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Interview mit Marcel Heller: Heller: "Ich hätte an der Stelle gerne einmal zurückgespult"

Seine Bundesligakarriere begann Marcel Heller 2007 bei der Eintracht im Eiltempo – bis ihn eine schwere Verletzung ausbremste. Doch der inzwischen 31-Jährige startete noch einmal von weit unten bis nach ganz oben durch, als einer der Hauptdarsteller im großen Darmstädter Fußballmärchen. Jetzt kommt der flinke Flügelstürmer, neuerdings in Diensten des FC Augsburg, wieder einmal nach Frankfurt und unterhielt sich vorher mit unserem Redakteur Markus Katzenbach.
Augsburger Freude: Heller (rechts) und Torschütze Alfred Finnbogason feiern den ersten von drei Treffern gegen Köln. Foto: kolbert-press/Christian Kolbert (imago sportfotodienst) Augsburger Freude: Heller (rechts) und Torschütze Alfred Finnbogason feiern den ersten von drei Treffern gegen Köln.

Am Samstag sind Sie als Gast mit dem FC Augsburg wieder einmal in der alten Heimat. Welche Erinnerungen haben Sie im Gepäck?

MARCEL HELLER: Es war die Anfangszeit meiner Profilaufbahn. Ich hatte dreieinhalb Jahre in Frankfurt, dazwischen war ich ein Jahr weg, in Duisburg. Es war eine schöne Zeit, auch wenn ich durch meine schwere Verletzung lange nicht spielen konnte. Ich habe aber viele wichtige Erfahrungen gesammelt für meine weitere Karriere.

In Frankfurt verbindet man Ihren Namen besonders mit dem bislang letzten Sieg gegen die großen Bayern, als Sie im März 2010 einen jungen Österreicher namens David Alaba schwindlig spielten. War das ein besonderes Spiel?

HELLER: Ich habe die Chance bekommen, zu spielen, ich glaube, weil Patrick Ochs gesperrt war. Mit Sebastian Jung hat das auf der rechten Seite viel Spaß gemacht, und dass wir gegen die Bayern gewonnen haben, war das i-Tüpfelchen. So ein Spiel vergisst man nicht, das habe ich natürlich immer noch im Kopf.

Als Sie im Januar 2007 aus Siegen zur Eintracht wechselten, kamen Sie gleich zu einigen Einsätzen – und der damalige DFB-Sportdirektor Matthias Sammer sagte: An Ihnen werde die Eintracht noch viel Freude haben. Denkt man da als junger Spieler: Jetzt geht es richtig los?

HELLER: Ja, das ging erst einmal richtig schnell. Ich bin von weit unten nach ganz oben gekommen. Ich hatte auch gute Unterstützung, das hat mir geholfen, auf dem Boden zu bleiben. Und dann habe ich mich bei der U-21-Nationalmannschaft verletzt. Das war der Knackpunkt. Danach war es schwer für mich, wieder Fuß zu fassen. Zum Glück habe ich später die Kurve doch noch einmal gekriegt.

War die langwierige Rückenverletzung der Hauptgrund, dass es mit dem richtigen Durchbruch in Frankfurt dann doch nicht geklappt hat?

HELLER: Man weiß halt nie, wie es gelaufen wäre, wenn ich mich nicht verletzt hätte. Ich hätte an der Stelle gerne einmal zurückgespult, aber das geht ja leider nicht. Aber ich habe auch viel gelernt durch die Verletzung. Vor allem weiß ich es heute zu schätzen, gesund zu sein.

2011 wechselten Sie nach Dresden, ein Jahr später nach Aachen, aber richtig glücklich wurden Sie dort auch nicht. Stimmt es, dass Sie damals schon daran gedacht haben, die Schuhe an den Nagel zu hängen?

HELLER: Dafür macht mir Fußball einfach zu viel Spaß. Manchmal passt es eben einfach nicht, das kann man vorher aber auch nicht wissen. Als ich dann in Aachen war, nah bei meiner Heimat, habe ich schon wieder wohler gefühlt. Ich habe schon geguckt, ob ich es noch einmal nach weiter oben schaffe. Aber ich hätte auch in der dritten oder vierten Liga immer weitergespielt.

Sie hätten ja auch umsatteln können auf Leichtathletik. Die 30 Meter laufen Sie angeblich schneller als Supersprinter Usain Bolt …

HELLER: Ja, das wurde mal erzählt, ich weiß aber gar nicht, ob das tatsächlich so ist. Dass die Schnelligkeit eine meiner Stärken ist, ist ja klar. Ich spiele aber viel zu gerne Fußball. Über den Wechsel in eine andere Sportart habe ich nie nachgedacht.

Und dann kam der Anruf aus Darmstadt. Hätten Sie damals zu träumen gewagt, noch einmal so durchzustarten, bis in die Bundesliga?

HELLER: Geträumt davon schon, klar. Träume hat man immer. Aber die Realität sieht meistens anders aus. Ich bin glücklich, in Darmstadt Teil dieses Weges gewesen zu sein, von unten bis hoch in eine der besten Ligen der Welt. So etwas erlebt man als Fußballer nicht so oft. Es war auf jeden Fall zu 100 Prozent die richtige Entscheidung, nach Darmstadt zu gehen.

Mit den Lilien haben Sie über drei Jahre hinweg ein Märchen nach dem anderen geschrieben: Aufstieg aus der Dritten Liga, Aufstieg aus der Zweiten Liga, Klassenerhalt in der Bundesliga. Können Sie in zwei, drei Sätze noch einmal erklären, wie das möglich war?

HELLER: Wir haben uns das verdient. Jeder ist für den anderen eingestanden, im ganzen Verein. Es war wie ein achtes Weltwunder. Mit den Mitteln, dem Etat, der Infrastruktur ist das eigentlich gar nicht zu stemmen, als Verein, als Mannschaft. Aber wir haben es irgendwie geschafft.

War für Sie klar, dass Sie in der Bundesliga bleiben wollten, nachdem der Darmstädter Abstieg im zweiten Jahr nicht zu verhindern war?

HELLER: Dafür spiele ich Fußball, um mich in der höchsten Spielklasse zu messen. Den Ehrgeiz habe ich schon. Wenn ich nicht den Anspruch hätte, müsste ich einen anderen Beruf wählen.

Was hat dann den Ausschlag für Augsburg gegeben?

HELLER: Es gab früher schon mal die Möglichkeit, nach Augsburg zu gehen. Jetzt ging das relativ schnell. Die Gespräche waren sehr gut. Ich hatte direkt das Gefühl, dass ich hierher passe mit meiner Spielweise und meiner Mentalität. Meinen Beratern habe ich dann gleich gesagt: Das machen wir, statt ins Ausland oder wo anders hinzugehen.

So eindeutige Außenseiter wie die Lilien gibt es diesem Jahr nicht. Wenn Abstiegskandidaten genannt werden, zählt der FCA häufig dazu. Das kennt man in Augsburg, das kennen Sie aus Darmstadt. Wie geht man damit um?

HELLER: Ich kenne die Rolle gut, ich kann damit gut umgehen. Jeder darf seine Aussagen tätigen. Und wir geben auf dem Platz Gas, in jedem Training, in jedem Spiel, um das Bestmögliche heraus zu holen. An den ersten Spieltagen hat man gesehen, dass wir eine konkurrenzfähige Mannschaft haben.

In welcher Form kommen der FC Augsburg und Sie denn nach Frankfurt? Mit dem 3:0 gegen Köln ist am dritten Spieltag der erste Sieg gelungen, Sie haben dabei einen Elfmeter herausgeholt und wurden vom „Kicker“ in die Bundesliga-Elf des Spieltags gestellt …

HELLER: In Frankfurt ist es immer ein schweres Spiel. Das Stadion ist voll, die Fans stehen hinter der Mannschaft. Ich kenne das ja aus eigener Erfahrung. Mit dem Auswärtssieg in Gladbach ist jetzt auch die Euphorie da. Wir wollen aber dagegen halten und kommen selbst mit Rückenwind und Selbstvertrauen.

Haben Sie denn noch Kontakte zur Eintracht und nach Frankfurt?

HELLER: Ich bin jetzt so viele Jahre weg. Der einzige, mit dem ich ab und zu Kontakt habe, ist Rainer Falkenhain (Leiter der Lizenzspielerabteilung, Anmerkung der Redaktion) . Ich habe die Jahre in Frankfurt aber noch gut im Gedächtnis und bin dankbar für die Zeit.

Mit den Darmstädtern konnten Sie die Eintracht ja ein ums andere Mal ärgern. Klappt das auch am Samstag mit Augsburg?

HELLER: Wenn wir so eine Leistung wie gegen Köln abrufen, haben wir gute Chancen. Das müssen wir aber zu 100 Prozent auf den Platz bringen. Sonst wird es schwer. Die Eintracht hat sich gut verstärkt und eine gute Mannschaft. Das wird ein interessantes, umkämpftes Spiel, hoffentlich mit dem besseren Ende für uns.

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