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Einracht Frankfurt: Haller begeistert das ausverkaufte Stadion und seinen Trainer

Von Sébastien Haller hat mit seinem Tor gegen Stuttgart den Eintracht-Heimfluch gebannt. Aber eigentlich war es mehr ein Kunstschuss.
Gleich schlägt der Ball im Stuttgarter Tor ein. Sébastien Haller hat quer in der Luft liegend abgezogen. Foto: Christian Klein (FotoKlein) Gleich schlägt der Ball im Stuttgarter Tor ein. Sébastien Haller hat quer in der Luft liegend abgezogen.
Frankfurt. 

Es gibt Momente im Leben, die sind so schön, dass man gar nicht aufhören will, an sie zu denken. Der Schlusspfiff war schon knapp eineinhalb Stunden her, da streifte Sébastien Haller in Begleitung von Eintracht-Pressesprecherin Mirja Oppermann immer noch durch den Bauch der Frankfurter Fußball-Arena.

Als die beiden das Bistro der Medienvertreter passierten, fiel der Blick des Franzosen auf einen Fernseher, in dem die Wiederholung eines Berichts vom Eintracht-Sieg gegen den VfB Stuttgart lief. Haller ging hinein, schaute zu, plauderte mit der Handvoll Übriggebliebener auf französisch und englisch. Er wirkte wie die personifizierte Coolness.

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Nichts an ihm deutete darauf hin, dass er in letzter Sekunde nicht nur ein spektakuläres, sondern auch ein ziemlich wichtiges Tor erzielt hatte. Kurz nach dem Spiel war das noch anders. Da konnte man hören und spüren, wie groß die Erleichterung bei Sébastien Haller war. „Es war mein erstes Tor aus dem Spiel heraus“, sagte er: „Darauf habe ich gewartet. Ein perfekter Moment. Und es ist ein Tor für die Mannschaft und die Fans, die diesen Sieg verdient haben.“ Ein Tor? Mehr als das. Ein Kunstschuss quer in der Luft liegend, ein Seitfallzieher in bester Tradition Klaus Fischers oder Zlatan Ibrahimovics, von dem sich der 23 Jahre alte Franzose einiges abgeschaut haben will. „Es war ein Reflex, der Instinkt, den du im Strafraum brauchst. Ich weiß gar nicht, wie der Ball zu mir kam“, erklärte Haller. Niko Kovac, der die Hände vors Gesicht geschlagen hatte, als der Ball mit großer Wucht im Stuttgarter Netz landete, geriet kaum aus dem Staunen heraus: „Ein wunderschönes Tor. Das war Akrobatik, Koordination, Körpergefühl.“ Er klang plötzlich nicht mehr wie ein zufriedener Fußball-Lehrer sondern wie ein stolzer Zirkusdirektor.

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Und obwohl man es vielleicht nicht vermutet, wenn der 1,90 große, ruhige und bescheidene Hüne vor einem steht: In Sébastien Haller steckt auch ein kleiner Schelm. Die Gelbe Karte für das Herunterreißen des Trikots, bevor ihn die Mitspieler unter sich begruben? „Nein, nein, kein Gelb“, sagte er. Und über sein Tor: „Ich habe so etwas schon öfter gemacht.“ Leiser Widerspruch des schmunzelnden Niko Kovac: „Ich habe noch nicht so viele Seitfallzieher von ihm im Training gesehen. Umso schöner, dass es heute vor 50 000 Menschen passiert ist. Zeitzeugen sind also da.“

Ernste, anerkennende Worte über seinen Mann des Tages fand der Trainer natürlich auch: „Wir haben in Sébastien investiert, weil wir der Meinung sind, dass er ein außerordentlich guter und talentierter Stürmer ist.“ Bis zu seinem Kunststück gegen Stuttgart steckte der junge Franzose aber eher in einem Dilemma. Er ist U-21-Nationalspieler, kam für die Frankfurter Rekordsumme von sieben Millionen Euro vom FC Utrecht. Von so einem wird erwartet, dass er sofort einschlägt – also Tore schießt.

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In dieser Währung hatte er bislang – abgesehen von dem verwandelten Elfmeter in Köln – noch nicht zurückgezahlt. Am Anfang schienen Tempo und Härte in Deutschland dem Neuen zu schaffen zu machen. Genauso deutlich wurde aber auch sein Potenzial. Haller ist groß und wuchtig, setzt seinen Körper gut ein, bindet Bälle und Gegenspieler. Und er ist ein Mannschaftsspieler, kämpft und rackert. Gegen Stuttgart führte er sowohl bei Torschüssen als auch bei Torschussvorlagen (je 3) die Statistik an.

Sébastien Haller könnte jetzt endgültig in Frankfurt angekommen sein. „Manchmal ist es ein Problem für mich, die leichten Tore zu machen“, hat er gesagt. So lange die schweren so schön sind, werden die Fans es ihm nachsehen.

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