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Eintracht Frankfurt: Flum: „Ich weiß, wie schwierig es ist“

Von Sein Trainingsunfall Anfang Dezember war ein Schock für die Eintracht. Nach dem Bruch seiner Kniescheibe ist Johannes Flum nun auf dem schweren Weg zurück auf den Platz. Und leidet beim Abstiegskampf der Kollegen als Zuschauer mit.
Unfreiweilliger Zuschauer, inzwischen immerhin nicht mehr an Krücken: Johannes Flum. Foto: Christian Klein ( FotoKlein) Unfreiweilliger Zuschauer, inzwischen immerhin nicht mehr an Krücken: Johannes Flum.

Hallo Johannes, die wichtigste Frage zuerst: Was macht das Knie? Haben Sie noch Schmerzen?

Nein, Schmerzen habe ich keine mehr. Und, sonst geht es mir auch soweit gut. Das Knie sieht gut aus und die Heilung macht Fortschritte.

Wie sehr sind Sie in Ihrer Bewegungsfreiheit noch eingeschränkt? Können Sie zum Beispiel schon wieder Auto fahren?

Auto fahren kann ich und im Alltag habe ich im Grunde keine Einschränkungen mehr. Klar, für den Trainingsplatz ist es noch viel zu früh, ich kann noch nicht mal joggen – da muss erst noch Muskulatur aufgebaut werden in der Reha. Aber ich kann mich wieder bewegen, das ist ja schon was. In den ersten Tagen und Wochen durfte ich das Bein ja überhaupt nicht belasten, da konnte ich mich kaum vom Fleck rühren.

Da werden auf einmal Sachen wichtig, über die man sich vorher gar keine Gedanken gemacht hat. Was waren denn die größten Hürden im Alltag?

Ich habe auf jeden Fall gemerkt: Das ist eine richtig schwere Verletzung. Ich musste eine Schiene tragen und konnte das Bein nicht bewegen. Da war schon Duschen eine Herausforderung.

Eintracht Frankfurt Adlerträger mit Nachholbedarf

Für das Durchzählen der Pflichtspiele der Eintracht gegen FC Ingolstadt 04 reicht die Hand eines Dreifinger-Faultiers. Denn neben der 0:2-Hinrundenniederlage in Oberbayern im Oktober 2015 stehen lediglich die Zweitligapartien aus der Saison 2011/12 zu Buche – in beiden gab es keinen Sieger. Die Eintracht steht also nicht nur aufgrund der prekären Tabellensituationen quasi vor einer Pflichtaufgabe, die da lautet: endlich einen Sieg gegen die ’Schanzer’ einfahren.

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Dass Ihre Frau Physiotherapeutin ist, war und ist wahrscheinlich nicht unpraktisch?

(Lacht) Ja, das könnte man denken, aber in den ersten Wochen war nicht viel mit Physiotherapie, weil ich das Bein ja ruhig halten musste. Da hat sie nicht groß was machen können. Davon abgesehen arbeitet meine Frau und ist froh, wenn sie abends zu Hause nicht auch noch jemanden behandeln muss. Und ich bin auch gut beschäftigt mit Arztbesuchen und Reha, das reicht eigentlich.

Sie haben eine Platte eingesetzt bekommen, um die gebrochene Kniescheibe zu stützen. Wann muss die wieder raus?

Das kann ich irgendwann selbst entscheiden. Da muss man einfach schauen, ob es stört oder nicht. Eilig wäre das nicht, wenn es mich nicht behindert. Und so eine Operation dauert ja dann auch wieder ein paar Tage, weil aufgeschnitten werden müsste das Knie ja.

Wo stehen Sie jetzt in der Reha? Sind die Ärzte bei der Prognose geblieben, dass es keine bleibenden Schäden geben wird?

Ich war vergangene Woche bei Professor Hoffmann, der mich operiert hat. Er war sehr zufrieden mit dem Knie und mit der Heilung. Ich bin froh, dass es so gut gelaufen ist bisher. Und auch bei Julia Runzheimer bei Proreha läuft es sehr gut. Wie gesagt: Joggen geht noch nicht, aber genau das ist im Moment das primäre Ziel, dass ich wieder zum Laufen kann. Angst, dass etwas so kaputt ist, dass ich nicht weiterspielen kann, hatte ich übrigens nie.

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Ein bisschen haben Sie jetzt schon eine Draufsicht bekommen auf das „Geschäft Profifußball“. Hat sich Ihre Sichtweise geändert durch die Verletzungspause?

Stimmt schon, man ist nicht ganz so im Alltag dabei, den täglichen Kontakt mit den Kollegen hat man nicht. Und das ist auch gut, denke ich, sonst würde man sich und die anderen ja viel zu sehr verrückt machen. Die Reha extern zu machen, das ist also eine gute Sache. Trotzdem fiebert man natürlich mit. Und zuzuschauen ist wirklich schwierig, weil man ja gerne mithelfen würde. Aus meiner Position auf der Tribüne oder vor dem Fernseher kriegt man noch deutlicher mit, dass es viele Experten gibt und viele gut gemeinte Ratschläge. Aber ich weiß, wie schwierig es manchmal ist, wenn man unten auf dem Platz steht.

Dann erklären Sie es uns!

Wissen Sie, von außen sieht es vielleicht manchmal leicht aus, da hat jeder einen Vorschlag: Spiel doch hierhin, stell doch den auf. Aber wenn man erst einmal verunsichert ist und nicht das spielt, was man sonst kann, dann hilft das nichts. Jeder muss schauen, dass er seine Aufgabe bewältigt und zusätzlich noch dem Nebenmann helfen. Denn eins ist klar: Wir müssen uns nicht verstecken, auch wenn wir noch viele schwere Spiele haben.

Ist mit den Leiden eines Trainer vertraut: Charly Körbel.
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Charly Körbel (61) ist mit 602 Einsätzen, alle im Trikot der Frankfurter Eintracht, Bundesliga-Rekordspieler. Inzwischen schon traditionell erklärt er vor jedem Heimspiel die aktuelle Lage aus seiner Sicht.

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Was ganz anderes: Was hat eigentlich bei Ihnen und Thomas Schaaf nicht gepasst? Bevor er kam waren Sie Stammspieler, unter ihm oft genug nicht einmal im Kader.

Das ist Vergangenheit. Ich bin am schauen, das ich gesund werde und richte den Blick lieber nach vorne.

Da fällt mir ein, dass Ihr Vertrag im Sommer ausläuft. Und dann?

Der Verein hat signalisiert, dass sie eventuell mit mir verlängern wollen. Mehr gibt es dazu im Moment nicht zu sagen.

Und von der Verletzung abgesehen? Sie sind 28 und ewig werden Sie kein Fußballer mehr sein. Was kommt danach?

Ich will auf jeden Fall noch ein paar Jahre kicken. Und dann kann ich mir natürlich vorstellen, im Fußballgeschäft zu bleiben. Der Trainerjob würde mich grundsätzlich reizen, weil da noch viele andere Sichtweisen zum Thema Fußball dazukommen als nur die des Spielers. Ich denke schon, dass ich das mal ausprobiere. Ich weiß aber auch, dass man nicht nur ein guter Trainer wird, weil man mal Profi war.

Haben Sie das Gefühl, dass Ihre Mannschaft das Ruder noch herumreißen kann?

Auf jeden Fall, es ist ja auch eine Herausforderung. Man muss in seiner Karriere auch diese Situation gehabt haben. Oder sie gehören jedenfalls einfach dazu. Es geht nicht immer nur bergauf, im Leben nicht und auch nicht im Sport. Solche Dinge muss man angehen, dadurch wird man stärker. Es fällt mir ganz und gar nicht leicht, jetzt nur Zuschauer zu sein. Ich spiele in der Bundesliga, seit ich 20 bin, und bin noch nie abgestiegen. Und ich bin sicher, die Jungs sorgen dafür, dass das so bleibt.

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Wirklich schlecht. Seit sechs Spielen ohne Sieg, seit drei ohne eigenen Torerfolg. Die Fans sind wütend, die Spieler verunsichert und der Trainer wirkt ratlos. Es könnte kaum schlechter stehen um die Eintracht.
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