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Eintrachts Co-Trainer schnappt Straßenräuber: Frankfurt: Robert Kovac zeigt Zivilcourage im Westend

Im Frankfurter Westend schnappt Robert Kovac einen Räuber auf frischer Tat – mit bewährten Profi-Tugenden. "Hätte er ein Messer gehabt, wäre die Situation vielleicht anders verlaufen", sagt der Co-Trainer.
Robert Kovac Foto: Jan Huebner (Jan Huebner) Robert Kovac
Frankfurt. 

Auch bei den Profis der Frankfurter Eintracht war der besondere Einsatz ihres Co-Trainers am Tag danach natürlich ein Gesprächsthema. „Ich finde, dass er viel Mut bewiesen hat“, sagte Verteidiger Bastian Oczipka, Torwart Lukas Hradecky lobte: „Robbie hat schnell reagiert. Hut ab, dass er eingegriffen hat.“ Zu seiner aktiven Zeit als Berufsfußballer war Robert Kovac ein Verteidiger ohne Furcht und Tadel. Dass sich an dieser Grundeinstellung nicht viel geändert hat und dass er auch mit inzwischen 43 Jahren als Assistent im Trainerstab seines Bruders Niko noch voll in Form ist, half ihm am Montagabend in einem besonderen Fall von Zivilcourage: Beim Gassigehen mit seinem Hund im Frankfurter Westend schnappte Robert Kovac einen flüchtenden Straßenräuber auf frischer Tat und hielt ihn fest, bis die Polizei kam.

„Ich habe gehört, wie jemand Überfall und Polizei geschrien hat“, schilderte Kovac gestern selbst den Vorgang. „Da bin ich auf ihn los, er ist weggerannt. So nach 50 Metern habe ich ihn gestellt und in den Schwitzkasten genommen. Dann habe ich ihn ins Restaurant gezogen und ihn später der Polizei übergeben.“ Den Überfall selbst hatte Kovac nicht gesehen. Der Mann war ihm aber schon vorher aufgefallen, weil er sich verdächtig vor einer Bank herumtrieb, kurz nach 22 Uhr. Als ein 72 Jahre alter Frankfurter aus der Filiale kam, folgte ihm der Räuber, riss ihn in der Freiherr-vom-Stein-Straße zu Boden. Der Rentner erlitt leichtere Verletzungen – und ließ sich in seiner Angst die gerade abgehobenen 40 Euro abknöpfen. Der Räuber indes, der am Tag des Überfalls erst aus der Untersuchungshaft entlassen worden war, kam mit seiner Beute nicht weit. Als er Hilferufe vernahm, sprintete Kovac hinterher, schnappte den 28-Jährigen und schaffte ihn in das Restaurant Block House, bis zum Eintreffen der Beamten.

„Natürlich muss man Zivilcourage beweisen und Leuten in Not helfen. Aber ich weiß nicht, ob ich immer so handeln würde“, sagte er. „So etwas ist immer schwierig zu entscheiden. Hätte er ein Messer gehabt, wäre die Situation vielleicht anders verlaufen. Wäre er zwei Meter groß gewesen, muss man auch überlegen. Aber ich habe es getan und hoffe, dass es andere Menschen auch tun.“

Als Profi bestritt Robert Kovac 247 Bundesligaeinsätze für den 1. FC Nürnberg, Bayer Leverkusen Bayern München und Borussia Dortmund, spielte 50 Mal in der Champions League. Zwischendrin lief er zwei Jahre für Italiens Rekordmeister Juventus Turin auf, zum Ausklang wechselte er aus Dortmund zu Dinamo Zagreb und sammelte bis zum Karriereende 2010 noch zwei kroatische Meistertitel und einen Pokaltriumph. Das Double aus Meisterschaft und nationalem Pokal war ihm 2003 und 2005 in Deutschland schon mit Bayern München gelungen, für den er zeitweise ebenso wie zuvor schon in Leverkusen gemeinsam mit Bruder Niko am Ball war. Auch in Kroatiens Nationalmannschaft, mit der er an den Weltmeisterschaften 2002 und 2006 sowie den Europameisterschaften 2004 und 2008 antrat, spielte Robert Kovac lange an der Seite seines Bruders und übernahm nach dessen Abgang von ihm das Amt des Kapitäns.

Aufgewachsen sind Robert und der zwei Jahre ältere Niko Kovac im Berliner Stadtteil Wedding als Söhne kroatischer Eltern, teilten sich ein Zimmer. Auch als Trainer treten sie gemeinsam auf. Im Januar 2013, als Niko Kovac die kroatische U-21-Auswahl übernahm, wurde Robert sein Assistent. Mit der gleichen Rollenverteilung führten sie nach der Beförderung in die A-Nationalmannschaft Kroatien zur Weltmeisterschaft 2014 nach Brasilien, seit dem 8. März 2016 arbeiten sie in der gleichen Konstellation in Frankfurt – wo sie die Eintracht aus schwieriger Lage zum Klassenerhalt führen sollten. Dass Niko Kovac nach den erfolgreichen Zitterspielen in der Relegation als Erstes die unterlegenen Gegner vom 1. FC Nürnberg tröstete, war dabei typisch für die Kovac-Brüder.

Niko Kovac wurde für dieses Verhalten mit der Fairplay-Medaille des Deutschen Fußball-Bundes und dem Fairplay-Preis des Deutschen Sports ausgezeichnet. Dabei war es für ihn eigentlich ganz normal – ebenso wie der Einsatz seines Bruders am Montagabend, den beide gar nicht überbewerten wollten. „Er hat Zivilcourage gezeigt. So wollen wir es ja alle“, meinte Niko Kovac. „Aber das sollte man jetzt nicht so hoch hängen.“

(mka,pes)
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