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Eintracht Frankfurt: Frankfurt spielt mutlos gegen die Bayern-Reserve - Bobic redet Tacheles

Die Frankfurter Eintracht war im Spiel bei Bayern München auf verlorenem Posten. Obwohl der deutsche Meister nur mit einer C-Elf antrat. Man hatte den Eindruck, dass die Mannschaft nicht in die Europa League einziehen möchte. Sportvorstand Fredi Bobic redete nach der 1:4-Niederlage Tacheles.
Frust pur: Die Frankfurter Luka Jovic, Omar Mascarell und Marco Russ (von rechts) nach der dritten deutlichen Niederlage in Folge Foto: Angelika Warmuth (dpa) Frust pur: Die Frankfurter Luka Jovic, Omar Mascarell und Marco Russ (von rechts) nach der dritten deutlichen Niederlage in Folge
München. 

Das Gastspiel in der bayerischen Landeshauptstadt wird man bei der Frankfurter Eintracht wohl länger in Erinnerung behalten. Nicht nur, weil Sportvorstand Fredi Bobic erstmals nach dem Wechseltheater um Trainer Niko Kovac auf die Bayern-Bosse traf. Denn der deutsche Rekordmeister schonte drei Tage vor dem Halbfinalrückspiel in der Champions-League bei Real Madrid fast alle Stars und schickte eine Mannschaft auf das Feld, die höchstens mittleres Bundesliga-Niveau hatte. Vier Nachwuchskräfte durften ran, drei davon feierten ihr Debüt im deutschen Oberhaus. Der übermächtige Branchenprimus wirkte plötzlich nicht mehr übermächtig. Die Eintracht durfte sich etwas ausrechnen, sogar der erste Sieg in München seit über 17 Jahren schien realistisch. Sie hatte die große Chance im Kampf um einen Europa-League-Platz ein Signal zu senden. Sie hätte zeigen können, dass sie Mentalität besitzt, dass sie Rückschläge wegstecken kann. Ein Signal setzte sie am Samstagnachmittag in der Allianz-Arena tatsächlich. Ein verheerendes Signal, denn die Leistung im drittletzten Saisonspiel war uninspiriert, mutlos und kraftlos.

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Als Fredi Bobic nach der 1:4 (0:1)-Pleite vor die Presse trat, wirkte er konsterniert und ratlos. Seine Miene war versteinert, zu Scherzen war der Eintracht-Sportvorstand diesmal nicht aufgelegt. Sachlich und nüchtern, aber auch sehr deutlich redete er über den Auftritt der Frankfurter Mannschaft, die die dritte deutliche Niederlage in Folge kassierte. „Bei dieser Nicht-Leistung fehlen mir die Worte. Wenn ich sehe, dass mir der eine oder andere U19-Spieler gegenübersteht, muss ich die so unter Druck setzen, dass die Fehler machen“, polterte Bobic und schob nach: „Von der richtigen Einstellung waren wir ganz, ganz weit entfernt. So gewinnst du gegen kein Team in der Bundesliga.“

Fahrig im Spielaufbau

Die Kovac-Mannen warteten ab, anstatt die Initiative zu ergreifen. Sie zeigten eine miserable Körpersprache, agierten im Spielaufbau über weite Strecken fahrig. Erschreckend oft spielten sie hinten rum, ohne jeglichen Willen. Man hatte das Gefühl, dass sich die Mannschaft ihrer einmaligen Chance nicht bewusst war. Denn es war unübersehbar, dass sich die wenigen gestandenen Bayern-Spieler wie Mats Hummels vor dem schweren Gang nach Madrid nicht wehtun wollten. Mit ein bisschen Leidenschaft hätte man der C-Mannschaft des deutschen Meisters daher wohl mächtig zusetzen können. Und was machte die Eintracht? Fast nichts.

„Das haben wir uns anders vorgestellt. Aufgrund der Aufstellung der Bayern hatten wir uns mehr ausgerechnet“, sagte Kovac, der mit seiner Mannschaft hart ins Gericht ging: „Es fehlt uns, dass jeder alles gibt. Denn jetzt geht es um viel. Die Spieler haben kommuniziert, dass sie nächste Saison in Europa spielen wollen. Das geht aber nicht mit links.“ In der ersten Halbzeit plätscherte das Spiel vor sich hin, ehe die Eintracht kurz vor der Pause binnen 180 Sekunden zwei gute Chancen zur Führung hatte. Erst scheiterte Mijat Gacinovic, dann Luka Jovic – und dann schlugen die bis dahin blassen Bayern erstmals zu. Durch Niklas Dorsch, der eigentlich Kapitän der Regionalliga-Mannschaft ist. Vielleicht hätte die Partie einen anderen Verlauf genommen, wenn die Eintracht in Führung gegangen wäre. Vielleicht hätte sie dann tatsächlich den Glauben entwickelt, dass etwas gehen könnte. Vielleicht wäre sie dann konsequenter in die Zweikämpfe gegangen. Und vielleicht hätte es dann auch mehr Unterstützung von den rund 8000 Eintracht-Fans gegeben, die Trainer Kovac während der Mannschaftspräsentation erneut auspfiffen. So blieb es aus hessischer Sicht eine ziemlich deprimierende Begegnung, die die Bayern ohne größeren Aufwand kontrollierten. 

Schlussoffensive bleibt aus

In der Vorwärtsbewegung zeigte die Eintracht hin und wieder gute Ansätze. Nicht mehr, nicht weniger. In der Defensive schwächelte sie hingegen bedenklich. In der Schlussphase leistete sich etwa Innenverteidiger Simon Falette einen üblen Schnitzer, leitete dadurch den zweiten Gegentreffer durch den besten Münchner, Sandro Wagner, ein. Kurz danach glückte Sebastien Haller der Anschlusstreffer, kurzzeitig keimte noch einmal etwas Hoffnung auf. Doch man hatte nicht das Gefühl, dass die Eintracht bereit ist, alles in die Waagschale zu werfen. Man hatte nicht einmal das Gefühl, dass sie unbedingt den Sprung in die Europa League schaffen möchte.

Eintracht Versöhnlich beenden

Nach den Niederlagen bei Bayer Leverkusen (1:4), gegen Hertha BSC Berlin (0:3) und nun in München sind die Chancen auf das internationale Geschäft deutlich gesunken. Das Kovac-Team steht zwar weiterhin auf dem siebten Platz, der für die Qualifikationsspiele berechtigt. Doch in der jetzigen Verfassung muss stark bezweifelt werden, dass die Eintracht in den verbleibenden beiden Spielen die nötigen Zähler holen kann. Am kommenden Samstag steigt das letzte Heimspiel gegen den Hamburger SV, der im Abstiegskampf Morgenluft gewittert hat. Und am letzten Spieltag muss die Eintracht zum Tabellenzweiten FC Schalke 04, der eine starke Spielzeit sicher nicht mit einer Niederlage beenden möchte. Ob der scheidende Niko Kovac dann noch Trainer ist, darf zumindest bezweifelt werden. Seit sein Wechsel zum FC Bayern bekannt ist, hat die Eintracht kontinuierlich abgebaut und in der Bundesliga keinen Zähler mehr geholt. Von einem Zusammenhang wollte Kovac aber trotzdem nicht sprechen, reagierte auf eine entsprechende Frage eines Journalisten zurückweisend: „Wenn Sie eine Kausalität herstellen möchten, obliegt es Ihnen. Ich denke, es hat damit nichts zu tun.“

Der Großteil der Spieler wollte über den Auftritt nicht sprechen. Einer der wenigen war Danny da Costa, der die Schlappe nicht am vermeintlich fehlenden Mut festmachte. „Ich will nicht sagen, dass wir nicht mutig genug waren“, sagte der Rechtsverteidiger, der den Blick nach vorne richtete: „Wir haben noch zwei Spiele, um das Ruder herumzureißen. Dafür müssen wir wieder hinten stark stehen.“ Die meisten Eintracht-Akteure trotteten grußlos mit gesenktem Haupt Richtung Mannschaftsbus. Auch Sportdirektor Bruno Hübner hatte keinen Redebedarf, merkte nur an: „Unser Sportvorstand hat genug gesagt.“

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