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Interview mit Eintracht-Gegner: Heike Herrlich: „Besser geht es immer“

Von Unter seinem neuen Trainer hat Bayer eine gute Entwicklung genommen. Und wirkt ganz wie der Mann an der Seitenlinie: ausgeglichen, kompetent, unaufgeregt.
Leverkusens Trainer Heiko Herrlich schaut amüsiert. Foto: Marius Becker/Archiv Leverkusens Trainer Heiko Herrlich schaut amüsiert.

Guten Tag Heiko Herrlich. Man kann sich ja kaum noch daran erinnern, dass Bayer Leverkusen mal ein Spiel verloren hätte. Wie zufrieden sind Sie mit sich und ihrer Mannschaft?

Wir haben in den vergangenen Wochen eine positive Entwicklung genommen und sind jetzt seit sieben Spielen in Folge ohne Niederlage. Das ist grundsätzlich gut, eine gewisse Konstanz und Stabilität sind in den Leistungen mittlerweile sichtbar. Allerdings haben wir hier und da auch unnötig Punkte liegen lassen. Besser geht es ja eigentlich immer – in unserem Fall trifft das natürlich auch zu. Wir wollen den eingeschlagenen Weg weitergehen. Mit der Moral und der Mentalität, die wir unter anderem zuletzt gegen Leipzig gezeigt haben, kann uns das gelingen.

Trainerkollege Ralf Hasenhüttel hat Sie jetzt zum Champions-League-Anwärter erklärt. Viel geringer dürften die Ansprüche bei Bayer ja auch kaum sein – oder?

Das Ziel, das der Verein von Anfang an ausgegeben hat, ist die Rückkehr ins internationale Geschäft. Damit identifizieren wir uns alle hier in Leverkusen. Das ändert nichts daran, dass dieses Ziel ambitioniert ist. Die Konkurrenz in der Bundesliga ist groß. Es ist nicht selbstverständlich, regelmäßig international zu spielen.

Sie haben eine Wahnsinns-Trainerlaufbahn hingelegt – und unterwegs manchmal auch einen Schritt aus dem Rampenlicht heraus gemacht. Hatte das Methode oder hat es sich einfach so ergeben?

Methode? Nein. Einen konkreten Plan kannst du in diesem Geschäft eigentlich nicht verfolgen. Gewisse Dinge ergeben sich einfach. Dass sich zu einem bestimmten Zeitpunkt bei einem Club personelle Konstellationen ändern, ist ja meist nicht vorhersehbar. Um das Rampenlicht ging es mir nie. Weder als Spieler noch als Trainer. Es ist ein viel größerer Wert für mich, wenn die Aufgabe herausfordernd ist und spannend. Das schließt natürlich nicht aus, eine Herausforderung wie diese hier bei Bayer 04 anzunehmen. Im Gegenteil. Die ist ja ganz besonders spannend, besonders groß.

Wie unterscheidet sich die Arbeit bei Bayer denn von der bei ihren bisherigen Stationen – und haben sie sich in den wenigen Monaten dort als Trainer verändert?

Für mich macht es keinen Unterschied, ob ich eine DFB-Nachwuchsmannschaft trainiere, einen Drittligisten oder einen Topclub wie Bayer Leverkusen. Denn die Ziele sind doch immer dieselben: Erfolge zu erreichen mit der jeweiligen Mannschaft, die Spieler zu entwickeln und Spaß zu haben mit der ganzen Gruppe. In der Bundesliga oder in der Champions League sind ein paar Kameras mehr dabei, ein paar mehr Zuschauer. Alles Dinge, die man als Trainer nicht beeinflussen kann. Aber das Spiel bleibt dasselbe, die Aufgabe letztlich unverändert. Ich bin einfach glücklich darüber, dass ich nach meiner Spielerkarriere weiter im Fußball arbeiten darf.

Es heißt, sie hätten in Regensburg der Mannschaft aus der Bibel vorgelesen, um einen Konflikt zu lösen. Wie passt das in die harte Welt des Profifußballs?

Es gibt heute eine Reihe von Spielern, die gläubig sind. Im Vergleich zu meiner Zeit sind es sogar mehr, damals war man als gläubiger Christ doch eher ein Exot. Aber gerade in unserer heutigen Leistungsgesellschaft kann dir der Glaube helfen. Er gibt dir Kraft und Halt und lässt dich verschiedene Ereignisse besser einordnen. Wenn ein Spieler diesen Impuls in sich trägt, würde ich ihn auf alle Fälle bestärken. Doch es ist sehr wichtig, dass jeder selbst diese Entscheidung trifft. Da möchte ich nicht zu sehr missionieren.

Fußballer sind ja auch alle kleine Ich-AGs, und man muss natürlich dafür Verständnis haben, dass sie sehen, wo sie bleiben. Andererseits müssen die Spieler als Mannschaft zusammen arbeiten. Das scheint bei Bayer zu funktionieren. Kommen Ihnen auf diesem Gebiet die Erfahrungen aus den DFB-Teams und aus der Jugend von Bayern München zugute?

Meine Maxime als Trainer ist immer, über den Teamgeist zum Erfolg zu kommen. Da spielt es keine Rolle, ob man im Jugend- oder im Lizenzbereich arbeitet. Ein Team wird nie erfolgreich sein, wenn einzelne Spieler nur für sich selbst arbeiten. Das ist das Schwierige, aber auch das Schöne: Man muss als Trainer individuelle Stärken zu einem gemeinschaftlichen Ganzen zusammenfügen.

J etzt geht es nach Frankfurt, und mit der Eintracht verbindet Sie zumindest eines: Ihr erstes Bundesliga-Tor...

Sie wollen jetzt was hören?! (lacht) Gerne – das war in der Saison 1990/91, wir haben noch 2:2 gegen die Eintracht gespielt, nachdem wir schon 0:2 zurücklagen. Ich bin damals in der 70. Minute für Thomas Hörster eingewechselt worden und habe in der 87. Minute den Ausgleich gemacht. Habe ich natürlich nicht vergessen – das war ein schönes Gefühl… Weniger schön war mein erster Einsatz als Bundesliga-Trainer – übrigens auch gegen Frankfurt. Mit dem VfL Bochum habe ich bei der Eintracht 1:2 verloren.

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