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Eintracht Frankfurt im DFB-Pokalfinale 1963/64: Historisches Spiel: Hitzeschlacht in Stuttgart

Wir schreiben das Jahr 1964. Im April steht die erste Bundesligasaison kurz vor ihrem Abschluss, da beginnt mit dem Start der ersten Hauptrunde auch der Wettbewerb um den DFB-Pokal – und das Los für die Eintracht lautet: Wolfsburg.

Am Rande des Bundesligaspiels in Schalke drei Wochen zuvor hatte die Auslosung stattgefunden, die die Eintracht in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals beim VfL Wolfsburg antreten lässt. In der Begegnung am 8. April ist der klassenhöhere Bundesligist natürlich Favorit; es kommen 12 000 Zuschauer, um zu sehen, ob ihre Mannschaft Schritt halten kann. Schnell wird ersichtlich, dass die Eintracht es zwischen zwei schweren Spielen in der Endphase der Bundesligasaison etwas ruhiger angehen lässt. Lange Ballpassagen und viele Tempovariationen sind das Mittel, um die Wolfsburger aus ihrem Konzept zu bringen, das verständlicherweise darauf beruht, stark in der Deckung zu stehen und gelegentlich Kontervorstöße zu wagen. Die Eintracht bringt alle Ruhe und Erfahrung auf, die nötig ist, wenn eine gegnerische, technisch unterlegene Mannschaft ohne den ganz großen Aufwand ausgespielt werden soll.

Enttäuschung und Erschöpfung nach der Hitzeschlacht in Stuttgart Bild-Zoom Foto: Frank
Enttäuschung und Erschöpfung nach der Hitzeschlacht in Stuttgart

Als Schämer dann in der 36. Spielminute mit schnellem Direktspiel Huberts freispielt und der aus fünf Metern keine Mühe hat, dass 1:0 zu erzielen, ist die Begegnung eigentlich schon entschieden. Wolfsburg hat nicht die Mittel, um gegen die Eintracht zu bestehen. Nach dem Wechsel gelingt Schämer früh das 2:0 – aus spitzem Winkel schießt der Vorlagengeber aus der ersten Halbzeit nun selbst den Ball halbhoch in die linke Torecke und beendet damit endgültig alle Ambitionen des unterklassigen Spielgegners. Deren Trainer Lachner sieht es nach dem Spielende realistisch und ist dennoch etwas stolz: „Gegen einen so großen Gegner hat sich unsere Mannschaft großartig geschlagen. Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden.“

Im Hessenderby gegen Kassel

Für die zweite Hauptrunde des DFB-Pokals hat Eintracht Frankfurt doppeltes Losglück. Zunächst ein Heimspiel, und dann mit Hessen Kassel einen Regionalligisten als Gegner. 18 000 Zuschauer sind am Abend des 22. April neugierig auf diese Partie und die Nordhessen wollen ihren Teil beitragen, in dem sie frisch von der Leber weg sofort zum Angriff übergehen und zum Erstaunen des Publikums in den ersten drei Minuten schon drei Eckbälle vor das Eintracht-Tor schlagen dürfen.

Enttäuschung und Erschöpfung nach der Hitzeschlacht in Stuttgart Bild-Zoom Foto: Frank
Enttäuschung und Erschöpfung nach der Hitzeschlacht in Stuttgart

Als nach wenigen Minuten das Kasseler Strohfeuer erlischt, zieht die Eintracht einen Kombinationswirbel auf, der dem KSV jeglichen Spaß an weiteren Angriffsaktionen vergehen lässt. Direktes Spiel der Eintrachtstürmer und schnelle Richtungswechsel, lassen die Deckung der Nordhessen bald auseinanderbrechen; Halbstürmer Kraus geht allein auf und davon, Torhüter Loweg ist zu weit aus dem Tor und hat keine Chance – 1:0 in der neunten Minute. Sechs Minuten später spielt Solz auf Höfer, Höfer auf Huberts und Huberts macht ein Ende mit dem Spielen und es heißt 2:0 – hoch ins Toreck fliegt der Ball. Dann legt sich die Aufregung, die Eintracht spielt es ruhig herunter, kommt nicht mehr in Gefahr und wie in einem Trainingsspiel trifft Solz gleich zweimal, in Minute 58 zum 3:0 und in Minute 61 zum 4:0. Danach darf Kassels Halbstürmer Burjan das Ehrentor für seine Elf erzielen und abschließend stellen Solz zum Dritten in der 83. Spielminute und der selten nach vorn gehende Eigenbrodt in der 89. Spielminute den Endstand her.

Dritte Runde, dritter Sieg

Am 20. Mai zum Viertelfinale ist Schalke 04 zu Gast im Stadion, der Achte der gerade beendeten Bundesligasaison. Da die Gäste fast ausschließlich versuchen, über Konter zum Erfolg zu kommen, hat die Eintracht viel Raum im Mittelfeld und kann ihr Aufbauspiel ganz in Ruhe betreiben. Allerdings bleiben ihre Bemühungen bis kurz vor dem Halbzeitpfiff vergebens. Dann jedoch ist es der Torinstinkt des Eintracht-Torjägers Huberts, der bei einer unübersichtlichen Szene im Strafraum am schnellsten reagiert und das 1:0 erzielt.

Nach dem Wechsel ändert sich vor 25 000 Zuschauern die Ausrichtung der Partie nicht, wenn auch die Schalker jetzt etwas mehr in ihre Konterbemühungen investieren. Einmal haben sie damit Erfolg, als Weber einen Ball im Strafraum nicht sauber trifft, so dass ihn Linksaußen Gerhardt aufnehmen und einschießen kann – 1:1 heißt es also nach 77 Minuten. Aber noch in die Schalker Freude hinein, stellt Huberts mit seinem Flachschuss die nach dem Spielverlauf verdiente Führung wieder her (78.). Und damit ist das Spiel entschieden, denn einen Fehler erlaubt sich die Eintracht-Abwehr nun nicht mehr.

Halbfinale gegen Hertha

Die Eintracht scheint für das Halbfinale, das am 3. Juni stattfindet, bestens gerüstet. Zweimal schon in dieser Spielzeit hat sich die Eintracht mit den Berlinern abgegeben; in den Ligaspielen gab es im Oktober ein 3:1 und im März ein 4:0. Zweimal hat es die Hertha mit einem Abwehrbollwerk versucht, zweimal ist der Versuch gescheitert. Diesmal versuchen sie es anders. Als nach einer halben Stunde der Eintracht-Sturmlauf etwas abflaut, zeigt sich, dass die Berliner nicht bloß zum Mauerbau angereist sind. Gerade in der Phase aber, in der das Spiel offener wird, passiert es: Huberts spielt zwei Verteidiger aus, passt zu Trimhold, und der erzielt das 1:0 (44.). Nach dem Wechsel wartet die Eintracht etwaige Aktionen der Berliner gar nicht erst ab. Gleich wird wieder Druck auf die Hertha-Deckung aufgebaut und diesmal hält sie nicht lange stand: Gewühl im Strafraum, Rückpass auf Dieter Stinka und der trifft von der Strafraumgrenze (56.). Ein Elfmetergeschenk des Schiedsrichters, das Otto Rehagel zum 2:1 nutzt, lässt die Berliner hoffen. Allerdings nur wenige Minuten, denn in der 77. Minute hämmert Schämer das Leder mit Brachialgewalt durch die Mauer zum 3:1 ins Netz. Das ist die Entscheidung, Hertha hat keine Antwort mehr parat und die Eintracht zieht erstmals in das DFB-Pokalfinale ein.

Hitzeschlacht in Stuttgart

Am 13. Juni steigt das Finale in Stuttgart, Gegner der Eintracht ist 1860 München. Im Kessel des Neckarstadions herrscht eine wahre Treibhaushitze. 35 Grad im Schatten, aber Schatten gibt es keinen auf dem Platz, auf den Trainer Horvat seine Mannschaft schicken muss. Die Eintracht, die unmittelbar vor ihrer lang geplanten Südafrikareise steht und daher die komplette Reisegruppe noch wenige Tage zuvor einer aufwendigen Schutzimpfung unterziehen musste, gilt vor dem Anpfiff als leichter Favorit, nachdem sie in der Liga zu Hause die „60er“ klar schlagen und in München ein Remis holen konnte. Diesmal läuft es allerdings nicht im Sinne der Adlerträger. Die Eintracht wird von aggressiv auftretenden Münchnern bald in die eigene Hälfte zurückgedrängt; die überwiegende Anzahl der Zweikämpfe geht an die Löwen. Gegen Ende der ersten Halbzeit ist es eigentlich erstaunlich, dass die Eintracht bis dahin ein torloses Unentschieden gehalten hat. Doch dann ereilt sie das Schicksal in Form eines 18-Meter-Schusses des Halblinken Kohlars, der zum 1:0 für die „60er“ ins linke Toreck einschlägt. Ebenso druckvoll wie vor dem Wechsel agieren die Münchner auch in der zweiten Hälfte und können in der 63. Spielminute durch Brunnenmeier das 2:0 erzielen. Anschließend kommt kaum noch Gegenwehr vonseiten der Eintracht, so dass es den Löwen gelingt, die Schlussminuten unbeschadet herunterzuspielen.

Bei der Eintracht ist neben der Enttäuschung die lähmende Hitze Thema Nummer eins. Torhüter Loy spricht für viele, wenn er meint: „Ich kann nicht verstehen, weshalb wir nicht solche Spiele bei solchen Temperaturen in die Abendstunden verlegen.“ Und er weist noch auf etwas anderes hin, nämlich auf die Tatsache, dass die Löwen vor dem Spiel ein einwöchiges Trainingslager bezogen, während die Eintracht erst am Freitagabend nach Stuttgart fahren konnte: „Wir könnten uns das nicht erlauben, schon wieder eine ganze Woche ins Trainingslager zu gehen, denn wir sind ja schließlich in festen Stellungen.“

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