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Eintracht Frankfurt: Früher war alles anders

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Foto: Jan Huebner (Jan Huebner)

Ob früher in diesen Angelegenheiten tatsächlich alles besser war? Auf jeden Fall war alles anders. Ein Kollege, der viele große Turniere begleitet hat, erzählte mir einmal, um das zu verdeutlichen, wie er sich 1990 während der WM in Italien einfach den damals noch jungen Frankfurter Bub Andreas Möller schnappte, sich mit ihm unter einen Baum setzte und dort unter vier Augen ein Interview führte, im Quartier der späteren deutschen Weltmeister, einem Schloss am schönen Comer See. Heute, da es für die allermeisten Zeitungsvertreter fast unmöglich erscheint, auch nur ein Wort mit einem echten deutschen Nationalspieler wechseln zu dürfen, schon gar nicht ohne Aufsicht und ohne sich vorher auf einen Schriftverkehr einzulassen, der jede Steuererklärung fast schon als Vergnügen erscheinen lässt, klingt das wie ein schönes Märchen aus uralten Zeiten.

<span></span> Bild-Zoom Foto: (FNP)

Wer als Journalist die Eintracht begleitet, während der Trainingswochen, bei den Spielen oder auch bei ihren Vorbereitungscamps, hat sich daran gewöhnen müssen, dass vom Verein meist nur ein Spieler zu Rede und Antwort in die ganze Presserunde geschickt wird, egal, welchen Typen, welches Thema man gerade wirklich interessant findet und welche besondere Geschichte man seinen Lesern eigentlich gerne erzählt hätte, eine, die er nirgendwo sonst findet. Abgesehen von einzelnen exklusiven Interviews, wie hier in Spanien nun mit Marco Fabian. Einen Spieler auf dem Weg vom Übungsplatz zur Kabine um ein paar Worte für die Zeitung zu bitten, ist heutzutage nicht nur undenkbar, sondern tatsächlich verboten, etwa Abwehrchef David Abraham hier im Wintercamp nach dem Training mal kurz zu fragen, wie es denn seiner lädierten Wade geht.

Das hängt unter anderem damit zusammen, dass die Clubs seit dem Erblühen ständig neuer Medienkanäle gewiss irgendwo Grenzen ziehen müssen, wenn sie ihre Spieler nicht Tag und Nacht Interviews geben lassen wollen. Es hängt damit zusammen, dass Vereine heute ihre eigenen Internetseiten und -sender haben. Damit, dass die Welt des Fußballs in Frankfurt wie an allen anderen Bundesliga-Standorten immer detaillierter nach wissenschaftlichen Kriterien ausgeleuchtet und immer enger getaktet wird, gerade in so einem kurzen Wintercamp wie hier in Spanien, wo auch die Anspannung vor einer hoffentlich nicht so verkorksten Rückrunde wie vor einem Jahr ständig zu spüren ist. Und dass die Clubs dann die Kräfte für die sportlichen Herausforderungen bündeln und die Schotten dicht machen, in erster Linie, um der Konkurrenz nichts von heimlich eingeübten kleinen Tricks und taktischen Feinheiten zu verraten, die in diesem eng umkämpften Geschäft den Ausschlag geben können.

Manches kann man verstehen, alles nicht unbedingt, und jeder handhabt das auch ein bisschen anders. Der stets alles akribisch durchdenkende und -planende Frankfurter Fußballehrer Niko Kovac will möglichst viel Kontrolle behalten, nichts dem Zufall überlassen, und bei den Dortmunder Borussen werden die Mauern noch höher gezogen. Während bei deren Nachbarn von Schalke 04 der neue Trainer Tedesco Volksnähe für wichtiger erachtet als Versteckspiele – was im Moment ja auch nicht schlecht läuft, ebenso wie Kovacs Kurs in Frankfurt. So oder so: Die Zeiten haben sich geändert.

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