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Eintracht Frankfurt: Kevin-Prince Boateng: Der Anführer führt nicht mehr an

Von Eintracht-Trainer Niko Kovac und sein Star bilden eine Schicksalsgemeinschaft. Das Pokalfinale soll noch einmal ein Highlight werden.
Frustrierte Verlierer: Kevin-Prince Boateng, Luka Jovic und Jonathan de Guzman (von links). Foto: Jan Huebner (Jan Huebner) Frustrierte Verlierer: Kevin-Prince Boateng, Luka Jovic und Jonathan de Guzman (von links).
Frankfurt. 

Kevin-Prince Boateng hat die Frankfurter Eintracht auf Schalke auf den Platz geführt. Als Kapitän war er vorneweg gegangen, die gelbe Spielführerbinde über dem roten Trikot. Doch im Spiel war der Anführer dann kein Anführer. Er konnte dem Team keine spielerischen oder kämpferischen Impulse geben. Was für die gesamte Mannschaft zutrifft, spiegelt sich bei Boateng im Persönlichen wider. Der „Prince“ wirkt ausgelaugt, müde, ausgezehrt von einer langen Saison. An ihm war der Zustand der Mannschaft abzulesen. Der Wille war da, zweifellos, aber das Fleisch war schwach. Der 31 Jahre alte Boateng braucht für sein Spiel, zweikampfbetont und aggressiv, schlitzohrig und intelligent, absolute körperliche Fitness. Die ist aktuell nicht zu erkennen.

31 von 34 Spielen hat er bestritten, 27 von Beginn an. Sechs Tore hat er geschossen. Oft hat er den Unterschied ausgemacht. Das unterstreicht seine Bedeutung für diese Mannschaft. Seit dem Pokal-Halbfinale aber, als er auf Schalke mit einer starken Prellung ausgewechselt werden musste, ist ihm kein wirklich gutes Spiel mehr gelungen. Die Trainingspause nach der Verletzung hat ihn zurückgeworfen.

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Boateng hat sich nach dem Spiel auf Schalke in Interviews gestellt. Dass er da von einer „überragenden Saison“ gesprochen hat, war womöglich noch dem Adrenalin nach der sportlichen Enttäuschung geschuldet und entsprach der allgemeinen Sprachregelung. „Klar sind wir enttäuscht“, räumte er immerhin ein, „wir wollten unbedingt gewinnen oder einen Punkt holen.“ Doch das ließen die Schalker nicht zu. Gerade Boateng wurde immer wieder hart angegangen, bekam keinerlei Freiraum zugestanden. Das hat dem Frankfurter Spielmacher nicht geschmeckt. Das so oft gelobte Zusammenspiel mit Omar Mascarell kam kaum zustande. Erst als mit Jonathan de Guzman ein dritter feiner Techniker auf dem Platz stand, gab es wenigstens ab und an vernünftige Passagen. Für Trainer Niko Kovac wird das unter der Woche eine große Denksportaufgabe. Mascarell, Boateng und de Guzman im Pokal-Endspiel gegen Bayern München unter einen Hut zu bringen, liegt wegen deren spielerischer Qualität nahe, dürfte taktisch aber durchaus nicht einfach werden. „Wir dürfen uns davon jetzt nicht runterziehen lassen“, appellierte Boateng nach der Pleite von Schalke an seine Mitspieler, „ich bin stolz auf die Truppe.“

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Da war er dann wieder der Anführer. Ein selbstbewusster Profi, der den Blick nach vorne richtet und der Europa noch nicht abgeschrieben hat. „Das Finale ist ein Highlight und wir können es noch schaffen“, sagte Boateng, „es wird sehr schwer, aber dass Bayern verlieren kann, haben wir heute gesehen.“

Der Trainer und sein Star sind gerade vor dem Finale eine Art „Schicksalsgemeinschaft“. Die gegenseitige Wertschätzung ist hoch. Sie haben einst gemeinsam für Hertha BSC gespielt, eine Freundschaft hat sich entwickelt. Kovac hat Boateng aus Spanien zurück in die Bundesliga geholt, Boateng ist (auch) wegen Kovac gekommen. Am Samstag kehren sie ein letztes Mal gemeinsam in ihre Heimatstadt Berlin zurück. Nach dem Endspiel werden sich die sportlichen Wege dann trennen.

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