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Hoher Besuch für die Kiezkicker

Frankfurt. Im Mai 1960 steht für den FC St. Pauli ein besonderes Jubiläum an: Der Verein aus dem Herzen Hamburgs feiert sein 50-jähriges Bestehen. Und wie es sich für einen solchen Anlass gehört, legt man auch beim Club vom Millerntor großen Wert auf die Auswahl der Gäste.
Jubiläumsgast bei den Kiezkickern: die laut Stadionprogramm „populärste Elf des Jahres“. Jubiläumsgast bei den Kiezkickern: die laut Stadionprogramm „populärste Elf des Jahres“.

Daher wird bereits Anfang 1960 kein Geringerer als der amtierende Deutsche Meister Eintracht Frankfurt zum Jubiläumsspiel am 28. Mai 1960 eingeladen. Als Sahnebonbon obendrauf haben die Paulianer damit auch noch den Europokalfinalisten engagiert, der zehn Tage vor seinem Auftritt an der Elbe in Glasgow das „Jahrhundertendspiel“ gegen Real Madrid bestritt.

Neun Spieler aus der Endspielformation stehen an diesem Samstag in Hamburg auf dem Platz, es fehlen lediglich Erich Meier, für den Erich Bäumler am linken Flügel stürmt, und Hans-Walter Eigenbrodt, für den Eberhard Schymik in der Läuferreihe antritt. Die beiden „Neuen“ sind allerdings kein Ersatz, sondern vollwertige Mitglieder des Teams - Bäumler brachte es in der abgelaufenen Oberligasaison auf 19 Spiele und 10 Tore, Schymik spielte in der Punktrunde 21-mal.

Bekanntester Spieler bei St. Pauli ist Ingo Porges. Der Abwehrchef aus dem Hamburger Stadtteil Barmbek hatte am 11. Mai 1960 seinen großen Tag, als er zum ersten (und einzigen) Mal von Sepp Herberger in die A-Nationalmannschaft berufen wurde und beim 0:1 gegen Irland in Düsseldorf mit Willi Schulz und Ferdinand Wenauer die Läuferreihe bildete.

Regional einen guten Ruf genießen auch die Stürmer Horst Haecks und Peter Osterhoff, der es in der abgelaufenen Oberligasaison 59/60, die der FC St. Pauli als Vierter der Nordstaffel beendete, mit 20 Treffern hinter Uwe Seeler den zweiten Platz in der Torjägerrangliste belegte. Spielstätte für diese Jubiläumspartie ist das Hamburger Volksparkstadion, das die Paulianer erstmals nutzen.

Denn die Tage des alten, 1946 gebauten Millerntor-Stadions sind gezählt - es muss der Internationalen Gartenausstellung 1963 weichen, der Neubau des Millerntor- Stadions an der heutigen Stelle wird erst im Laufe der Spielzeit 61/62 abgeschlossen werden.

„Die populärste Elf des Jahres“

25.000 Besucher begrüßen die Mannschaften überschwänglich, als diese den Platz betreten: Man zollt dem Deutschen Meister und Europapokalfinalisten - laut Stadionprogramm die „populärste Elf des Jahres“ - mit anhaltendem Beifall den verdienten Tribut, vergisst aber auch nicht, den Jubilar gebührend zu feiern.

Und diese Vorschusslorbeeren erweisen sich als angebracht: Beide Mannschaften zeigen sich vom Anpfiff der vom Hannoveraner Schiedsrichter Sturm geleiteten Partie an engagiert: Die Riederwälder sind die technisch klar bessere Elf, die Hafenstädter halten mit fairem Einsatz und Laufbereitschaft dagegen, so dass sich ein recht ausgeglichenes Spiel entwickelt.

Den letzten Zug zum Tor lassen die Gäste vom Main allerdings vermissen. Zwar kombiniert sich die Eintracht ein ums andere Mal bis in Tornähe durch, doch merkt man den Spielern die Strapazen der letzten Zeit deutlich an - nach dem Finale in Glasgow hatte die Elf noch am Mittwoch das Viertelfinale um den Süddeutschen Pokal gegen die Spvgg. Fürth am Riederwald mit 4:1 erfolgreich hinter sich gebracht.

Einzig und allein der immerhin schon 35-jährige Richard Kreß wirbelt wie gewohnt am rechten Flügel und bringt die konzentriert arbeitende Deckung der Gastgeber um Porges und Torhüter Wunstorf ein ums andere Mal in Verlegenheit; freilich ohne zählbaren Erfolg. Effizienter arbeiten dagegen die Braunweißen. In der 20. Minute kann sich der rechte Läufer Krüger durchsetzen, sich in Schussposition bringen und abziehen.

Egon Loy ist geschlagen und es steht 1:0. An diesem Spielstand ändert sich dann bis zum Halbzeitpfiff nichts mehr, wenn auch die Frankfurter versuchen, den Ausgleich zu erzielen. Aber entweder geht der Ball am Kasten vorbei oder der heute sehr starke Torhüter Harry Wunstorf, seit 1951 bei den Paulianern aktiv, ist auf seinem Posten.

Irrwisch Kreß

Zu Beginn der zweiten Halbzeit zeigt die Eintracht, dass sie nicht gewillt ist, mit einer Niederlage nach Frankfurt zurückzukehren. Die Kombinationsmaschinerie läuft auf Hochtouren, die Adlerträger sind nun deutlich feldüberlegen. Und im Gegensatz zur ersten Hälfte werden die herausgespielten Torchancen nun auch ausgenutzt. Ausgangpunkt für das 1:1 in der 60. Minute ist Irrwisch Kreß, der den auf den rechten Flügel gewechselten Stein bedient und durchstartet.

Steins Flanke findet wiederum Kreß, dessen kerniger Schuss am chancenlosen Wunstorf vorbei in die Maschen geht. Nur fünf Minuten später zeigt sich die ansonsten zuverlässig arbeitende Defensive der Gastgeber für einen kurzen Moment unkonzentriert. Nutznießer ist Dieter Lindner, der die Riederwälder mit 2:1 in Führung bringt. 25 Minuten vor Spielschluss muss Trainer Osswald auswechseln.

Für den verletzten Hermann „Stift“ Höfer kommt Hans-Walter Eigenbrodt. Damit stehen zehn der elf Endspielteilnehmer aus Glasgow auf dem Feld. In der 75. Minute fällt der Ausgleich, als die Eintracht den Ball nicht aus der Gefahrenzone bringen kann und Haecks aus dem Gewühl heraus zum 2:2 einnetzt. Kurz vor dem Abpfiff dürfen die Hamburger dann nochmals jubeln, als sie einen unglücklichen Schlag Loys abfangen können, der für den verletzt ausgeschiedenen rechten Läufer Krüger einwechselte Krafczyk zum Spurt ansetzt und ins lange Eck trifft.

„Einerlei, ob die Frankfurter Eintracht gewinnt oder verliert — sie wird immer ihr Publikum haben“, stellt der Neue Sport nach diesem Spiel fest und dokumentiert dadurch den gelungenen Auftritt der Riederwälder in Hamburg. Die Gäste setzen sich denn auch recht zügig wieder gen Frankfurt in Bewegung, denn die anstrengende Saison ist noch nicht zu Ende und etwas Ruhe tut Not:

Bis Mitte Juni hat man neben dem Pflichttermin des Pokalhalbfinales gegen den FSV noch vier Freundschaftsspiele in Gent, im Stadion gegen den FC Santos sowie in Herdorf und Hamborn ausgemacht. Hinzu kommen für Stinka, Lindner, Lutz und Stein noch Einladungen von Herberger zu einem Probespiel der DFB-Auswahl gegen den VfB Stuttgart. ? Frank Gotta

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