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Eintracht Frankfurt: Fehlersuche: Das grundlegende Problem ist ein anderes

Von Das Spiel gegen Leverkusen verliert die Eintracht in der Minute, in der sie es hätte gewinnen können. Sorgen bereitet Torwart Hradecky aber vor allem eine andere Frage.
Intensives Ringen: Bayer-Stürmer Kevin Volland (links) gegen Eintracht-Verteidiger Simon Falette Foto: Christian Klein (FotoKlein) Intensives Ringen: Bayer-Stürmer Kevin Volland (links) gegen Eintracht-Verteidiger Simon Falette
Frankfurt. 

Die Fehlersuche begann ganz vorne, und sie endete ganz hinten. „Das Gegentor war unnötig“, urteilte Lukas Hradecky, der von seinem Platz zwischen den Pfosten der Frankfurter Eintracht einen guten Blick auf das Geschehen hatte und zu seinem Leidwesen in dieser Szene auch kaum über eine Zuschauerrolle hinauskam. „Vorne sind wir zu dritt gegen zwei, das müssen wir besser ausspielen“, sagte der Schlussmann, und diese Forderung hätte wohl jeder im Frankfurter Lager unterschrieb. Nicht allein war Hradecky auch mit seiner Beschreibung vom Ende der Kettenreaktion: „Dass da einer so frei im Strafraum steht, hat mich schon gewundert.“

Verzweifelt hatte er noch nach einem Bewacher für den einsamen Gästestürmer Kevin Volland gerufen. „Aber keiner hat mich gehört“, berichtete Hradecky, und er konnte sich dann so groß machen, wie er wollte: Das Tor zum 1:0-Sieg für Bayer Leverkusen konnte er nicht verhindern. Das hätten dafür andere erledigen können, angefangen bei Mijat Gacinovic.

Sein verheißungsvoller Konter hätte der Eintracht den Sieg bringen können. Stattdessen leitete er eine unglückliche, aber letztlich nicht unverdiente Niederlage ein. Gacinovic, der an diesem Tag bei aller Fleißarbeit zu oft die falsche Entscheidung traf, versäumte das richtige Abspiel und blieb mit seinem schwachen Schuss hängen – und nur 16 Sekunden später lag der Ball im eigenen Tor. Weil es Simon Falette erst versäumte, den jungen Leverkusener Kai Havertz bei der Entstehung des Konters zu bremsen, und dann nicht mitbekam, wie sich Volland in seinem Rücken völlig frei lief. Und weil auch der Rest der abwehrenden Abteilung nicht entschlossen genug eingriff. „Da müssen wir besser durchdecken“, ärgerte sich Trainer Niko Kovac.

Fast nie ohne Gegentor

Dass dieses Tor „wie aus dem Nichts“ fiel, wie es Sportvorstand Fredi Bobic ausdrückte, stimmte insofern, als dass in dieser zweiten Halbzeit eher die Eintracht am Drücker war. Gleichzeitig aber erinnerte dieser Konter in seiner Geschwindigkeit und spielerischen Klasse an die weniger erfolgreichen Leverkusener Vorstöße aus der ersten Hälfte, die entweder am Pfosten landeten oder andersweitig vergeben wurden. Da hatte die Eintracht noch Glück. Später aber wurde sie dafür bestraft, dass ihre Abwehr zwar meist gut steht, aber doch fast nie ganz ohne Gegentor davonkommt. Dass es mindestens einmal in 90 und ein paar mehr Minuten doch eine Lücke in der Konzentration und damit in der Abwehrkette gibt – und das diesmal gegen einen Gegner, der von einem anderen fußballerischen und finanziellen Kaliber ist, ganz andere Ambitionen hegt und da keine Gnade kennt.

Hradecky legte seinen Finger noch in eine andere Wunde. „Heute gab es keine Tore und keine Punkte, das kann passieren in einer langen Saison. Aber wir müssen uns schon Gedanken machen, wie wir mehr Ballsicherheit und Kontrolle in unser Spiel kriegen“, sprach der Torwart ein grundlegendes Problem an, das sich durch die gesamte Saison zieht: Mit dem Ball am Fuß weiß die Eintracht oft wenig anzufangen – wie übrigens so mancher Klassenkamerad aus der Bundesliga. Im Frankfurter Fall war das beispielsweise bei der Heimniederlage gegen Augsburg unübersehbar und unlängst trotz des späten Sieges auch gegen Werder Bremen ein Thema. Und jüngst in Hoffenheim, wo die lange gute Eintracht einen unglücklichen späten Ausgleich kassierte, fehlte zunehmend die Entlastung, weil die Bälle zu schnell wieder verloren gingen.

Mängel in der Aufbauarbeit

Gegen Leverkusen landeten nun vor allem in der ersten Halbzeit viel zu wenige Pässe an der richtigen Adresse. Bei aller Zweikampfstärke in der Abwehrreihe: Insbesondere Carlos Salcedo und Simon Falette zeigten erneut krasse Mängel in der Aufbauarbeit, droschen die Kugel meist nur ins Nirgendwo – und bekamen es so prompt wieder mit anstürmenden Gegnern zu tun. In der Höhenwanderung der Hinrunde vor einem Jahr war es eine Stärke der Eintracht, den Ball auch mal hinten in den eigenen Reihen laufen zu lassen, freilich auch mit den passenden Nebenmännern für den verbliebenen Abwehrchef David Abraham: Leih-Verteidiger Jesus Vallejo, auf die Bank von Real Madrid abgewandert, und Makoto Hasebe, der mit seinen Knieproblemen den Status als feste Größe erst einmal verloren hat und gegen Leverkusen nur zuschauen durfte.

„Ich weiß nicht, ob wir Angst haben, das Spiel zu machen, wenn es schwer wird, wenn es zu klein wird“, rätselte Hradecky nun. Ihre beste Phase hatten die Frankfurter am Samstag, als sie sich nach der Pause mutig weiter vorne aufstellten, den Gegner ihrerseits unter Druck setzten und zu Fehlern zwangen – was an die mit einem Tor belohnte erste Hälfte in Hoffenheim erinnerte. Diesmal war die Hochphase weniger lang und weniger erfolgreich. Und dann verlor die Eintracht das Spiel in der Minute, in der sie es doch hätte gewinnen können.

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