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Eintracht Frankfurt: Kämpfer Kovac

Von Niko Kovac ist zwar ein Kind der Bundesliga, Eintracht Frankfurt ist jedoch trotzdem Neuland für ihn, denn der Kroate hat noch nie einen Erstligisten trainiert. Trotzdem lässt er keinen Zweifel zu: Der Klassenerhalt ist machbar.
Viel Aufmerksamkeit und ganz viel sportlicher Druck: Niko Kovac strahlt trotz allem Zuversicht aus. Foto: Jan Huebner Viel Aufmerksamkeit und ganz viel sportlicher Druck: Niko Kovac strahlt trotz allem Zuversicht aus.

Niko Kovac ist einmal gebeten worden, sich als Coach zu beschreiben. „Ich möchte Mensch sein, offen und ehrlich. Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen, habe dort meine größte Zeit auch Fußball gespielt. Das, was die Deutschen prägt, nämlich Gründlichkeit, Ordnung, Disziplin und Organisation, trifft auch voll und ganz auf mich zu. Wir (Kroatien) sind ein Land, das immer ein bisschen improvisieren möchte. Organisation wird bei uns nicht so groß geschrieben. Ich will versuchen, dass gewisse Abläufe stimmen müssen. Grundvoraussetzung für Erfolg ist Disziplin, Ordnung und Arbeit. Das wissen alle, das habe ich ihnen auch vorweg gesagt. Wer da nicht mitzieht, hat bei mir keine so guten Karten.“

Das ist jetzt gut zwei Jahre her, Niko Kovac war damals Trainer der kroatischen Nationalmannschaft, die er gerade zur WM-Endrunde in Brasilien geführt hatte. In der Qualifikation hatte er dem Druck in dem Fußball-verrückten Land standgehalten, Island wurde in den Play-offs geschlagen.

Bilderstrecke Eintracht vs. Hannover: Faktencheck vor dem Abstiegskrimi
Showdown im Abstiegskampf für die Eintracht: Gegen Hannover 96 am Samstag (Anpfiff: 18.30 Uhr) müssen die Adler dringend drei Punkte einfahren, wenn sie nicht noch tiefer in den Abschiedsstrudel geraten wollen. Ob ein Blick in die Statistik der bisherigen Begegnungen beider Teams Hoffnung macht, verrät unser Fakten-Check.Wie oft standen sich die Eintracht und Hannover bereits gegenüber?<br><br>Insgesamt 53 Mal trafen die beiden Teams aufeinander. Das Foto zeigt den Hannoveraner Klaus Bohnsack im Zweikampf mit Jürgen Grabowski bei der Begegnung im April 1970.Wie sieht die Adler-Bilanz gegen die 96er aus?<br><br>Relativ ausgeglichen, mit leichten Vorteilen für die Niedersachsen. Sprich: In 53 Spielen fuhr die Eintracht 16 Siege ein, trennte sich 17 mal Unentschieden und verließ 20 mal als Verlierer den Platz.

Jetzt hat Niko Kovac wieder Druck. Gewaltigen Druck. Der Nachfolger von Armin Veh weiß, dass die Region Frankfurt ähnlich Fußball-verrückt ist wie Kroatien. Dass ein erneuter Abstieg der Eintracht wie ein unverzeihlicher Fehler von allen Beteiligten in der Öffentlichkeit angesehen werden würde. Also auch von dem 44-Jährigen, der zusammen mit seinem Bruder Robert sicher keine besonders dankbare Aufgabe übernommen hat.

Das ist aber kein Grund für ihn, am Erfolg seiner Mission zu zweifeln. Im Gegenteil: Kovac lebt den Optimismus und das Selbstvertrauen vor, das er von seinen Profis auf dem Platz erwartet. Sein Vertrag läuft zwar bis 2017, gilt aber auf eigenen Wunsch nur für die Erste Bundesliga. Ein „Hintertürchen“ wollte er sich nicht offen lassen, wollte, dass die Mannschaft merkt, dass ihr neuer Coach vom Nichtabstieg überzeugt ist.

Erreichen will er den Klassenerhalt mit Mitteln, die ihn bereits als Spieler ausgezeichnet hatten: Disziplin, Kampfgeist, Siegeswille, mannschaftliche Geschlossenheit. Die tägliche Trainingsarbeit, sagt beispielsweise Marc Stendera, habe sich deutlich verändert. Niko und sein Co-Trainer Robert Kovac unterbrechen sehr häufig, weisen auf Fehler hin, geben Tipps. „Abstiegskampf bedeutet laufen und kämpfen“, macht der Kroate jedem klar und bedauert, dass er nicht mehr selbst mitspielen kann: „Aber ich kann aktiv coachen.“

Bilderstrecke Niko Kovac: Das ist der neue Trainer von Eintracht Frankfurt
Der Nachfolger für Armin Veh ist gefunden: Niko Kovac hat bei der Eintracht das Traineramt übernommen. Wir blicken in unserer Bilderstrecke auf eine Karriere als Spieler und Trainer zurück.Seine Karriere als Profi begann Niko Kovac in der 2. Bundesliga bei Hertha BSC. Dort gab er als 20-Jähriger sein Debüt.Nach fünf Jahren in seiner Geburtstadt wechselte der Defensivspezialist zu Bayer 04 Leverkusen. Dort wurde er Bundesliga-Vizemeister, spielte mit seinem Club in der Champions League.

Das hat er bereits während seiner aktiven Zeit von seinen diversen Trainern gelernt: „Ich hatte fast nur gute Trainer, da konnte ich mir viele Dinge abgucken.“ Hertha BSC Berlin, Bayer Leverkusen, Hamburger SV, Bayern München, erneut Berlin und zum Abschluss der Karriere Salzburg: Zusammen mit 83 Länderspiel-Einsätzen konnte der gebürtige Berliner da einiges an Erfahrungen sammeln, die er nun auch an der Seitenlinie nutzen kann.

Für einen Neuling in der Bundesliga kennt er sich hervorragend aus. „Wir waren überrascht, wie gut und treffend Niko unsere Mannschaft analysiert hat“, meinte Sportdirektor Bruno Hübner nach den Gesprächen, die dann zur Verpflichtung geführt hatten. Kovac wohnte zuletzt zwar in Salzburg, sah aber viele Bundesligaspiele entweder live oder im TV. Und er hospitierte im Winter bei Borussia Dortmund, sah deshalb auch das Testspiel in Dubai, das die Eintracht mit 0:4 verlor, vor Ort.

Bilderstrecke Eintracht-Training: Kovac-Brüder trimmen die Adler für Hannover
Carlos Zambrano und Marc Stendera waren mitten drin beim Training am Dienstag. Der große Hoffnungsträger Alex Meier aber war in der Kabine geblieben. Zumindest sein Einsatz ist beim Heimspiel gegen Hannover 96 ist fraglich. Es folgen weitere Bilder vom Training.Trainer Niko Kovac bei seiner Ansprache

Erste Kontakte zur Eintracht hatte es ja bereits im vergangenen Sommer gegeben, als Bruno Hübner auf der Suche nach einem Nachfolger von Thomas Schaaf unterwegs gewesen war, doch damals ließ ihn der kroatische Verband nicht ziehen. Nach einem 0:0 in Aserbaidschan und einem 0:2 in Norwegen, jeweils in der EM-Qualifikation, mussten die Kovac-Brüder am 9. September allerdings gehen. Es gibt Gerüchte, dass nicht nur die Misserfolge ausschlaggebend waren, sondern auch Weigerungen, na, sagen wir mal, „Verbands-Vorgaben“ zu erfüllen.

Es ist zu erwarten, dass Niko Kovac auch in Frankfurt seinen Weg gehen wird, ohne viel nach links und rechts zu schauen. Er ist konsequent, weiß aber auch, dass er die Mannschaft mitnehmen muss. „Wer auf seiner Lieblingsposition spielt, spielt meistens am besten“, weiß er und hat entsprechende Einzelgespräche geführt. „Wir brauchen jeden Profi im Kader“, sagt er und heizt den Konkurrenzkampf an. Wer unter der Woche im Training den besten Eindruck mache, der spiele am Wochenende.

Bei aller Gleichbehandlung setzt er natürlich auch auf Führungsspieler. Carlos Zambrano, Marco Russ, Mark Stendera, Ben Hatira und auch Haris Seferovic zählen derzeit neben dem noch verletzten Alexander Meier dazu. Wobei er Haris Seferovic nach dem 0:3 in Mönchengladbach vor versammelter Mannschaft in den Senkel stellte. Negative Gesten oder „Spaziergänge“ lässt der gebürtige Berliner nicht durchgehen. „Wir müssen positiv sein“, sagt er über sich und seinen Bruder, fordert dies aber auch von den Profis ein. Wenn persönliche Fehler analysiert werden, dann geht es ihm nicht um die Person, sondern um die Mannschaft.

Bilderstrecke Schleudersitz: Die Eintracht-Trainer der letzten 25 Jahre
Der Vertrag von Eintracht-Trainer Niko Kovac soll nächstmöglich über das Saisonende hinaus verlängert werden. Die Verantwortlichen der SGE sind mit seiner Arbeit mehr als zufrieden. Doch wie erging es eigentlich nochmal seinen Vorgängern? Sie kamen und sie gingen – und blieben oft nicht lange, wie Temperamentsbündel Christoph Daum (März bis Mai 2011): In unserer Bildergalerie zeigen wir Ihnen noch einmal die wackeren Herren auf dem Frankfurter "Schleudersitz" in den letzten 25 Jahren. Zählen sie durch!Jörg Bergers erste Amtszeit bei der Eintracht beginnt am 02.01.1989 und endet am 13.04.1991. In der Saison 1990/91 landen die Adler unter seiner Leitung auf dem 4. Tabellenplatz. Der mittlerweile verstorbene Fußballlehrer wechselt nach diesem Erfolg zum FC Schalke 04."Lebbe geht weider!" Dragoslav Stepanovic genießt in Frankfurt Kultcharakter. In seiner ersten Amtszeit am Main führt er die SGE beinahe zur Meisterschaft. Eine knappe Niederlage . . .

Die Partie gegen das Schlusslicht aus Hannover sieht er nicht als Endspiel an. So 13 bis 14 Punkte aus den ausstehenden acht Begegnungen müssten auf jeden Fall reichen, um das Saisonziel doch noch zu erreichen. Vier Siege also müssen her, am einfachsten dürfte dies bei den Heimspielen gegen Hannover, Hoffenheim und Mainz sowie in Darmstadt und Bremen sein. „Wir haben viele Baustellen, aber ich bin zuversichtlich, sie schließen zu können“, sagt er.

Er weiß, dass seine Aufgabe einem „Crashkurs“ gleicht. Um sich schneller und besser kennenzulernen, will er die Länderspielpause für ein kurzes Trainingslager nutzen. Wohl wissend, dass ihm dann bis zu acht Nationalspieler fehlen werden. Aber er will nichts unversucht lassen. Er und sein Bruder hätten das „Balkan-Gen“. Und da ist verlieren nicht vorgesehen. Erst recht nicht gegen Hannover.

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