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Eintracht Frankfurt: Interview mit Bruno Hübner: „Das Eis ist sehr dünn“

Nach fast einem Drittel der Saison steht die Frankfurter Eintracht gut da. In der ersten Hälfte des zweigeteilten Interviews mit unserem Redakteur Markus Katzenbach erklärt Sportdirektor Bruno Hübner unter anderem, warum er trotzdem vorsichtig bleibt. Und er äußert sich zu drei besonderen Transfers.
Keine Zeit zum Entspannen auf der Bank: In dieser Saison stehen Bruno Hübner und die ganze Eintracht stets bis zum Schluss unter Strom. Foto: Heiko Rhode (Heiko Rhode) Keine Zeit zum Entspannen auf der Bank: In dieser Saison stehen Bruno Hübner und die ganze Eintracht stets bis zum Schluss unter Strom.

Herr Hübner, bei keinem der ersten elf Eintracht-Spiele gab es in dieser Saison mehr als ein Tor Unterschied, das ist in der Bundesliga einmalig. Wie ist das, immer bis zum Schluss mitzufiebern?

BRUNO HÜBNER: Die Spannung ist auf der Bank immer riesengroß. Die Situation ist auch für mich neu. Sonst hatten wir schon mal Spiele, wo man sich nach der 60. Minute zurücklehnen konnte. Das zeigt, wie ausgeglichen die Liga ist, da muss man wirklich wachsam sein bis zum Schluss. Wenn wir gewinnen, gewinnen wir knapp, wenn wir verlieren, verlieren wir auch nur knapp. Daran sieht man auch, dass wir schwer zu bespielen, ein unangenehmer Gegner sind.

Zuletzt ging es ja meistens gut aus. 18 Punkte hat die Eintracht gesammelt, ist damit Siebter. Wie aussagekräftig ist die Tabelle nach einem Drittel der Saison?

HÜBNER: Die Punktzahl war so nicht unbedingt zu erwarten, das ist schon eine gute Leistung. Aber ich bin da vorsichtig. Die Tabelle ist ganz eng, nach vorne und hinten. Und die Mannschaften, die hinter uns stehen, sind immer in der Lage, eine Serie zu starten. Wir nutzen den Moment, um mal durchzuschnaufen, arbeiten aber weiter hart an uns, um diese Leistung zu bestätigen.

Was zeichnet die Mannschaft aus? Spielerisch läuft es oft noch gar nicht rund. Trotzdem ist sie seit fünf Spielen ungeschlagen, hat davon drei gewonnen – jeweils kurz vor Schluss …

HÜBNER: Die Mannschaft funktioniert als Team, die Spieler helfen sich gegenseitig. Man sieht, da ist eine Mannschaft auf dem Platz, die gewillt ist, alles zu geben, und die bis zum Schluss an sich glaubt. Deswegen haben wir die Spiele zum Ende hin auch gewonnen, mit dem nötigen Quäntchen Glück: Die Fitness ist da, und der Glauben an sich selbst. In einem Spiel wie gegen Bremen kann man sich auch leicht verunsichern lassen. Bisher haben wir es aber immer geschafft, in der zweiten Halbzeit die Spiele für uns zu drehen. Mit Niko Kovac haben wir einen Trainer, der in der Pause noch einmal auf die Mannschaft einwirken kann. Und die Spieler nehmen es auf und sind gewillt, das umzusetzen.

Viele Tore am Riederwald – und Sorgen um Jonathan ...

Am Ende eines nasskalten Freitagnachmittages am Riederwald hätte Niko Kovac eigentlich zufrieden sein können, wären da nicht die Sorgen um Jonathan de Guzman gewesen.

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Hilft da ein Typ wie Kevin-Prince Boateng besonders, sosehr diese Eintracht übers Kollektiv kommt?

HÜBNER: Er hat bei uns eine ganz wichtige Rolle, auf und neben dem Platz. Ein Stück weit ist er auch der verlängerte Arm des Trainers, der sich mit ihm auch mal abstimmt. In einer Phase, in der es nicht optimal läuft, ist es wichtig, dass er alles auf sich ziehen kann. Bis jetzt sind wir total zufrieden mit ihm. Man merkt schon, dass er bei der Fitness noch Luft nach oben hat. Wenn man in Spanien gespielt hat wie er zuletzt, ist das schon etwas anderes als hier. Aber er ist gewillt, sich da zu verbessern, und dann wird seine Qualität noch mehr zum Tragen kommen. Er ist auch bereit, sich einzubringen, sich unterzuordnen. Er hat eine Vorbildfunktion. Wir haben ganz unterschiedliche Charaktere im Kader: Marius Wolf zum Beispiel kann sich im Schatten von Boateng gut entwickeln. Dieser Mix in der Mannschaft funktioniert im Moment richtig gut.

Ante Rebic fügt diesem Mix auch eine besondere, spannende Note bei. Stand er denn überhaupt noch wirklich auf dem Zettel oder war die Fortsetzung seiner Ausleihe am Ende einfach eine Gelegenheit im Sommerschlussverkauf?

HÜBNER: Wir haben zum Ende der letzten Saison intensiv mit Ante über eine weitere Zusammenarbeit gesprochen. Er hat außergewöhnliche Fähigkeiten nach vorne, bei einem Verein wie Eintracht Frankfurt muss man aber auch im Rückwärtsgang mitarbeiten. Das spielte in unseren Überlegungen eine Rolle, das Vertragswerk kam dazu. Das war nicht optimal, das konnten wir jetzt aber zu unseren Gunsten ändern. So hat das Gesamtpaket für uns Sinn gemacht.

Wird die Eintracht ihn diesmal fest verpflichten, über die Saison hinaus? Die Kaufoption soll ja bezahlbar sein.

HÜBNER: Die Spannung wollen wir natürlich aufrechterhalten, damit er auch weiter voll mitzieht. Man muss aber sagen, dass Ante in dieser Saison sehr lernfähig ist, von Anfang an. Er sucht jetzt zum Beispiel schneller den Abschluss und wird dafür belohnt mit seinen Toren. Ich glaube schon, dass die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass wir ihn länger bei uns sehen.

Die Verpflichtung von Sébastien Haller war früh klar und der Eintracht angeblich die Vereins-Rekordsumme von rund sieben Millionen Euro wert. Zittert man bei so einer Ausgabe noch mehr mit, ob das gut geht? Oder waren Sie sich bei ihm sicher, dass er so einschlagen würde?

HÜBNER: Bei Haller waren wir alle relativ sicher. Bei so einer Summe, die außergewöhnlich ist für Eintracht Frankfurt, überlegt man natürlich ganz lange. Wir waren aber auch lange dran, haben sogar schon in der Winterpause daran gedacht, den Transfer vorzuziehen. Damals aber war die Ablöse noch deutlich höher. Der Kontakt mit ihm, der über fast ein Dreivierteljahr sehr eng war, hat uns die Verpflichtung dann leichter gemacht. Wir konnten ihn überzeugen, dass die Eintracht der nächste Schritt für ihn ist. Er hätte auch nach England gehen können, da hätte sein Verein ganz andere Summen bekommen können. Er hat sich aber ganz klar zu uns bekannt. So konnten wir das in der Gesamtheit stemmen.

Die Transfersummen sind explodiert. Wird Ihnen selbst schwindlig, wenn Sie mit Zahlen wie diesen sieben Millionen zu tun haben, und sind damit auch mehr Chancen und Risiken im Spiel?

HÜBNER: Wenn man so eine Summe investiert und so lange an einem Transfer gearbeitet hat, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Spieler auch funktioniert, natürlich etwas höher. Davon abgesehen hat sich der Markt tatsächlich total verändert. Wir haben einen Top-Stürmer dafür verpflichten können, heutzutage werden solche Summen aber oft schon für einen durchschnittlichen Verteidiger bezahlt. Das ist bedingt durch den englischen Markt. Mit den Geldern, die die Vereine dort haben, nehmen sie einen Spieler für zehn, zwölf Millionen einfach mal dazu – und der muss dann nicht einmal unbedingt funktionieren. Für die deutschen Vereine ist das Verhandeln bei diesen Ablösesummen sehr schwer geworden. Und die Entwicklung ist noch lange nicht am Ende angelangt.

Ein Ziel kann es ja auch sein, einen Spieler zu kaufen, weiter zu entwickeln und möglichst teuer wieder zu verkaufen. Könnte Haller so ein Fall werden – oder was wünschen Sie sich und der Eintracht, wenn es um Ihren Torjäger geht?

HÜBNER: Ich wünsche mir, dass wir die finanziellen Möglichkeiten haben, ihn nicht verkaufen zu müssen, sondern mit ähnlichen Spielern den Kader aufzubessern, um Stück für Stück die Qualität und damit unsere Ziele nach oben schrauben zu können. Auf der anderen Seite müssen wir natürlich schauen, dass wir Spieler werthaltig verkaufen. Da werden wir auch in Zukunft abwägen müssen, zwischen der Qualität, die wir im Kader haben wollen, und möglichen Einnahmen.

Der Grat ist schmal: Der 1. FC Köln zum Beispiel schien alles richtig gemacht zu haben, hatte es endlich wieder in den Europacup geschafft und dazu den China-Jackpot geknackt, mit 35 Millionen Euro für Stürmer Modeste – und steckt wenig später hoffnungslos in der Krise …

HÜBNER: So schnell geht es im Fußball. 35 Millionen Ablöse hören sich gut an. Aber Köln hat fast genauso viel wieder investiert – und man sieht, dass es nicht immer besser dadurch werden muss. Es ist nicht so einfach, um zurück zu Haller zu kommen, so einen Spieler werthaltig abzugeben und dann adäquaten Ersatz zu finden. Das Eis ist wirklich sehr dünn. Deshalb tun wir gut daran, geerdet zu bleiben und zu versuchen, mit kleinen Schritten nach vorne zu kommen. Auch Eintracht Frankfurt kann immer einen Rückschlag erleiden. Das ist normal.

Am Montag lesen Sie:

Bruno Hübner im zweiten Teil des Interviews über große Umbrüche, die Personalie Hradecky und Familienduelle.

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