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Eintracht Frankfurt: Geisterspiel in Marseille: Um den großen Auftritt betrogen

Die Fans dürfen nicht ins Stadion und jetzt nicht einmal in die Stadt: Große Begeisterung kann beim Frankfurter Comeback in Europa nicht aufkommen. Dabei war die Euphorie so groß.
28.11.2013, Frankreich, Bordeaux: Fußball, Europa League Girondins Bordeaux -  Eintracht Frankfurt. Foto: Caroline Blumberg (EPA) 28.11.2013, Frankreich, Bordeaux: Fußball, Europa League Girondins Bordeaux - Eintracht Frankfurt.
Frankfurt. 

Als Eintracht Frankfurt vor fünf Jahren im Herzen von Europa auf die hell ausgeleuchtete Bühne trat, geschah das mit allerlei Brimborium. Die Vorfreude war in der Stadt zu spüren, dieses spezielle Fluidum hatte sich über den Main gelegt, es knisterte und prickelte vor der Rückkehr ins internationale Geschäft, und der Verein schlachtete das nach allen Regeln der Kunst aus. In diesen Tagen nun verläuft das aktuelle Europa-Comeback sehr viel geräuschloser, die Eintracht hat sich weitgehend abgeschottet, hält sich mit öffentlichen Auftritten zurück – bis zur obligatorischen Pressekonferenz am diesem Mittwoch um 17.15 Uhr im Stade Vélodrome in Marseille mit Trainer Adi Hütter und Torwart Kevin Trapp . „Wir zelebrieren das jetzt nicht lautstark und mit großer Trompete“, sagt Vorstand Axel Hellmann. Aus gutem Grund: „Ich fühle große Enttäuschung und Bitternis.“

ARCHIV - 28.11.2013, Frankreich, Bordeaux: Fußball, Europa League Girondins Bordeaux-  Eintracht Frankfurt: Die Spieler von Eintracht Frankfur gehen nach dem 1:0 Sieg zu den Fans aus Frankfurt. 12 000 Fans von Eintracht Frankfurt reisten nach Bordeaux, und feierten in orange gekleidet ihre Mannschaft und machen das Spiel an der Atlantikküste zu einem halben Heimspiel.  (zu dpa-Meldung: «Geisterspiel statt Fußballfest: Eintracht-Fans verpassen Marseille» vom 18.09.2018) Foto: Caroline Blumberg/EPA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ |
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Auf der Homepage der Frankfurter Eintracht findet sich in der Mitteilung über das Marseille-Verbot für ihre Anhänger auch die Telefonnummer des hiesigen deutschen Generalkonsulats, für alle Fälle.

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Das liegt allein daran, dass am Donnerstagabend (18.55 Uhr/DAZN) keine Zuschauer in der mächtigen Arena von Marseille zugelassen sind. Die Uefa hat Olympique wegen Fehlverhalten der Fans mit dieser drakonischen Strafe belegt, die Frankfurter sind daran schuldlos. Und trotzdem Leidtragende. „Wir fühlen uns um einen großen europäischen Auftritt betrogen“, klagt Hellmann. „Dass der Verein, der richtig Bock hat und eine große Euphorie ausstrahlt, im ersten Spiel ausgeschlossen wird, das ist grotesk.“ Doch der Eintracht seien die Hände gebunden gewesen. Nach der Auslosung seien die Frankfurter „durch verschiedene Faktoren und einen komplexen Schlüssel“ dieser Partie zugeteilt worden: „Da gab es nichts zu machen.“

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Die Uefa selbst war auch nicht erfreut darüber, ein Zugpferd zu beschneiden. Hellmann schmerzt der Fanausschluss sehr. Der Jurist schätzt, dass gut und gerne 10 000 Anhänger den Weg nach Frankreich gefunden hätten – fast so viele wie vor fast fünf Jahren in Bordeaux. Der ganze Auftritt steht unter keinem guten Stern. Dass die Präfektur Marseille jetzt auch noch ein Stadtverbot für Eintracht-Fans erteilt hat, ist für die gesamte Entourage schwer zu ertragen. Entsprechend drastisch fiel Hellmanns Stellungnahme aus: „Ein komplettes Stadtbetretungsverbot für unsere Anhänger zu erlassen, stellt einen völlig unangemessenen und rechtsstaatlich hochgradig bedenklichen, wenn nicht unzulässigen Eingriff in die Rechte eines jeden einzelnen dar“, sagte er am Dienstag. Der Erlass stelle die Eintracht-Anhänger unter Generalverdacht, „dem wir in aller Klarheit widersprechen“, so Hellmann. Er sieht zugleich dringenden Handlungsbedarf bei der Uefa. „Im Ergebnis sperrt man uns als völlig unbeteiligte Dritte nicht nur von einem Spiel, sondern aus einer ganzen Stadt aus. So kann das nicht weitergehen.“

Signale aus Rom

Für die Eintracht ist die Rückkehr nach Europa mit diesem undankbaren Auftakt samt Nebengeräuschen und unschönen Begleitumständen denkbar unglücklich. Die große Begeisterung kann so gar nicht aufkommen. Im Grunde beginnt das internationale Abenteuer für die Frankfurter erst nach dem ersten Spiel in Marseille. Für die Auswärtspartien auf Zypern gegen Limassol (8. November) und in Rom gegen Lazio (13. Dezember) sei das Interesse der Anhänger riesengroß, so Hellmann. Allein nach Zypern werde die Eintracht selbst 25 Maschinen bereitstellen. Der Vorstand aber glaubt, dass die Eintracht ihren großen Auftritt im Dezember in Italiens Hauptstadt haben wird: „Unsere Völkerwanderung wird es nach Rom geben.“ Mit Lazio stehe man bereits in Verhandlungen, ob man das Gästekontingent erhöhen könne. Der Vorstand hofft sehr auf ein Entgegenkommen der Kollegen aus Italien. Vielversprechende Signale soll es bereits gegeben haben. Hellmann rechnet mit locker 15 000 Frankfurtern in der ewigen Stadt.

„Auf uns wird geguckt“

Generell sei die Teilnahme am internationalen Wettbewerb für die Eintracht ein hohes Gut und nicht hoch genug zu bewerten, so Hellmann. Die Gruppe sei zwar schwer, aber „super-attraktiv“, die Destinationen seien „Traumreiseziele“. Und er ist sich sicher, dass die Eintracht von allen deutschen Europa-League-Startern am meisten beachtet wird. „Wir haben die meiste Aufmerksamkeit und die größte Reichweite. Auf uns wird geguckt.“ Für den gesamten Verein sei das „herausragend“. Und auch für die Internationalisierung von Bedeutung.

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„Es hat eine große Qualität, nicht nur im deutschen Fernsehen zu sehen zu sein, sondern auch im internationalen. Unser internationaler Anspruch wird nicht nur unterstrichen, sondern auch gezeigt“, betont Axel Hellmann. Umso bedauerlicher, dass zumindest die Tribünenbilder aus Marseille nun reichlich trist ausfallen werden.

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