E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 22°C

Eintracht Frankfurt: Gegner-Check: Der einzig denkbare 96-Trainer

Die Stimmung ist in Hannover ohnehin immer angespannt, vor dem Beusch in Frankfurt kommt jetzt auch noch eine sportliche Delle hinzu. Obwohl Trainer Breitenreiter bislang vieles richtig gemacht hat.
Hannovers Macher: André Breitenreiter (rechts) und Horst Heldt. Foto: Daniel Karmann (dpa) Hannovers Macher: André Breitenreiter (rechts) und Horst Heldt.

Der Trainer: Wenn es über Niko Kovac heißt, er habe das Bayern-Gen und kenne die Bayern-DNA, dann dürfte kein Zweifel darüber bestehen, dass André Breitenreiter biologisch gesehen der einzig denkbare 96-Übungsleiter ist. Als Vierjähriger begann der – na klar – in Langenhagen/Norddeutschland geborene Breitenreiter bei Borussia Hannover mit dem Fußballspielen und spielte dort bis 1984. Danach wechselte er zum Hannoverschen SC, bevor er 1986 bei Hannover 96 in die Jugendmannschaft aufgenommen wurde. Geht eigentlich noch mehr Hannover?

Ante Rebic: Kaum besser als Haller, aber ein wenig aktiver. Allerdings auch wieder mit einem dummen Foul. Als Stürmer hat er schon die achte gelbe Karte gesehen. Sollte deshalb mal an seiner Disziplin arbeiten.
Eintracht Frankfurt Die Eintracht steht vor dem Spiel gegen Hannover unter Druck

Die Frankfurter Eintracht steht vor dem Heimspiel gegen Hannover 96 in der Bundesliga unter Druck – da nimmt Adi Hütter kein Blatt vor den Mund. Den Mangel an Kreativität im Mittelfeld freilich wird der Trainer nicht so schnell beheben können.

clearing

1991 folgte die Berufung in die Zweitligamannschaft von 96, mit der er 1992 den DFB-Pokal gewann. Dieser Erfolg und der dritte Platz beim Trainer-Lehrgang 2013 müssten eigentlich Referenz genug sein. Aber Breitenreiter ging die harte Tour über Umwege. Er stieg mit dem SC Paderborn auf und wieder ab, ließ sich später bei Schalke 04 entlassen und wartete dann erst einmal ab. Seit Ende März 2017 ist er Nachfolger des damals beurlaubten Daniel Stendel bei Hannover 96 – und stieg am Ende der Saison in die Bundesliga auf. Da hat einer bislang vieles richtig gemacht. Inzwischen hat der so kumpelhaft wirkende Mann, der in der „Bild“-Zeitung entsprechend kumpelhaft „Breite“ genannt wird, seinen Vertrag bis 2021 verlängert.

Die Stimmung: Ist ohnehin immer angespannt, wenn Alpha-Männer wie Martin Kind (Vereinschef) und Gerhard Schröder (Aufsichtsratschef) auf der Tribüne sitzen. Kind ist der Mann mit den schneidenden Analysen und der Abneigung gegen die 50+1-Regel, die in Deutschland die Übernahme der Anteils-Mehrheit an den Clubs durch Investoren verhindert. Schröder ist der Mann mit dem lauten Lachen und dem Faible für Currywurst und immer neue Ehefrauen. Zusammen sorgen sie für bunte Tupfer bei den eigentlich mausgrauen 96ern.

Und trotzdem will es an der Leine nicht laufen. Der Fan-Boykott – wegen Kind und seinen radikalen Ansichten – ist zwar aufgehoben. Aber jetzt gibt es eine stimmungskillende sportliche Delle. Nach ordentlichem Start mit den beiden Unentschieden in Bremen (1:1) und gegen Dortmund (0:0) folgte der Absturz auf Platz 16 mit drei Pleiten in Serie. Allerdings ist die Eintracht aktuell nur einen Platz besser. Nur ein einziges Mal in den letzten 15 Bundesligajahren starteten die Roten noch schlechter. Das war 2015 unter Trainer Michael Frontzeck – und am Ende stieg 96 ab.

Hängende Köpfe, betretene Mienen: Die Frankfurter Luka Jovic (von rechts), Jonathan de Guzman und Filip Kostic sind nach dem Abpfiff bedient.
Eintracht Frankfurt Ein wenig Angst geht bei der Eintracht um

Zu viele Gegentore, Schwächen bei Standards, Mangel an Qualität im Mittelfeld: Bei der Eintracht gibt es viele Baustellen.

clearing

Bis auf Esser, Füllkrug, Walace und mit Abstrichen Maina und Bebou sind zu viele Stars von ihrer Top-Form entfernt. Vize-Kapitän Schwegler, in Frankfurt immer noch wohlbekannt und hoch geachtet, steckt nach starker Vorbereitung im Loch. So wie die gesamte Defensive. Nach dem jüngsten 1:3 gegen Hoffenheim gab Breitenreiter einen Tag frustfrei. Und die sportliche Leitung formuliert erste Durchhalteparolen: „Es bringt jetzt nichts, auf die Tabelle zu schauen“, glaubt Manager Horst Heldt, ebenfalls einer mit Frankfurt-Vergangenheit. „Wir müssen die Köpfe hochnehmen, dürfen uns nicht verrückt machen“, sagt Breitenreiter. Fehlt nur noch einer, der verlangt, dass jetzt „der Bock umgestoßen wird“.

Der Kader: Gleich neun Spieler haben Hannover im Sommer den Rücken gekehrt, vor allem die Abgänge von Felix Klaus (VfL Wolfsburg), Martin Harnik (Werder Bremen) und Abwehrchef Salif Sané (FC Schalke 04) schmerzen. Prominenteste Neuzugänge sind ausgerechnet zwei Profis vom Absteiger Hamburger SV: Mittelfeldabräumer Walace und Angreifer Bobby Wood. Waldemar Anton (22) wirkt als jüngster Kapitän der Bundesliga aktuell überfordert. Und das Märchen, das der 23-jährige Hendrik Weydandt schreibt, der vor vier Jahren noch in der Kreisliga auf Torejagd ging, und nach seinen ersten Treffern für 96 einen Profivertrag bis 2020 bekam, geht auch nicht einfach so weiter. Zweimal war er gar nicht im Kader, gegen Hoffenheim reichte es wenigstens wieder einmal für einen Joker-Einsatz.

Und das noch: Den Namen Marius Wolf dürfte jeder Eintracht-Fan noch kennen. Den Namen Thomas Schaaf auch. Den nach Dortmund abgewanderten Pokalhelden und den ehemaligen Frankfurter Trainer verbindet eine ganz besondere Geschichte. Schaaf sortierte den Flügelflitzer als Coach in Hannover seinerzeit bei den Profis aus. Die Eintracht griff zu, machte zunächst ein Leihgeschäft und verpflichtete Wolf dann für 500 000 Euro – um ihn dann für fünf Millionen an den BVB zu verkaufen. So hat Schaaf nach seinem unschönen Abschied aus Frankfurt doch noch richtig Schönes für die Eintracht vollbracht.

(rich)

Zur Startseite Mehr aus Eintracht Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen