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Wie Eintracht Frankfurt moderner und internationaler werden will: Interview mit Axel Hellman: „Das ist ein langer Prozess“

Seit mehr als vier Jahren ist Axel Hellmann (45) Mitglied des Vorstandes der Eintracht Frankfurt Fußball AG. Der ausgebildete Jurist blickt in einem Interview mit unserem Mitarbeiter Peppi Schmitt zurück auf eine schwieriges Jahr und nimmt Stellung zu aktuellen Entwicklungen des Clubs.
Immer auf dem Sprung: Eintracht-Vorstand Axel Hellmann Foto: Christian Klein ( FotoKlein) Immer auf dem Sprung: Eintracht-Vorstand Axel Hellmann

Sie waren Finanzvorstand, seit Mitte des Jahres haben Sie die Verantwortung für den Bereich Finanzen abgegeben und andere Bereiche dafür übernommen. Was hat sich geändert?

AXEL HELLMANN: In der Gesamtausrichtung der Arbeitsfelder nicht so viel, ich war schon vorher für fast alle operativen Themen verantwortlich. Hinzugekommen sind die Bereiche Marketing und Kommunikation. Mir war aber auch als Finanzvorstand der Blick über den Tellerrand wichtig, vor allem auf die Wachstumsthemen. Mein Nachfolger Oliver Frankenbach denkt genauso. Ich habe mit ihm schon immer eng zusammengearbeitet. Er hatte ja seit vielen Jahren die Schlüsselposition im Rechnungswesen inne.

Wo liegen die Unterschiede der Zusammenarbeit mit Heribert Bruchhagen im Vergleich zu Fredi Bobic?

HELLMANN: Es geht schon mal damit los, dass Fredi mein Jahrgang ist und wir deswegen auch die modernen Kommunikationsmöglichkeiten und Präsentationstechniken anders nutzen. Bei Heribert Bruchhagen waren diese Dinge im Alltag nicht so verankert. Wenn man schon 30 Jahre im Geschäft ist, richtet man den Blick nicht mehr so auf die Langzeitperspektive, sondern auf die kurzfristigen Erfolge. Hier kam es zu Zielkonflikten. Den jetzigen Vorstand verbindet, dass wir noch eine geraume Zeit in diesem Geschäft vor uns haben. Unsere Strategien müssen wir an dem ausrichten, was langfristig der Eintracht weiterhilft. Zu bestimmten Vorschlägen, die von den Bereichsleitern kamen, hatte Heribert Bruchhagen gerne die Antwort: Das könnt ihr alles umsetzen, wenn ich nicht mehr da bin. Der ganze Bereich Internationalisierung ist dafür ein gutes Beispiel. Heribert hat immer gefragt, was es kurzfristig bringt, weil es vor allem für den Sport einen höheren Einsatz bedeutet. Aber Internationalisierung bringt eben keine kurzfristigen Erfolge. Das ist ein langer aufwendiger Prozess. Das sieht man bei der DFL, das wird bei uns nicht anders sein. Vielleicht ernten wir erst in drei, vier Jahren, was wir jetzt säen. Heribert Bruchhagen hatte diesen Zeithorizont nicht, Fredi Bobic hat ihn. Und so ist es bei vielen Themen. Das ist der große Unterschied.

Bilderstrecke Das waren die Eintracht Frankfurt Flops der Hinrunde 2016/17
Nach dieser großartigen Hinrunde 2016/17 kann es doch eigentlich keine "Flops" bei der Frankfurter Eintracht geben, oder? Naja, fast. Ein paar Ärgernisse gab es auch in diesem Taumel zwischen durchstartenden Youngstern, Überraschungssiegen und Kovac-Lob. Welche? Das verrät unserer Bildergalerie...<b>FLOP: Angriff mit Hemmungen: Seferovic und Rebic</b>
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Zugegeben: Hundertprozentig passen weder Seferovic noch Rebic in die „Flop“-Kategorie. Darum teilen sie sich einen Platz in unserem Ranking. Das Problem des Sturm-Duos: Die hohen Erwartungen konnten sie nicht oder nur selten erfüllen. Zwar durften beide kontinuierlich Minuten sammeln, unverzichtbar machten sich die Angreifer aber nicht. Oft blass, selten überzeugend, klassische Ein- und Auswechselspieler. Eigentlich sollte das für Kicker mit dem Potenzial, das Seferovic und Rebic zweifelsohne mitbringen, zu wenig sein. In diesem Sinne: Es gibt viel Luft nach oben in der Rückrunde.<b>FLOP: Warum musste es ausgerechnet Darmstadt sein?</b>
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Man kann der Eintracht nach dieser tollen Hinrunde ja wenig vorwerfen. Aber hätten Kovac, Meier & Co. sich so eine dämliche Niederlage nicht für eine andere Partie als gegen den hessischen Konkurrenten SV Darmstadt 98 aufheben können? Ausgerechnet im Derby segelte eine Gurken-Flanke hinter Hradecky ins Tor. Ausgerechnet im Derby schaffte es die SGE nicht die Pille über die Linie zu drücken. Vielen Fans ward es zu Beginn der Saison deshalb schon ganz Bange. Wussten sie doch nicht was folgen sollte: Die Adler grinsen von oben in der Tabelle auf den letzten aus Darmstadt hinunter. Ein Flop war die Derby-Niederlage trotzdem.

Wie geht es weiter mit den geknüpften Beziehungen nach Japan und China?

HELLMANN: Aus der Japanreise von Bruno Hübner und unserem ehemaligen Trainer Thomas Schaaf ist eine lebendige Kooperation hervorgegangen. Wenn sich ein Zeitfenster auftut und die Rahmenbedingungen stimmen, werden wir eine Japanreise realisieren. Das ist auch naheliegend, weil in unserem Team mit Makoto Hasebe der Kapitän der japanischen Nationalmannschaft steht, in seiner Heimat ist er ein absolutes Aushängeschild. Das Problem dabei sind aber die Terminpläne, dort wie hier. In China haben wir den Vorteil, dass unser ehemaliger Spieler Chen Yang, der für den Fußballclub Beijing FC tätig ist, als Vertrauensmann in beide Richtungen arbeiten kann. Er genießt in seiner Heimat großes Ansehen. Auch in diese Beziehungen müssen wir einige Jahre investieren, dann bin ich fest davon überzeugt, dass für Eintracht Frankfurt in China fruchtbare Dinge entstehen.

Die Mannschaft fliegt jetzt bald zum fünften Mal nach Abu Dhabi. Die Öffentlichkeit hat durchaus die Erwartung, dass daraus auch wirtschaftliche Partnerschaften entstehen sollten.

HELLMANN: Die Erwartungshaltung ist berechtigt und dies ist ja auch bereits erfolgt. Wir haben mit Al Ain Investment und Daman Verträge abgeschlossen, die uns einen sechsstelligen Betrag bringen. Der entscheidende Punkt für weitergehende Vertragsbeziehungen ist der: Treffen sich die Interessen der Partner mit unseren? Hier spielt das Thema eines Kaufs von Anteilen an Eintracht Frankfurt eine Bedeutung. Eintracht Frankfurt steht aber nicht zum Verkauf. Betrachtet man die Deals im Fußball von arabischen Unternehmen in Europa, sind sie immer gepaart mit Beteiligungen oder gar Übernahmen. Bislang waren deshalb die Interessen nicht kompatibel. Wir haben ausgesprochen klare Vorstellungen, was ein Partner akzeptieren muss. Wir wollen nicht in Octagon-Verhältnisse zurückfallen, das war ein Desaster und hat uns fünf bis zehn Jahre unserer Entwicklungsmöglichkeiten gekostet.

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