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Eintracht Frankfurt: Ist die Eintracht schon reif für Europa?

Von Siebter Platz nach dem zwölften Spieltag: Eintracht-Trainer Niko Kovac rät zu Bescheidenheit statt Diskussionen über internationale Ziele.
Sie lassen die Eintracht-Fans wieder einmal von höheren Zielen träumen: Kevin-Prince Boateng (hinten) und Sébastien Haller. Foto: Uwe Anspach (dpa) Sie lassen die Eintracht-Fans wieder einmal von höheren Zielen träumen: Kevin-Prince Boateng (hinten) und Sébastien Haller.
Frankfurt. 

Auf dem dritten Tabellenplatz war die Frankfurter Eintracht zwischenzeitlich nur für gut 75 Minuten. Dann bescherte der 1:1-Ausgleich der TSG Hoffenheim in der Nachspielzeit den Hessen nach dem zwölften Spieltag in der Fußball-Bundesliga den siebten Platz. Und doch reifen Träume.

Stürmer Ante Rebic hat seinen „geheimen Wunsch“ ausgeplaudert, nämlich einen Platz, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigen würde. Das Hessische Fernsehen hat in seiner „Heimspiel“-Sendung am Montagabend lange über mögliche internationale Ziele gesprochen.

Und der Bild-„Experte“ Thomas Berthold, der vor ein paar wenigen Wochen der Mannschaft noch „Fußball zum Abgewöhnen“ vorgeworfen hatte, traut der Eintracht jetzt auf einmal zu, bis nach Europa durchzustarten.

Trainer Niko Kovac geht das alles viel zu schnell. „Wir sollten schön bescheiden bleiben“, mahnt er. Wie realistisch ist also für die Eintracht ein Platz unter den ersten Sechs der Liga, der sicher für die Qualifikation für die Europa League reichen würde?

  Eine Analyse: Nach mehr als einem Drittel der Saison sind Tabellenplätze kein Zufall mehr. Also auch nicht der Siebte für die Eintracht. „Wir stehen zu recht da“, sagt Trainer Kovac selbstbewusst. Glückliche Punktgewinne und unglückliche Punktverluste haben sich gerade bei der Eintracht in etwa ausgeglichen. Dreimal haben die Frankfurter in letzter Sekunde gewonnen, gegen den VfB Stuttgart glücklich, in Hannover verdient, gegen Bremen auch zu Recht. In Hoffenheim haben die Frankfurter zuletzt in der Nachspielzeit noch zwei Punkte verloren, das war eher unverdient. Zu Beginn der Saison war gegen Freiburg, Wolfsburg und Augsburg sicher mehr als nur ein Punkt drin, der „Dreier“ in Köln kam dagegen nach dem Spielverlauf überraschend. In der Tat also Ausgeglichenheit.

  Die abwehrende Abteilung : Sie ist ganz sicher stark und reif genug, um weiter im oberen Drittel mitspielen zu können. Torwart Lukas Hradecky gehört zu den Besten der Liga, vor ihm hat sich David Abraham zu einem echten „Leader“ entwickelt. Carlos Salcedo, der gegen Bayern Leverkusen wegen eines grippalen Infekts wohl nicht spielen kann, und Simon Falette stehen ihren Mann in der reinen Defensivarbeit. Auf den Außenverteidigerpositionen ist die Eintracht mit Timmy Chandler und Marius Wolf (rechts) und Jetro Willems und Taleb Tawatha (links) solide besetzt.

  Das Mittelfeld: Dort hapert es dagegen zu häufig. Kevin Prince Boateng ist ein echter Anführer und einer der ganz wenigen, der auch unter Druck gute Lösungen findet. Marc Stendera arbeitet sich nach vielen Verletzungen langsam wieder heran. Gelson Fernandes ist ein reiner Zerstörer, das wusste man aber vorher. Jonathan de Guzman, gerade wegen einer Schultereckgelenksprengung operiert, hat bislang enttäuscht. Mijat Gacinovic ist talentiert, aber zu unbeständig. Makoto Hasebe fehlt die gesundheitliche Fitness für eine komplette lange Saison. In Bezug auf Kreativität und Offensivspiel gibt es noch viel Luft nach oben für die Frankfurter.

  Die angreifende Abteilung: Sie hat mit dem überraschend starken Neuzugang Sébastien Haller, der mit Traumtoren ebenso glänzen konnte wie mit fleißiger Arbeit für die ganze Mannschaft, und Rückkehrer Ante Rebic, der plötzlich Torjägerqualitäten erkennen lässt, schon einige Spiele gewonnen. Beide Stürmer zusammen sind in Wucht und Durchsetzungsvermögen für die Gegner schwer zu verteidigen. Ob sie freilich dieses Niveau, gerade in Bezug auf Effizienz beim Torschuss, über eine gesamte Saison durchhalten können, bleibt abzuwarten. Mit Luka Jovic steht ein Ergänzungsspieler bereit, der gute Ansätze erkennen lässt. Branimir Hrgota dagegen hat ein wenig den Anschluss verloren, sollte aber noch nicht ganz abgeschrieben werden. Ob Alexander Meier noch einmal zu alter Stärke zurückfinden kann, ist seriös nicht vorherzusagen.

  Fazit: Die Eintracht kann das tabellarische Niveau nur halten, wenn es dem Trainer zum einen gelingt, die Defensive weiter so kompakt zusammenzustellen wie bisher, er aber zum anderen auch Lösungen für ein besseres und flüssigeres Angriffsspiel findet. Zudem müssen Haller und Rebic weiter zuverlässig treffen und sich die stetige Aufwärtsentwicklung bei Boateng fortsetzen. Zur offensiven Qualitätssteigerung beitragen könnten auch Rückkehrer wie Omar Mascarell und Marco Fábian, die spätestens zur Rückrundenvorbereitung wieder dabei sein sollen.

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