“, sagt der Trainer. „Aber es kam keiner auf uns zu, und es macht keinen Sinn, dass wir jemanden in die 5. Liga schicken. Deswegen bin ich froh, dass der Max es jetzt nach Kiel geschafft hat.“

Der Max, das ist Max Besuschkow. Er wird in der Rückrunde das Trikot von Holstein Kiel tragen. Die Eintracht hat sich mit dem Aufsteiger, der in der Tabelle der 2. Liga aktuell und überraschend Rang drei belegt, auf ein Leihgeschäft bis zum kommenden Sommer geeinigt. Die „Störche“ haben keinen besonders breiten Kader. Besuschkows Chancen auf Einsatzzeiten stehen also gut.

„Sehr gute Lösung“

Bei der Eintracht ist man vom Potenzial des 20-jährigen Mittelfeldspielers zwar überzeugt. Gespielt hat Besuschkow, im Januar 2017 vom VfB Stuttgart an den Main gewechselt, in dieser Saison jedoch noch keine Minute. „Natürlich benötigt er Spielpraxis, und wir hoffen, dass er diese bei einem starken Zweitligisten auch bekommt. Für alle Seiten ist diese Leihe eine sehr gute Lösung“, sagt Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner.

Mit Besuschkow und Slobodan Medojevic (zu Darmstadt 98) haben also nur zwei Profis die Frankfurter Eintracht verlassen. In die letzten dreieinhalb Monate der Saison gehen die Frankfurter mit 35 Spielern, die mit Verträgen gebunden sind. Darunter der einzige Neuzugang Marijan Cavar (Mostar), der in der kommenden Woche nach seinen ersten Länderspielen für Bosnien-Herzegowina an seinem neuen Arbeitsplatz erwartet wird, den fünf A-Jugendspielern Sahverdi Cetin, Nelson Mandela, Deji Beyreuther, Noel Knothe und Renat Dadashov sowie Regäsel.

Inklusive Cavar und Comebacker Alexander Meier werden sich also 29 Spieler um die elf Start- und weitere sieben Bankplätze bemühen. Eine enorme Anzahl und eine enorme Herausforderung für Trainer Niko Kovac, der den quantitativen Überfluss managen muss, ohne dass Unzufriedenheit aufkommt und es dadurch zu Reibungsverlusten kommt.

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