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Eintracht Frankfurt: Fredi Bobic: Wer europäische Ziele hat, muss anders spielen

Von Auf das Spitzentreffen gegen Leipzig folgt die Ernüchterung in Stuttgart. Eintracht-Boss Bobic mahnt : Wer europäische Ziele hat, muss solche Spiele anders bestreiten.
Sportvorstand Fredi Bobic. Foto: Christian Klein (FotoKlein) Sportvorstand Fredi Bobic.
Stuttgart. 

Eine Miene verzog Niko Kovac nicht, allein schon aus kollegialer Verbundenheit wahrscheinlich und weil er ein höflicher Mensch ist. Seinen Teil aber dürfte sich der Trainer der Frankfurter Eintracht gedacht haben, als Tayfun Korkut neben ihm auf dem Podium zu einer Eloge auf seine Elf anhob, dass man fast hätte meinen können, er wäre hier gerade mit Borussia Dortmund oder Bayer Leverkusen zu Gast gewesen, mindestens. Frankfurt sei eine Top-Mannschaft, die nicht umsonst dort oben stünde, erklärte der seit kurzem den VfB Stuttgart anleitende Fußballlehrer zum Beispiel. Und so viele vernünftige Dinge Korkut sonst noch sagte: Seine Einschätzung, dass die Eintracht der „erwartet starke Gegner“ gewesen sei, teilten wohl nicht viele, die das Spiel ebenfalls gesehen hatten – auch Kollege Kovac nicht.

Eintracht-Abwehrchef David Abraham (links) kommt zu spät, um das Gegentor des Tages durch den Stuttgarter Erik Thommy (2, von rechts) noch zu verhindern.
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In der Vorbereitung auf den Termin beim VfB Stuttgart war immer wieder die Rede gewesen von den jüngsten Reiseerlebnissen im anderen Teil des Schwabenlandes, jenseits der bayerischen Grenzen.

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Ein wenig gehörte diese Überhöhung des Gegners vermutlich zum Versuch, dem für den nun langsam etwas entspannteren Stuttgarter Abstiegskampf so wichtigen 1:0 (1:0) gegen den vermeintlich so dicken Brocken aus Frankfurt auch genug Wertschätzung aus eigenen Reihen einzutreiben. Das kennt man in der Bundesliga. Was die Leistung seiner Eintracht und das ganze Elend an diesem frostigen Samstagnachmittag anging, fällte Kovac freilich das treffendere Urteil. „Das Spiel war nicht gut und wir waren noch schlechter“, zürnte er. „Die Art und Weise, wie wir das Spiel geführt haben, ärgert mich maßlos“.

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Zumal der VfB „bei allem Respekt ein anderer Gegner als Augsburg“ gewesen sei. Ein schwächerer, so klang es zwischen den Zeilen durch, aber auch da war Kovac zu höflich, um das so offen zu sagen. „Augsburg hat uns aufgefressen. Aber der VfB hat sich ja kein Bein ausgerissen, um uns zu besiegen, das ist ja das Ärgerliche“, betonte er in Erinnerung an das 0:3 beim FC Augsburg vor drei Wochen nur – und holte stattdessen zum großen Rundumschlag in eigener Sache aus.

Lange Mängelliste

„Technisch, taktisch, körperlich, mental. Das war in allen Belangen zu wenig“, tadelte Kovac, und weiter: „Wir waren viel zu fahrig, haben zu viele Fehler gemacht, haben zu viele lange Bälle gespielt, hatten keine Aggressivität, kein Zweikampfverhalten, wird sind in Panik und Hektik verfallen.“ Diese Mängelliste ließ nichts Gutes übrig – und so war das Beste an diesem gebrauchten Eintracht-Tag die schonungslose Kritik des Trainers, der offen alle Übel ansprach.

Tatsächlich ließ seine Mannschaft alles vermissen, was ihr einen unverhofft guten Tabellenplatz in der Bundesliga mitsamt einer glänzenden Ausgangsposition im Rennen nach Europa verschaffte und was sie ganz besonders beim 2:1 im Spitzentreffen mit RB Leipzig ausgezeichnete. In das sie alles hineingeworfen hatte an Herz und Mut und Klasse und Charakter, so viel, dass davon anscheinend nichts mehr übrig geblieben war für den Besuch in Stuttgart, wo sie dann ein ganz anderes Gesicht zeigen sollte.

Dass Kevin-Prince Boateng wegen zu vielen Gelben Karten nicht mit dorthin fahren durfte, dass auch Omar Mascarell dafür der geprellte Fuß weiterhin zu sehr schmerzte, war keine Hilfe – dass der Eintracht ihre beiden Bosse im Mittelfeld fehlten, ließ sich nicht übersehen. Makoto Hasebe und auch Mijat Gacinovic waren in der Schaltzentrale überfordert, aber daran lag es nicht allein. „Wir haben im Kollektiv versagt. Ich glaube nicht, dass Kevin alleine das hätte herumreißen können“, stellte Kovac klar. Der Auftritt in Stuttgart missriet von vorne bis hinten. Geradezu beispielhaft dafür war, wie seine Mannschaft sich in der 13. Minute das Gegentor des Tages praktisch selbst einschenkte.

„Sensationelle Fehlerkette“

Erst verlor Simon Falette den Ball, vor allem gab ihn David Abraham gegen VfB-Stürmer Daniel Ginczek bei einem seltsamen Klärungsversuch mit der Hacke wieder her, obwohl er ihn eigentlich sicher hatte. Torwart Lukas Hradecky zögerte beim Herauslaufen und wurde von Ginczek umkurvt – dessen Schuss dann Marco Russ von der Linie grätschte. Ob er besser den linken statt den rechten Fuß dafür genommen hätte, wie sich nicht nur Sportvorstand Fredi Bobic fragte? So jedenfalls prallte der Ball an den Pfosten und zurück in den Strafraum, und weil ihn Danny da Costa hatte laufen lassen, konnte der Stuttgarter Erik Thommy ihn unbedrängt ins Tor schieben.

„Eine sensationelle Fehlerkette. Wir haben alles dafür getan, dass dieses Tor fällt“, schüttelte Bobic später den Kopf. Eigentlich war dieses Spiel für ihn ein typisches 0:0. „Das wäre dann auch okay gewesen. Wenn nicht mehr geht, dann musst du einen Punkt mitnehmen. Das haben wir nicht geschafft und vielleicht auch nicht verdient, weil uns die Cleverness und der letzte Hunger gefehlt haben“, fuhr er fort und sagte zu den zuletzt auch von den Spielern geäußerten und angesichts des Tabellenbildes ja auch ganz verständlichen Ambitionen auf den Europacup: „Wenn die Jungs solche Ziele haben, müssen sie Spiele wie hier auch anders bestreiten, sich nicht vom Gegner die Spielweise aufzwingen lassen und die Punkte mitnehmen.“

Dem VfB reichte solides Abwehr-Handwerk und eine gewisse Zweikampfstärke, um diese ziemlich zahnlose Eintracht im Zaum zu halten. Der eingewechselte und sonst auch kaum überzeugende Marco Fabian vergab noch eine gute Chance in der Nachspielzeit, das war es schon fast. „Man hat wieder gesehen, dass wir Schwierigkeiten haben gegen kompakt stehende Mannschaften“, machte Kovac altbekannte Schwierigkeiten aus.

Noch mehr beschäftigte ihn der neuerliche Leistungsabfall: Schon dem 2:0 gegen Gladbach war die Enttäuschung in Augsburg gefolgt, und der erhoffte Lernerfolg ist nicht eingetreten. Ob die Eintracht nun eher in der Fremde punktet wie in der Hinrunde oder eher zu Hause wie in der Rückrunde: „Wir müssen darüber nachdenken, warum auf ein gutes Spiel ein schlechtes folgt. Das unterscheidet uns von Top-Mannschaften. Die liefern nach einem guten Spiel wieder ein gutes ab“, sagte Niko Kovac und schloss daraus: „Wir sind noch nicht so gut, wie uns viele gerne hätten.“

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