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Eintracht Frankfurt: K.o. durch einen Pokalhelden

Wieder einmal gab es für die Eintracht in Dortmund nichts mitzunehmen - trotz des zwischenzeitlichen Ausgleich durch Haller. Ausgerechnet Marius Wolf trifft beim Dortmunder 3:1 gegen seine früheren Kollegen.
Lange Gesichter bei den Gästen im Signal Iduna Park. Foto: dpa Lange Gesichter bei den Gästen im Signal Iduna Park.
Dortmund. 

Im Hochglanzvereinsheft von Borussia Dortmund verriet Seitenwechsler Marius Wolf, dass er schon von Kindesbeinen an ein glühender BVB-Anhänger gewesen sei und das schwarzgelbe Trikot als kleiner Bub trug. Aber auch an Eintracht Frankfurt hat der Ex, wie sollte es anders sein, nur beste Erinnerungen.

Die Zeit werde er nie vergessen und wolle sie nicht missen: „Mit mir ist gut umgegangen und gearbeitet worden.“ Er ist auch ganz gut ausgebildet worden, und das demonstrierte der 23-Jährige am Freitagabend, als er seine früheren Kollegen mit einem Rechtsschuss auf die Bretter schickte.

Nach 73 Minuten, es stand 1:1, die Eintracht schnupperte am Punkt, zimmerte Wolf den Ball zum 2:1 ins Frankfurter Tor. Die Vorentscheidung. Er ballte die rechte Faust ganz leicht, doch jubelte sehr dezent – aus Respekt vor seinem Ex-Verein.

Es war dennoch bezeichnend, dass Wolf, einer der Helden vom Mai, der sich den DFB-Pokal tätowieren ließ, diese Partie in Dortmund entschied, den 3:1-Endstand besorgte Paco Alcacer (88.). Die Eintracht hatte sich wacker geschlagen, aber die letztlich erwartete Niederlage kassiert. „Natürlich ist das Ergebnis enttäuscht. Gefühlt hat Dortmund dreimal aufs Tor geschossen und dreimal getroffen“, sagte Kevin Trapp bei Eurosport.

„Über 90 Minuten haben die Dortmunder gewonnen, weil sie sehr effizient waren“, meinte Eintracht-Trainer Adi Hütter: „Ich muss meiner Mannschaft aber ein Kompliment machen, weil sie gut dagegengehalten hat. Wir haben nie aufgesteckt. Die Basis ist da. Spielerisch müssen wir aber noch besser werden.“

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Dortmund bleibt für die Eintracht der Angstgegner. Die Frankfurter unterlagen beim BVB 1:3. Wie haben sich die Adler geschlagen? Wir beurteilen die Spieler in der Einzelkritik. (dani/dur)Kein Eintrag

Hütter hatte eine durchaus erstaunliche Aufstellung gewählt: Er beorderte gleich zwei Spieler in die Startformation, die eigentlich gar nicht mehr bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag stehen sollten: Simon Falette und Marco Fabián, beide aufrechte Mitglieder der unsäglichen Trainingsgruppe zwei, die vor knapp zwei Wochen nach Schließung des sommerlichen Transferfensters wieder aufgelöst wurde.

Es lässt tief blicken, dass der neue Fußballlehrer gleich zwei Akteure aus dieser zusätzlichen Gruppe nun wieder eingebunden hat und ihnen das Vertrauen schenkte. Das zeigt zum einen, welch Schnapsidee es war, diese Fußballer temporär auszugrenzen, weil sie ja offenbar doch nicht so schlecht und sehr wohl befähigt sind, in der deutschen Premiumklasse ihren Mann zu stehen. Sicherlich haben sie, im Gegensatz zu den erneut nicht für den Kader nominierten Leidensgenossen Marc Stendera und Branimir Hrgota, auch schnell wieder eine Bewährungschance bekommen, weil die Liste mit versehrten und gesperrten Profis schon sehr früh in der Saison recht lang ist.

Gleich acht Profis fehlten gestern Abend in Dortmund, kurzfristig musste auch der Israeli Taleb Tawatha passen, für ihn verteidigte Falette hinten links und bekam es nicht selten mit Marius Wolf zu tun. Falette zeigte, wie auch Fabian, im Rahmen seiner Möglichkeiten eine ordentliche Leistung.

Die Eintracht war im wie immer voll besetzten Dortmunder Fußballtempel mit der erwarteten Einstellung ins Spiel gegangen. Die in weiß gewandeten Spieler rackerten eifrig und nimmermüde, sie verstellten Wege und Lücken, sie warfen sich tapfer in jeden Ball, liefen die Borussen immer wieder an, sie hechelten von einem Schwarz-Gelben zum nächsten – was zur Folge hatte, dass sie im Laufe der ersten Halbzeit schon zwei Kilometer mehr als die Dortmunder abgespult, aber dafür nur 34 Prozent Ballbesitz hatten. Sie rannten die meiste Zeit nur hinterher, mit dem Ball am Fuß wussten sie nicht so viel anzufangen, was ebenso erwartbar war wie die tadellose kämpferische Einstellung.

Das defensive Mittelfeld mit Lucas Torro und Gelson Fernandes traut sich nicht, das Spiel zu eröffnen, sich Bälle abzuholen, um die eher kreativ angehauchten Spieler wie Filip Kostic, Mijat Gacinovic oder Marco Fabián in Szene zu setzen. Generell bleibt festzuhalten, dass drei richtige Fußballer in einer Mannschaft schlichtweg zu wenige sind, zumal Mittelstürmer Sébastien Haller vorne völlig in der Luft hing und kaum einen Ball festmachen konnte.

Und doch war es nicht so, dass die Eintracht sich völlig einigelte, sie versuchte zumindest, immer wieder mal ein paar Nadelstiche zu setzen, sie lieferte ein ordentliches Spiel ab – in etwa das, was man erwarten konnte, wenn man kein völlig realitätsfernes Anspruchsdenken hat.

Offensivaktionen gelangen aber im Kern nur dann, wenn Danny da Costa über rechts Dampf machte oder ein Spieler wie Gacinovic die Füße im Spiel hatte. Nach sechs Minuten spielte er einen Klassepass in die Tiefe zu seinem Landsmann Kostic, der Roman Bürki mit einem Vollspannschuss prüfte. Der seltsam uninspiriert wirkende BVB seinerseits tat sich enorm schwer, das Angriffsspiel ließ die nötige Präzision vermissen, um einen unangenehmen Gegner wie das Ensemble aus dem Hessischen aus den Angeln zu heben. Das führte dazu, dass Eintracht-Torwart Kevin Trapp lange Zeit einen geruhsamen Abend verbringen durfte. Die Torschussstatistik zur Halbzeit: 3:2 für die Westfalen. Dummerweise war einer davon drin, okay, es war nicht mal ein richtiger Schuss, aber das dürfte den Borussen so ziemlich schnurzegal gewesen sein.

Nach einem Eckstoß stocherte nämlich der Dortmunder Innenverteidiger Abdou-Lakhad Diallo die Kugel ins Netz, Keeper Trapp konnte zuvor nur abklatschen. Es war ein merkwürdiger Treffer (36.), irgendwie symptomatisch für das doch eher niveauarme Spiel.

So ging es auch im zweiten Abschnitt weiter, in dem die Dortmunder überraschenderweise aber noch weniger machten und einen Gang zurückschalteten, im Grunde die Führung nur noch verwalteten. Das sollte sich rächen, weil die Eintracht ihre Chance witterte, nach eine Flanke von da Costa erzielte Sébastien Haller sein drittes Saisontor (68.). Irgendwie auch aus dem Nichts. Der Ausgleich reizte die Platzherren aber, und dann war es Marius Wolf, ausgerechnet Marius Wolf, der die Eintracht mit seinem Schuss aus acht Metern auf den Boden schickte (73.). Knockout durch einen der Pokalsiegerhelden vom Mai – auch dies passte zu diesem Abend in Dortmund.

Borussia Dortmund: Bürki – Piszczek, Diallo, Akanji, Schmelzer – Dahoud, Delaney (69. Witsel) – M. Wolf, Reus, Bruun Larsen (58. Sancho) – Philipp (67. Alcácer). – Eintracht Frankfurt: Trapp – da Costa, Abraham, Falette, N’Dicka – Torró (84. N. Müller), G. Fernandes (63. de Guzmán) – Gacinovic, M. Fabian (63. Jovic), Kostic – Haller. – SR: Cortus (Röthenbach (Pegnitz)) – Zuschauer: 81 000. – Tore: 1:0 Diallo (36.), 1:1 Haller (68.), 2:1 M. Wolf (72.), 3:1 Alcácer (88.). – Gelbe Karte: Kostic (1).

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