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Eintracht Frankfurt: Kuttenträger - eine besondere Spezies

Von Früher, in den 70er und frühen 80er Jahren, prägten sie das Bild in der Fankurve. Heute sind sie dort nur noch mit ein paar Dutzend vertreten, vor allem bei Traditionsvereinen. Doch die kleine Szene der Kuttenfans erlebt einen Aufschwung.
Exoten unter den Fans: Rund 50 Kuttenträger gibt es noch in der Fanszene der Eintracht. Exoten unter den Fans: Rund 50 Kuttenträger gibt es noch in der Fanszene der Eintracht.
Frankfurt. 

Traugott Heinl geht seit über einem halben Jahrhundert zur Frankfurter Eintracht. Er ist gewissermaßen ein Kind der Bundesliga, hat viel Freud und Leid erlebt auf den Rängen des Waldstadions und sonst wo beim Fußball in der Bundesrepublik, wenn elf Männer mit dem Adler auf dem Trikot kickten. Seine Zuneigung zur SGE drückt der 65-Jährige nicht nur durch regelmäßigen Stadionbesuch aus, sondern auch mit einer Jacke, deren Rückseite ein großer Eintracht-Adler ziert. Viele Fans gibt es nicht mehr, die Kutte tragen. Heinl ist jedenfalls stolz darauf, einer von ihnen zu sein.

Vor dem letzten Heimspiel am vergangenen Samstag gegen den Hamburger SV hatte der gebürtige Sachsenhäuser ein Treffen organisiert. Alle Frankfurter Kuttenträger waren eingeladen, auch Hamburger durften sich noch dazugesellen. 54 Eintracht-Kutten stünden auf seiner Liste, sagt Heinl. Alle haben den Aufruf zwar nicht befolgt, doch mit der Resonanz war er zufrieden. „Berlin, Berlin – wir fahren nach Berlin!“ und „Schon wieder im Finale, SGE!“, stimmten sich die 25 Kuttenfans vor der Waldtribüne nahe des Eintracht-Museums ein.

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„Ich wollte unbedingt so ein Treffen machen, um die Gemeinsamkeit zu dokumentieren“, sagt Heinl. Weitere Treffen, etwa ein- oder zweimal jährlich, seien gewünscht. „Man weiß ja nicht, was in zehn Jahren ist“, sagt Heinl.

Der stark sonnengebräunte Mittsechziger hat eben reichlich Erfahrung. In der Hochzeit der Subkultur Kuttenfans, in den 70ern und 80ern, trug er die Fanweste. Dann legte er sie für eine Weile ab, um dann seit einigen Jahren wieder Kutte zu zeigen. „Leute, die Kutte tragen, haben ein anderes Verhältnis zum Verein – ein innigeres“, meint Heinl. Die Aufnäher, manche haben 20 bis 30 auf der Jacke, wurden selber drangemacht. „In früheren Zeiten“, gibt Siggi Kasteleiner, Mitarbeiter des Fanmagazins „Fan geht vor“, zu, „hat die Mutter auch mal geholfen.“ Einst im Block G hatten viele SGE-Fans eine Kutte an, besonders welche von den dominierenden Fanclubs.

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Doch mit dem Aufkommen eines neuen Fanstils – eingeführt aus England – verloren die Kutten an Bedeutung. Der gewaltbereite Teil zog sich nun Bomberjacke und Jogginghose an, der weit größere friedlichere setzte auf eigene Fanklubkollektionen. Später, in den 90ern, entstand die Ultra-Bewegung. Sie etablierte sich Ende der 90er als führende Subkultur in der Kurve – und gibt auch heutzutage dort noch den Ton an. Nicht nur generationsbedingt bestehen erhebliche Unterschiede zu den Kuttenfans. „Die Ultra-Mode ist eher spärlich“, sagt Kasteleiner. Man trägt mehrheitlich schwarz und nicht bunt. Doch Probleme gebe es nicht, sagt Heinl, der das Epizentrum des Supports im Stadion gewiss nicht meidet. „Ich bin oft im 40er-Block. Da gibt es keine Reibereien mit den Ultras. Wir Kuttenträger üben eine gewisse Faszination auf die anderen aus. Man hat zwar nicht so viel miteinander zu tun, aber man respektiert sich“, führt er aus.

Gewalt geht von den Kuttenfans keine (mehr) aus. „Heute sind wir Exoten. Was sollen wir mit 50 Mann schon groß reißen“, fragt Heinl süffisant. Vor Beginn des Hooliganismus in Deutschland waren Teile der Kuttenfans noch gewaltbereit. Aus diesen ging auch die Adlerfront hervor, die sich 1982 gegründet hatte. Beim letzten Bundesliga-Saisonspiel morgen bei Schalke 04 wird Traugott Heinl wieder in der (Auswärts-)Fankurve sein. Selbstverständlich auch eine Woche später in Berlin. Und seine Kutte wird er dann wieder tragen.

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