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Eintracht Frankfurt: Kevin-Prince Boateng: Die Rückkehr des Kriegers

Von In seiner Geburtsstadt Berlin hat auch sein weiter Weg als Fußballprofi begonnen. Bei der Eintracht hat Kevin-Prince Boateng seit seinem Wechsel nach Frankfurt im Sommer eine ganz wichtige Rolle übernommen. Das liegt auch an einem anderen Berliner.
Bleibt auch unter Druck am Ball: Kevin-Prince Boateng (Mitte). Foto: Jan Huebner (Jan Huebner) Bleibt auch unter Druck am Ball: Kevin-Prince Boateng (Mitte).
Frankfurt. 

Na klar, Berlin ist für Kevin-Prince Boateng immer etwas Besonderes. In der deutschen Bundeshauptstadt wurde er am 6. März 1987 geboren. Dort hat er bei den Reinickendorfer Füchsen und Hertha BSC das Kicken gelernt. Und dort ist er bei der Hertha auch Fußballprofi geworden. Boateng, inzwischen 30 Jahre alt, ist einen weiten Weg gegangen. Von Berlin über England (Tottenham und Portsmouth), Dortmund, Italien (AC Mailand), Schalke 04, Spanien (US Las Palmas) bis nach Frankfurt in diesem Sommer. Am Sonntag wird er nun mit der Eintracht zurückkehren in seine Geburtsstadt, und die Familie und ganz viele Freunde werden ganz sicher auf der Tribüne im Olympiastadion sitzen. Zuletzt hatte Boateng mit Schalke am 14. März 2015 in Berlin gespielt.

Im Stadtteil Wedding ist der kleine Boateng aufgewachsen, nicht weit entfernt davon hat auch der heutige Frankfurter Trainer Niko Kovac seine Kindheit verbracht. In Frankfurt haben sich die beiden Berliner, der kroatische Trainer und der ghanaische Fußballstar, nun wieder gefunden. Bei der Hertha hatten sie einst für eine kurze Zeit zusammengespielt, als der 17 Jahre alte Boateng bei den Profis reinschnuppern durfte. Für Boateng war dies eine Zeit, die er nie vergessen wird. „Niko hat mich direkt verstanden und wusste, wie man diesen Tiger zähmt“, sagte er unlängst in einem Interview, „mit seiner Professionalität hat er mit sehr geholfen“. Der Kontakt zwischen Kovac und Boateng ist nie abgerissen, er hat es möglich gemacht, dass Boateng im August von Las Palmas nach Frankfurt gewechselt ist. „Niko hat immer gesagt: Du bist mein Krieger, mit dir kann ich Kriege gewinnen“, erzählt Boateng beeindruckt.

Die Worte beherzigt

Dass Boateng nach der einen oder anderen Affäre in seiner Karriere kein besonders gutes Image mehr in Deutschland hatte, hat bei der Eintracht niemand wirklich interessiert. „Die Menschen sollten nicht leichtfertig urteilen über andere Menschen, die sie nicht wirklich kennen“, hatte der Eintracht-Trainer gleich bei der Vorstellung Boatengs gesagt, „ich kenne Kevin genau“. Kovac hat Recht behalten, Boateng hat sich in Frankfurt genau von jener Seite gezeigt, die sich die Eintracht bei seiner Verpflichtung erhofft hatte. Er geht voran, er ist ein Führungsspieler, auf dem Platz und abseits des Platzes.

„Ich versuche den jungen Spielern zu helfen“, sagt er. Das freilich sagen viele. Und wenige tun es. Boateng beherzigt seine Worte. Er hat längst eine ganz wichtige Rolle in Frankfurt übernommen. Sein Wort zählt, weil auch seine Leistungen stimmen. Dabei habe er sich nicht in die Rolle des Anführers gedrängt. „Ich bin noch nie irgendwo hingegangen und habe gesagt, ich will der Leader sein“, hat er dem „kicker“ erzählt, „die Menschen drumherum stufen mich so ein, dafür kann ich nichts.“

In Frankfurt haben sie schnell gemerkt, welche Qualitäten der Fußballer Boateng im Herbst seiner Karriere in sich vereint. Obwohl noch nicht in allerbester körperlicher Verfassung, steht er fußballerisch eine Stufe über fast allen anderen. Er ist ruhiger geworden in den vergangenen Jahren. Was nicht unbedingt etwas mit der Weisheit des Alters zu tun hat, sondern mehr mit den vielen einschneidenden Erlebnissen seiner Karriere.

Das passt zusammen

Da gab es rassistische Anfeindungen, das böse Foul an dem früheren Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack, persönliche Krisen bei seinem Engagement in England genau wie fußballerische Erfolge in Mailand, Dortmund oder auf Schalke, den Mut gegen Rassismus öffentlich aufzustehen und die Ehre, vor der UN eine Rede gegen den Rassismus zu halten.

In Las Palmas hatte Boateng zuletzt auch sportlich zu starken Leistungen zurückgefunden. Er fühlte sich wohl auf der Kanaren-Insel, aber er fühlte sich zu weit weg von der Familie, die in Mailand lebt. Frankfurt erschien ihm da als logischer Schritt. Boateng ist bei aller gezeigten Zurückhaltung meinungsstark geblieben, hat zuletzt nicht nur auf dem Rasen, sondern auch mit inhaltsvollen Interviews auf sich aufmerksam gemacht. So hat er unter anderem Stadionverbote für jene Verblendeten gefordert, die immer noch rassistische Beleidigungen lauthals hinausschreien. Und da gibt es noch den anderem „KPB“, der zum 50. Geburtstag des Eintracht-Betreuers Franco Lionti am Freitag lautstark ein Lied auf italienisch schmetterte.

Die internationale Stadt Frankfurt und die Multi-Kulti-Eintracht, so viel scheint klar, passen zu Boateng. Und umkehrt. „Als ich ankam, dachte ich, das wird schwer. So viele Namen, so viele Sprachen, jeder hat woanders gespielt, ein anderes System im Blut“, erinnert er an die Zeit vor zwei, drei Monaten, „aber auf dem Platz sprechen wir tatsächlich eine Sprache“. Es sei nicht die Sprache, „die aus dem Mund kommt“, sondern jene, „wie wir Fußball spielen“. Sein Trainer habe das wunderbar hingekriegt. Am Sonntag kehren Kovac und sein Krieger zurück zu ihren Wurzeln.

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