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Eintracht Frankfurt: Gegner-Check: Trainer Rangnick muss mit seinen Spielern einiges aufarbeiten

Geld regiert die Welt. Das fällt am Fußball-Standort Leipzig besonders auf, wie wir bei unserem ganz besonderen Blick auf den nächsten Eintracht-Gegner festgestellt haben.
Foto: Jan Woitas

  Der Trainer: Ralf Rangnick hätte schon viele Jobs haben können. Im Frühjahr 2004 standen die Interessenten regelrecht Schlange. Jürgen Klinsmann wollte ihn als Co-Trainer zur Nationalmannschaft holen: Absage. Auch die Frankfurter Eintracht suchte nach dem Abstieg in Liga 2 und der Entlassung von Willi Reimann einen Übungsleiter, der als Garant für den sofortigen Wiederaufstieg durchgehen sollte. Rangnick verhandelte, forderte einen stattlichen Batzen Geld zur Aufhübschung der Mannschaft. Die Gespräche endeten schnell, weil Rangnick im Frankfurter Stadtwald keine wirkliche sportliche Perspektive sah. Den Job bekam letztlich Friedhelm Funkel, was aus gleich zwei Gründen segensreich für die Eintracht war. Das mit dem Aufstieg klappte auch mit ihm sofort. Und der neue Trainer feilschte während seiner langen Jahre in Frankfurt – eigener Aussage nach – nie um einen einzigen Cent mehr Gehalt.

Dass Geld kein wirkliches Problem darstellt, solange man nur genug davon ausgeben kann, hat Ralf Rangnick dann spätestens mit seinem Eintritt in den Konzern der Roten Bullen verinnerlicht – erst als Sportdirektor von RB Salzburg, wo die Titel flossen wie das klebrige Gesöff aus der Dose, später als Cheftrainer und Sportdirektor von RB Leipzig. Dass aber nach seinem Abgang aus Österreich die besten Salzburger Bullen nach und nach auf die Leipziger Weide abkommandiert wurden, kam im Salzkammergut gar nicht gut an. Und jetzt mussten die beiden Clubs, die wegen ihrer Verflechtung mit dem Getränke-Imperium immer noch unter Beobachtung des europäischen Verbandes Uefa stehen, sogar in der Europa League gegeneinander antreten.

Rangnick, seit einem bemerkenswerten Auftritt im ZDF-Sportstudio, als er an einer Tafel vor großem Publikum die Vierer-Abwehrkette erläuterte, auch „Professor“ genannt, möchte Pressing- und Überfallfußball wie zu seinen besten Hoffenheimer Zeiten spielen lassen. Von dort kommt zur nächsten Saison auch sein Trainer-Nachfolger Julian Nagelsmann.

  Der Kader: Auf den ersten Blick leitet Rangnick eines der besten Ensembles in der Bundesliga an. Das war schon in der Vorsaison so, in der sich der Vizemeister 2017 in der Europa League immerhin noch bis zum Viertelfinale durchspielte. Nationalstürmer Timo Werner, Marcel Sabitzer, Dayot Upamecano, Jean-Kevin Augustin und Bruma sind prominente Protagonisten. Das Aufgebot ist noch internationaler, aber nicht viel älter geworden. Mal wieder wurden Toptalente nach Leipzig gelockt: die Verteidiger Nordi Mukiele (22/SC Montpellier) und Marcelo Saracchi (20/ River Plate) sowie der Angreifer Matheu Cunha (19/ FC Sion) kosteten zusammen 42 Millionen Euro Ablöse. Dafür kamen auf der Gegenseite allein für Naby Keita (FC Liverpool) – nur als Sockelbetrag – 68 Millionen herein. Das dürfte den in Österreich residierenden Red-Bull-Kassenwart gefreut haben, der seit der Club-Gründung 2009 Leipziger Schulden von zeitweilig mehr als 80 Millionen Euro zu verwalten hat. Durch das internationale Geschäft hat sich die finanzielle Lage allerdings verbessert.

  Die Stimmung: Bei RB Leipzig herrscht Redebedarf. Denn nach dem 2:3 im Red-Bull-Duell gegen RB Salzburg zum Europa-League-Auftakt bleiben vor dem Sonntagsspiel bei den auf Wolke sieben schwebenden Frankfurtern nur 69 Stunden, um Grundlegendes zu verändern. Zwei wichtige Punkte muss Trainer Rangnick mit der Mannschaft klären: Mentalität und Rotation. Rangnick bezeichnete die erste Halbzeit in seiner Abrechnung wenig professoral als „Totalausfall“. Angeblich sollen sich einige Profis in der Spielvorbereitung unprofessionell verhalten haben. Es soll Sanktionen geben. Klingt nach Feuer unterm Dach.

  Die Bilanz: Bei Frankfurt gegen Leipzig oder Leipzig gegen Frankfurt ist immer was los: Rot für Hradecky in Leipzig, Protestmarsch und Tennisbälle auf dem Platz beim ersten Montagsspiel der Bundesliga in Frankfurt. Einen Dreier konnten die Bullen bei den Adlern noch nicht entführen.

(rich)

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