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Eintracht Frankfurt: Gacinovic: „Das System hat Zeit gebraucht“

Von Die Eintracht holte ihn als Flügelstürmer, unter Niko Kovac geht noch einiges mehr. Inzwischen ist der 22 Jahre alte serbische Nationalspieler eine der herausragenden Figuren im Frankfurter Spiel und darf wohl zu Recht von der Weltmeisterschaft träumen.
<span></span> Foto: Thomas Frey (dpa)

Hallo Mijat! Und, wie fühlt sich das Spiel in Hoffenheim mit dem späten Ausgleich mit etwas Abstand an?

Es war natürlich erst einmal schwer zu verdauen, weil wir in der letzten Minute das Gegentor kassiert haben. Aber wir haben ja auch schon drei Spiele in der 90. Minuten gewonnen, so ist halt der Fußball. Wir haben zwei Punkte verloren, auch wenn ein Punkt in Hoffenheim nicht schlecht ist. Ärgerlich war es trotzdem.

Was sagt die Video-Analyse? Uns schien es so als hätte man das späte Gegentor schon verhindern können, notfalls auch mir etwas Zeitspiel bei dem Freistoß für Hoffenheim...

Ja, das kann sein. Ich war schon draußen, da kann ich mich jetzt nicht hinstellen und sagen, ich hätte anders gehandelt. Es war die 90. Minute, alle waren müde und wir haben in dieser Situation nicht erwartet, dass es noch einmal so schnell geht. Es hat keiner einen großen Fehler gemacht, aber alle einen kleinen, denke ich. Aber das passiert, wir müssen daraus lernen und nach vorne schauen.

Insgesamt läuft es ja gut für Ihre Mannschaft. So gut wie erwartet – oder vielleicht sogar besser?

Wir haben eine gute Mannschaft und spielen auch schon ganz gut Fußball. Ich glaube aber, wir können es noch besser. Und wenn wir so gut weiter arbeiten wie bisher, werden wir uns auch noch verbessern.

Seit ihrem Wechsel nach Frankfurt ist viel passiert – viele Spieler sind gegangen und neu dazu gekommen und auch der Trainer wurde ausgetauscht. Und mittendrin Sie als ganz junger Mann bei ihrer ersten Auslandsstation...

Ja, Wahnsinn, was ein Unterschied. Im Vergleich zu damals, als ich her gekommen bin, ist alles anders. Ein neuer Trainer, neue Spieler, viele neue Leute im Verein – ich finde, alles ist noch besser geworden. Was nicht heißen soll, dass vorher alles schlecht war. Unser erstes Ziel war ja damals, in der Liga zu bleiben. Das haben wir geschafft. Und dann waren wir im Pokalfinale – schade, dass wir das nicht gewonnen haben. Immerhin haben wir gezeigt, dass wir mit einer so großen Mannschaft wie Dortmund mithalten können und wenn wir gewonnen hätten, wäre das auch nicht unverdient gewesen.

Es war zunächst auch Geduld gefragt von Ihnen als Spieler – manches Mal mussten Sie am Wochenende zuschauen...

Das größte Problem war damals, dass ich krank war und die Vorbereitung nicht mitmachen konnte. In Serbien hatte ich als Kapitän auf dem Platz gestanden, und auch in den Nationalmannschaften habe ich eigentlich immer gespielt. Dann kam ich nach Frankfurt und musste auf einmal geduldig sein. Nein, das war nicht leicht. Dabei wusste ich, dass es am Anfang schwer werden würde. Das ist ja immer so, auch in Serbien, wenn man plötzlich zu einer Mannschaft kommt, die in der Ersten Liga spielt.

Was aber wahrscheinlich nicht ganz das Gleiche ist...

Das stimmt. Deswegen wollte ich ja auch hierher kommen. Ich wusste, dass ich aus der serbischen Liga weg muss in eine große Liga. Und hier habe ich alles gefunden, was ich brauche.

Sind Sie das erste Mal weg von zu Hause?

Nein, ich war mit 15 das erste Mal von zu Hause weg. Ich bin in Serbien geboren, weil mein Vater dort gespielt hat. Aber aufgewachsen bin ich in Bosnien-Herzegowina, bevor ich dann wieder nach Novi Sad gegangen bin wegen des Fußballs – erst alleine, dann war ein Jahr lang meine Familie da, dann (--) wieder alleine. Später bin ich nach Deutschland gewechselt.

... und gut angekommen?

Inzwischen ist es einfach, auch weil mein Deutsch besser ist. Aber am Anfang war es schon schwieriger, weil ich die Sprache nicht konnte und doch nicht alles ist wie in Serbien. Aber meine Mitspieler Slobodan Medojevic, Aleksandar Ignjovski und Haris Seferovic haben mir viel geholfen, das war gut.

Gekommen sind Sie als Außenstürmer...

... oder Zehner.

Richtig: Oder als Zehner. Dann wurden Sie zum Sechser umfunktioniert und zuletzt waren Sie als eine Mischung aus Spielmacher und Balleroberer unterwegs. Eine Rolle, die Ihnen auf den Leib geschneidert zu sein scheint?

Ich kann mittlerweile auf vielen Positionen spielen. Bei der Nationalmannschaft war ich sogar schon rechter Verteidiger – allerdings in einer Fünferkette und ganz ähnlich wie wir das hier interpretieren. Das war auch okay, weil es gut für mich ist, dass ich jetzt viele Positionen spielen kann. Aber meine Lieblingsposition ist Linksaußen. Oder Zehner.

Bei der Eintracht sieht man in dieser Saison deutlich, wie engagiert Mannschaft und Trainer versuchen, die optimale Taktik zu finden beziehungsweise umzusetzen.

Klar, das System hat Zeit gebraucht und es braucht auch immer noch viel Übung. Bis alle genau wissen, was der Trainer will, muss man das Ganze sehr oft trainieren. Ich denke auch, dass wir es immer besser und besser hinbekommen.

Die Raumaufteilung war gegen Hoffenheim tatsächlich bemerkenswert – das aufwendige Defensivverhalten ging aber offenbar auch auf Kosten der Angriffs-Power?

Ja, das ist schon so. Aber zum Beispiel gegen Hoffenheim zu spielen, ist ja auch nicht so einfach. Und wir hatten noch drei gute Möglichkeiten durch Marc Stendera, Ante Rebic und mich. Wenn wir da das 2:0 machen, wird es ein ganz anderes Spiel, weil Hoffenheim dann noch mehr aufmachen muss und wir mehr Räume bekommen und kontern können.

Sie als technisch beschlagener Spieler haben doch sicher eine andere Auffassung vom Spielaufbau als beispielsweise ihr Torwart oder die Innenverteidiger, die meistens nicht lange fackeln und den Ball hoch und weit nach vorne bringen?

Das muss man immer bezogen auf die ganze Mannschaft betrachten und vor allem schauen, wie der Trainer es haben will. Jedenfalls sind ein paar gute Stürmer in unseren Reihen, nicht nur Haller und Rebic, sondern auch Jovic und Hrgota, die alle den Ball sichern können. Und das ist manchmal einfacher, weil man nach einem langen Ball schon 30 Meter vor dem gegnerischen Tor ist. Vielleicht wäre es besser, wenn wir hinten raus Klein-Klein spielen könnten, aber das ist sehr schwer in der Bundesliga, weil jede Mannschaft gut gegen den Ball arbeitet und man oft sehr aggressiv angelaufen wird.

Wenn man beispielsweise mit Hoffenheim und Dortmund mithalten kann, sollte das ein gutes Gefühl sein. Wohin kann das gehen, was meinen Sie?

Hoffenheim und Dortmund sind sehr gute Mannschaften, das stimmt. Gegen solche Gegner musst du 90 Minuten hart arbeiten und marschieren, bis du platt bist. Wir haben uns vorgenommen, das in jeder Partie zu tun und am Ende zu schauen, was dabei herauskommt.

Was gibt es zur Weltmeisterschaft und Ihren Aussichten zu sagen, bei der serbischen Nationalmannschaft dabei zu sein?

Zuletzt bin ich immer dabei gewesen, aber nicht in der Startelf. Der Trainer, mit dem wir uns qualifiziert haben, ist aber nicht mehr da und zuletzt haben wir zwei Spiele unter Mladen Krstajic gemacht. Wir wissen noch nicht, ob er bleibt. Ich hoffe es, denn er war nicht nur ein super Spieler sondern ist auch ein guter Typ. Mein Ziel ist es, hier bei der Eintracht viel und gut zu spielen und mich zu empfehlen.

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