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Eintracht Frankfurt: Knifflige Aufgabe: Spielaufbau aus Dreierkette

Von Durchaus eindrucksvoll untermauerte die Frankfurter Eintracht mit dem 1:1 gegen die TSG 1899 Hoffenheim ihre Ambitionen, in der nächsten Saison international spielen zu wollen. Das Team von Trainer Niko Kovac wirkte gefestigt und bewegte sich mit einem starken Gegner wie selbstverständlich auf Augenhöhe.
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Frankfurt. 

Dass die Eintracht auch in der entscheidenden Saisonphase Spiele gegen Champions-League-Anwärter wie Leipzig, Dortmund und jetzt Hoffenheim so ausgeglichen gestalten (oder sogar gewinnen) kann, kann man Spielern und Trainern gar nicht hoch genug anrechnen. Fleiß, Willen, Zusammenhalt, und das stetige Streben nach Verbesserung sind nicht zu übersehen und die herausragenden Merkmale dieser Mannschaft. Dazu gehört auch die Bereitschaft, immer weiter nach der idealen Taktik zu suchen. Und dabei wird in der Nachbetrachtung auch die Partie gegen Hoffenheim helfen.

Auf den ersten Blick ging Hoffenheim die Sache eher defensiv an. In Wirklichkeit dürften sich die Gäste nicht aus Vorsicht in Richtung Mittellinie zurückgezogen haben, sondern um etwas Platz für ihr schnelles Umschaltspiel in der Frankfurter Hälfte zu schaffen. Was erstens ein legitimes Mittel ist, denn niemand ist zum frühen Anlaufen verpflichtet. Und zweitens schafften es die Gäste besonders im ersten Abschnitt häufiger, mit einer schon manches Mal von der Eintracht praktizierten Pressing-Methode den Ball zu gewinnen. Drei Angreifer, einer leicht nach vorne geschoben im Zentrum, zwei im Halbfeld rechts und links (also zwischen Flügel und Zentrum), bilden mit zwei zentralen Mittelfeldspielern einen Art Pfeilspitze, dank der sich sowohl am Flügel als auch im Zentrum gut Überzahlsituationen schaffen lassen. Und zwar egal auf welcher Höhe, sprich wie weit vorne. Hoffenheim baute sich so rund um den Mittelkreis auf, die Eintracht hatte in der Vergangenheit aus einer solchen Ordnung mit der Angriffslinie Wolf, Haller und Rebic schon deutlich weiter vorne attackiert.

Kevin-Prince Boateng (rechts) verlässt am Sonntag das Feld, macht Platz für Mijat Gacinovic. Der Frankfurter Leistungsträger macht gegen Hoffenheim einen erschöpften Eindruck.
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Mit dem 1:1 gegen die TSG Hoffenheim hat die Frankfurter Eintracht einen sehr wichtigen Schritt in Richtung internationales Geschäft gemacht. Am Sonntag sah man aber auch, dass die Kräfte einiger Spieler nachlassen. Wird das Team von Trainer Niko Kovac das große Ziel erreichen?

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Ein Problem einer Dreierkette im Spielaufbau bekam die Eintracht im ersten Abschnitt nicht wirklich aus der Welt geschafft: Wenn drei Abwehrspieler gegen drei Angreifer aufbauen, kommen sie oft entweder nicht gut in die Schnittstellen der ersten Linie des Gegners, oder müssen die Halbräume zugunsten einer breiteren Aufstellung aufgeben, was bei Ballverlusten zum Problem werden kann.

Im Zentrum war der „Sechser“ Jonathan de Guzman nur selten anspielbar – auch das könnte ein gewollter Effekt der etwas zurückgezogenen Spielweise der Hoffenheimer gewesen sein. Zwischen den einzelnen Linien war so nämlich wenig Platz, auch für die offensiveren Kevin-Prince Boateng und Marius Wolf.

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Wie haben sich die Adler gegen Hoffenheim geschlagen? Hier ist unsere Einzelbewertung.Luka Jovic: Er war immer gefährlich, fast logisch, dass ihm der Frankfurter Treffer gelungen ist. Jetzt zittert ganz Frankfurt, dass auch er noch mit Verletzung ausfallen könnte.

Dazu kommt, dass sich bei drei Angreifern gegen eine Dreierkette immer einer nah genug am zentralen Abwehrspieler orientieren kann, in diesem Fall also an Makoto Hasebe, um ihm Druck zu machen. Hasebe, der Fuchs, hatte nach knapp einer halben Stunde eine ganz hübsche Idee und schob weiter nach vorne auf die Sechserposition, so dass die Eintracht wie aus einer Viererkette mit den Innenverteidigern Marco Russ und David Abraham aufbaute. Aus irgendeinem Grund ließ der Japaner diese Idee aber schnell wieder fallen. Möglicherweise gefiel es Kovac nicht, dass das Abwehrzentrum so nicht mehr besetzt war?

Man gewöhnt sich eben schnell an diesen einen Spieler in der Mitte, wenn man sich von der Viererkette verabschiedet hat. Das Zentrum wirkt auf einmal so entblößt. Jahrelang galt es als „State of the Art“ (auf dem neuesten Stand der Technik), die (beiden) Innenverteidiger möglichst weit entfernt voneinander zu postieren – also „breit“ zu stellen, wie der Trainer sagen würde. So ändern sich eben die Zeiten. Und das Gute ist: Im Moment muss man sich keine Sorgen machen, dass die Eintracht bei derlei Entwicklungen hinterher hinken könnte.

Dass die Frankfurter „ihr“ System nicht spielten und selbst nicht ganz so vehement anliefen, hing mit dem Personal zusammen. Denn da ist ohne Ante Rebic und auch ohne Sebastien Haller und ohne Omar Mascarell eine kleine Qualitäts-Delle zu erkennen. Das „hohe“ Anlaufen ganz weit vorne geht so richtig gut eben (noch) nur mit Rebic, Haller und Wolf auf vorderster Linie und am besten mit Mascarell und Boateng dahinter. Was für die Nachrücker kein ganz schlechtes Zeugnis bedeutet, denn in dieser Formation hatte die Eintracht Niko Kovacs Idee auf einem absoluten Top-Bundesliganiveau umgesetzt – und ebenfalls etwas Zeit gebraucht, um dort hinzukommen.

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