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Serie (Teil 1): Die Saison der Frankfurter Eintracht: Höhenflug, Pleitenserie und Pokalerfolge: Das war die Saison der Eintracht

Die Frankfurter Eintracht war in der abgelaufenen Saison der Fußball-Bundesliga wieder einmal auf einer Berg- und Talfahrt. Dem tollen ersten Halbjahr in der Bundesliga (29 Punkte) folgte ein ziemlich schlechtes zweites (13 Punkte). Dass die Stimmung rund um die Eintracht gut geblieben ist, war den Erfolgen im Pokal zu verdanken. Am Ende aber bleibt es ein durchwachsenes Fazit. Unser Mitarbeiter Peppi Schmitt beleuchtet die Eintracht-Saison in vier Teilen.
Das Ende einer Saison mit Höhen und Tiefen: Eintracht-Profi Alex Meier und seine Kollegen nach dem Pokalfinale in Berlin. Foto: Arne Dedert (dpa) Das Ende einer Saison mit Höhen und Tiefen: Eintracht-Profi Alex Meier und seine Kollegen nach dem Pokalfinale in Berlin.
Frankfurt. 

Rückblick, Juli letzten Jahres: Fredi Bobic, der Sportvorstand des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt, muss aus wenig (Geld) viel (Erfolg) machen. Er tut es mit bemerkenswerter Konsequenz. Er holt viele „Leihspieler“ nach Frankfurt. Er baut die „Mannschaft hinter der Mannschaft“ um. Langgediente Mitarbeiter wie Konditionstrainer Christian Kolodziej oder Rehatrainer Michael Fabacher müssen gehen, später auch Chefscout Bernd Legien. Allen wird der Abschied mit Abfindungszahlungen versüßt.

Neue Mitarbeiter kommen. Der Bobic-Vertraute Ben Manga wird „Kaderplaner“ und Chefscout, die Eintracht holt neue Fitnesstrainer, neue Analysten, neue Physios. Bobic bringt sogar seinen eigenen Medienberater mit. Ruck, zuck wird die Eintracht umgebaut, auf und abseits des Rasens. Das Tempo ist atemberaubend.

Ein neues Haus

Die Spieler kommen aus aller Herren Länder. Trainer Niko Kovac muss aus vielen Bausteinen ein neues Haus bauen. Es gelingt mit Bravour. Kovac lässt trainieren, bis die Socken qualmen. „Wir machen Umfänge“, lautet das Credo. Übungseinheiten dauern schon mal drei Stunden. Die Spieler staunen. Und ziehen mit. Der Leidensdruck nach dem vorangegangenen Fast-Abstieg ist so groß, dass sie ohne Murren mehr arbeiten als sie es vorher gewohnt waren. Die medizinische Prophylaxe wird vorangetrieben, fast täglich gibt es Blutuntersuchungen, der Laptop ist auf dem Rasen genauso präsent wie der Fußball. Die Öffentlichkeit lernt den CK-Wert kennen, der täglich ermittelt wird, unter anderem um Verletzungen vorzubeugen. Die Liga staunt über die teilweise neuen Methoden.

Der Aufwand lohnt sich. Die Eintracht kommt zwar mühsam in die Saison mit einem glücklichen Pokalsieg in Magdeburg nach Elfmeterschießen, startet dann aber durch. Aus der befürchteten „Legionärs-Truppe“ mit wenigen deutschen Spielern wird die Frankfurter „Multi-Kulti-Truppe“, die ganz Deutschland überrascht. Die Eintracht besiegt Schalke, Leverkusen, Dortmund und Köln, sie trotzt den Bayern einen Punkt ab, sie siegt in Bremen und Hamburg. Und setzt sich in der Spitzengruppe der Liga fest. Alles richtig gemacht, Herr Bobic, Herr Kovac – das war das Fazit nach der Hälfte.

Der Einbruch

Dann kommt der Einbruch, langsam, aber sicher. Im Winter werden Fehlentscheidungen getroffen. Die Eintracht verpasst es, die große Chance auf den internationalen Wettbewerb auch wirklich am Schopf zu packen. Zwei läppische Siege mehr und es hätte gereicht. Die Personalpolitik ist undurchsichtig. Bobic gibt mehr als eine Million Euro für den Ecuadorianer Andersson Ordonez aus. Doch als Szabolcs Huszti kurz vor Toreschluss um Freigabe bittet und diese erteilt wird, kommt kein Ersatz. Wie sich später herausstellt ein fataler Fehler.

Im Trainingslager in Abu Dhabi sonnt sich die Eintracht im Glanz der Vorrunde und im Luxus des Ambientes. Doch später beklagen die Spieler, dass ausgerechnet vom Trainerteam durchgehend schlechte Laune verbreitet worden sein soll. Ob das stimmt? Der Start gelingt noch gut, der Niederlage in Leipzig folgen zwei Siege auf Schalke und gegen Darmstadt. Die Eintracht ist Anfang Februar Dritter, Frankfurt träumt von Europa. Später werden Trainer und Vorstand die Medien kritisieren, sie hätten zu hohe Ansprüche geweckt. Dabei hatten sie selbst im Trainingslager von Europa-League und Champions-League gesprochen. Warum auch nicht, bei dieser Ausgangsposition.

Doch von nun an ging es bergab, erst schleichend, mit ordentlichen Leistungen und schlechten Ergebnissen. Dann rasant mit immer schlechteren Leistungen. Die Eintracht schoss keine Tore mehr (22 in der Vorrunde, nur noch 14 in der Rückrunde), auch weil Alex Meier mit Verletzung ausgefallen war. Jener Meier, den sie glaubten, nicht mehr zu brauchen. Das war ein weiterer Irrtum. Denn die Stürmerkollegen konnten ihre Chancen nicht nutzen. Im defensiven Mittelfeld wurde die Löcher immer größer, die Sperren vieler Spieler wurden zum Ärgernis, die Verletzungen häuften sich. Kovac wurde zum Verwalter des Mangels. Es gibt nicht wenige, die auch in der hohen Intensität des ersten Halbjahrs den Grund für den Abfall im zweiten sehen. „Ausgequetscht wie ein Zitrone“ schrieb die „Frankfurter Rundschau“ mal über den körperlichen Zustand eines Teils der Mannschaft. Nun wurden auch jene Dinge in Frage gestellt, die in der Vorrunde noch als Geheimnis des Erfolgs galten. So haben die täglichen Blutabnahmen die Spieler nur noch genervt. So ist das im Leistungssport: Wer verliert, hat wenig Argumente.

Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Wichtiger: Die Eintracht, in der Vorrunde fast immer komplett, war nun nie mehr komplett. Die zweite Reihe hat nicht die Qualität der ersten. „Wir sind nicht Bayern München“, sagte Trainer Kovac. Mit den ausbleibenden Erfolgen ging das Selbstvertrauen flöten, plötzlich war auch keine spielerische Linie mehr zu erkennen. Nur kämpfen und leidenschaftlich verteidigen reichte nicht mehr.

Nicht die Bayern

Die anderen hatten sich auf das Spiel der Frankfurter eingestellt. Und so kam es zur schlimmen Rückrunde. Die Frankfurter spielten schlechter als alle anderen, sogar schlechter als Absteiger Darmstadt 98. Das hätte sich im Dezember noch niemand wirklich vorstellen können. Da wurde auf einmal deutlich, auf welchem schmalen Grat sich die Eintracht weiter bewegt. Viel dazugelernt, Herr Bobic und Herr Kovac – das war das Fazit des zweiten Halbjahres.

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