Kein Ende der Schmerzen

Karim Matmour sieht wie schon auf Schalke die Gelb-Rote Karte. Nach vorne gelang dem Team von Armin Veh kaum etwas. Mit Einzelkritik
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Düsseldorf. 

Karim Matmour wähnte sich vermutlich im falschen Film, als er mit langsamen Schritten vom Platz trottete. Erst auf Schalke, dann in Düsseldorf: Zwei Mal Gelb-Rot in sieben Tagen – das war eine statistische Marke mit Besonderheitswert, die für Matmour und die Frankfurter Eintracht freilich einen ganz bitteren Beigeschmack hatte.

Zumal bei der Eintracht im Gastspiel am Freitagabend bei Fortuna Düsseldorf alle Tore offen waren, kurz nachdem ihr Stürmer in der 34. Minute vom Feld musste: Stefan Reisinger (38.) und Oliver Fink (42.) ebneten Düsseldorf im Duell der Bundesliga-Aufsteiger den Weg zum Sieg, später trafen Nando Rafael und Bellinghausen zum Endstand von 4:0 (2:0) – und die Eintracht musste nur drei Tage nach dem 1:3 gegen Mainz die zweite schmerzhafte Niederlage in einer Woche einstecken.


Matmours Platzverweis spielte dabei eine entscheidende Rolle. Schiedsrichter Michael Weiner war sehr streng gewesen mit ihm, der gerade erst seine Sperre aus dem Schalke-Spiel verbüßt hatte. Vor allem bei der ersten Gelben Karte, als Matmour im Fortuna-Strafraum zu spät kam und Bodzek zu Fall brachte (26.). Nach einem Ballverlust stürzte er sich dann etwas übermotiviert ins Laufduell mit dem konternden Reisinger. Der Düsseldorfer fiel, Matmour musste gehen.

Wie bei dem zweitklassigen Spitzentreffen im Februar kam so einem umstrittenen Pfiff große Bedeutung bei. Vorher und nachher flogen damals die Giftpfeile hin und her, die Parte selbst war auch hitzig und hatte für die Frankfurter eine bittere Schlusspointe: Ein zweifelhafter Last-Minute-Elfmeter brachte sie um den Sieg. Beim Wiedersehen eine Etage höher traf es nun Matmour – zu Armin Vehs Leidwesen.

Auf der nächsten Seite: Occean nicht im Kader

Der seit Februar in Düsseldorf nicht besonders beliebte Eintracht-Trainer musste ohnehin einige Personalprobleme lösen. Ihm fehlten mit dem verletzten Anderson und Carlos Zambrano seine Stamm-Innenverteidiger, an ihrer Stelle kamen Marc-Oliver Kempf und Vadim Demidov zum Einsatz. Für den wie Zambrano gesperrten Kapitän Pirmin Schwegler lief Martin Lanig im Mittelfeld auf, während Matmour wieder in die Spitze rückte – statt Olivier Occean, der gegen Mainz einmal mehr neben sich stand und gar nicht im Kader war. Auch Vehs Kollege Norbert Meier vermisste seine Abwehrzentrale, die Fortuna hatte aber auch so zuletzt schon ein 1:1 bei Meister Dortmund mitgenommen.

Weil wegen eines Unfalls auf dem Weg zum Stadion etliche Fans im Stau standen, begann die Partie mit zehn Minuten Verspätung. Als es dann losging, blieb es erst einmal seltsam ruhig im mit 54 000 Zuschauern ausverkauften Düsseldorfer Stadion: Wie schon unter der Woche schwiegen die Fans zwölf Minuten und zwölf Sekunden gegen das geplante Sicherheitskonzept im deutschen Fußball an. Kaum hatte dieser Protest ein umso lautstärkeres Ende gefunden, kamen aus dem Frankfurter Block prompt Feuer- und Rauchzeichen, wie einst im Februar vor dem Anpfiff – worauf Weiner das Spiel kurz unterbrach.

Der 17 Jahre junge Kempf hatte da seine erste Bewährungsprobe schon bestanden. Mit einer mutigen Strafraumgrätsche bremste er Rafael. Die Eintracht verhielt sich etwas defensiver als gewohnt – womöglich um ihre neue Innenverteidigung zu unterstützen und den Düsseldorfern nicht ihre Probleme in der Spielgestaltung zu nehmen. Die Fortuna indes hatte die erste große Chance, als eine Direktabnahme von Andreas Lambertz am Tor vorbei hüpfte. Die ersatzgeschwächten Frankfurter kamen selbst selten zu gefährlichen Kontern, und nach dem Platzverweis und Düsseldorfs Doppelschlag war das Spiel dann ein ganz anderes. Zunächst wühlte sich Reisinger an Kempf und Demidov vorbei, dann schüttelte Fink Rode ab und traf ins lange Eck.

Ein Mann weniger, zwei Tore im Rückstand – die Eintracht, bei der Meier nun in die Spitze rückte, hätte wohl ein kleines Fußball-Wunder gebraucht, um diese Partie noch zu wenden.

Die Gäste steckten freilich nicht auf und griffen auch in Unterzahl beherzt an. Ob sie die Fortuna noch einmal ins Wanken gebracht hätten, wenn Stefan Aigner nicht wie schon gegen Mainz eine gute Chance zum Anschluss vergeben hätte (54.)? Nach Rafaels 3:0 aber war das Spiel gelaufen – und Bellinghausen sorgte für den aus Frankfurter Sicht ernüchternden Schlusspunkt (85.).

Auf der nächsten Seite: Die Statistik

Düsseldorf: Giefer – Balogun (74. Cha), Bodzek, Juanan, van den Bergh – Oliver Fink, Lambertz – Reisinger (Garbuschewski (83.), Ilsö, Bellinghausen – Rafael (71. Schahin).

Frankfurt: Trapp – Jung, Demidov, Kempf, Oczipka - Lanig (46. Celozzi), Rode (83. Köhler) – Aigner, Meier, Inui (72. Kouemaha) – Matmour

SR: Weiner (Giesen).

Zuschauer: 50 000.

Tore: 1:0 Reisinger (38.), 2:0 Fink (42.), 3:0 Rafael (58.), 4:0 Bellinghausen (85.).

Gelbe Karten: Fink, Balogun – Meier, Celozzi.

Gelb-Rote Karte: Matmour (34., wiederholtes Foulspiel).

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