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Eintracht Frankfurt: Gelson Fernandes: Ein Spaßvogel mit klaren Worten

Von Die Schweiz ist bei der WM dabei. Der Neu-Frankfurter Fernandes freut sich auch auf der Bank. Und verteidigt einen Ex--Eintrachtler.
Gute Laune, deutliche Worte: Gelson Fernandes. Foto: Huebner/Herkert (Jan Huebner) Gute Laune, deutliche Worte: Gelson Fernandes.
Frankfurt. 

Pfiffe gegen den eigenen Spieler, und das so kurz vor dem Erreichen des nächsten Traumziels? Das konnte Gelson Fernandes auch zwei Tage später nicht verstehen, und dafür fand er deutliche Worte. „Das hat uns als Mannschaft nicht gefallen“, sagte der Mittelfeldspieler der Frankfurter Eintracht am Dienstag nach seiner Rückkehr in die neue Heimat über die Erfahrungen vom Sonntagabend im Baseler St. Jakob-Park, wo er sich mit seiner Schweizer Nationalmannschaft über die Buchung des Tickets zur Weltmeisterschaft 2018 in Russland freuen durfte, ein anderes Thema aber für unschöne Nebentöne sorgte: Der in Frankfurt ja auch gut bekannte Haris Seferovic wurde vom Anhang der Eidgenossen bei seinem Abgang kurz vor Schluss mit einem Pfeifkonzert versehen, weil er einige Chancen vergeben hatte.

„Wir kennen Haris und wissen, wie er kämpft, wie er auch für die Anderen läuft. Dann hat man vor dem Tor manchmal nicht mehr so die Frische“, nahm Fernandes den Kollegen in Schutz, der die Eintracht im Sommer in Richtung Lissabon verließ, gerade als er selbst anheuerte. Und knöpfte sich stattdessen seine pfeifenden Landsleute vor. „Wir sind ein kleines Land. Wir haben nur sieben Millionen Einwohner, sind aber das vierte Mal in Folge, dass wir dabei sind“, erinnerte Fernandes und mahnte: „Wir müssen auf dem Boden bleiben.“

Kurz nach den Pfiffen gegen Seferovic war es geschafft. Mit einem 1:0 in Belfast und dem zähen 0:0 in Basel war die „Nati“, wie die Schweizer ihre Auswahl rufen, in den knappen Ausscheidungsspielen gegen Nordirland in Russland angekommen. Fernandes, der Schweizer mit Wurzeln auf den Kapverden, hatte auf dem Rasen nicht mithelfen dürfen, eine feste Stütze ist er trotzdem. Sein Platz aber war auf der Bank, zuletzt in der Nationalmannschaft ebenso wie vermutlich jetzt auch erst einmal bei der Eintracht.

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Dabei hatte der 31-Jährige in den ersten Wochen fast immer in der Frankfurter Startelf gestanden – bis ihn im Spiel bei RB Leipzig am 23. September ein Muskelfaserriss stoppte. „Das kam für mich im falschen Moment. Wenn man neu in einen Verein kommt, will man zeigen, was man kann“, sagte er am Dienstag, nicht ohne anzufügen: „Aber es gibt schlimmere Verletzungen. Da hatte ich bis jetzt Glück.“ Dass nun Kevin-Prince Boateng und Marc Stendera sein Revier im defensiven Mittelfeld beackerten und es möglicherweise schwer wird, den Platz zurückzuerobern, ist für den Abräumer vor der Abwehr kein Problem. Er stellt den Teamgedanken in den Vordergrund: „Die Konkurrenzsituation ist immer da, wir könne uns im Training gegenseitig pushen. Wichtig ist, dass es immer gute Lösungen gibt, dass die Eintracht erfolgreich ist. Und da ist es mir egal, wer am Ende spielt“, meint Fernandes. Was ihm nach der langen Zwangspause am meisten fehlt, ist Spielpraxis. „Ich konnte wegen der Muskelverletzung sechs Wochen nicht mit der Mannschaft trainieren. Jetzt muss ich mir das Tempo zurückholen“, sagt er. „Man kann soviel alleine im Wald laufen, wie man will. Das Training mit der Mannschaft ersetzt das nicht.“

In der Schweiz ist es fast noch schwerer, in die erste Elf zu kommen, bei Konkurrenten wie dem früheren Gladbacher Granit Xhaka. Vier Einsatze verbuchte Fernandes in der WM-Qualifikation, zwei davon nur über ein paar Minuten. Wichtig für das Team ist er trotzdem, mit seiner Erfahrung, seiner fröhlichen, verbindlichen Art, ein Führungsspieler ohne Stammplatz.

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Eine Leitfigur kann der Weitgereiste auch für Trainer Niko Kovac in Frankfurt sein, egal ob auf dem Platz oder auf der Bank. Die Nationalmannschaft hat er in einer Kolumne für die Schweizer Boulevardzeitung „Blick“ gerade eine „kleine Familie“ genannt. Wie ist das in Frankfurt? „Hier ist der Teamgeist auch da“, erklärt Fernandes. „Auch deshalb haben wir viele Spiele gegen Ende gewonnen. Wenn du in der Bundesliga nicht zusammenstehst, wird es schwer. Ich war schon in vielen Clubs, es war nicht überall so gut wie hier.“

Auch da findet Gelson Fernandes klare Worte, gerade für die jüngeren Kollegen. „Die neue Generation ist manchmal ein wenig auf dem Ego-Trip. Instagram, Facebook, fast wichtiger als Fußball“, schreibt er im „Blick“. Ganz allgemein war das gemeint, betont er, weder auf die „Nati“ noch auf die Eintracht bezogen. Und er weiß ja auch selbst, wie das ist. „Manchmal sitzen wir zu Hause zusammen, meine Freundin mit dem iPad, meine Tochter mit dem iPad, ich nehme mir auch mein Handy. Und dann schaue ich uns an und denke: Was machen wir hier eigentlich?“ Gelson Fernandes mag ein Spaßvogel sein, er scheut aber weder ernste noch tiefgründigere Themen. Auch deshalb ist er so wichtig – für die Schweiz und die Eintracht.

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