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Eintracht Frankfurt: Langsam gehen Trainer Adi Hütter die Spieler aus

Vor der Partie in Dortmund plagen Adi Hütter massive Personalprobleme. Mittlerweile bereitet selbst der Rücken von Linksverteidiger Taleb Twatha dem Eintracht-Trainer Sorgen.
Unter Beobachtung: Trainer Adi Hütter (links) verfolgt die Trainingsbemühungen von Simon Falette. Foto: pressehaus (www.bild-pressehaus.de) Unter Beobachtung: Trainer Adi Hütter (links) verfolgt die Trainingsbemühungen von Simon Falette.
Frankfurt. 

Man kann wahrlich nicht behaupten, dass das freundschaftliche Aufeinandertreffen zwischen Nordirland und Israel hierzulande besonders viele Leute vom Hocker hauen würde, selbst beinharte Fußballliebhaber werden das Länderspiel in Belfast (3:0) wohl eher unter der Rubrik special interest verbuchen. Die Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt waren indes am Dienstagabend genau ob dieser Partie ein wenig aufgeschreckt, das lag an einer frühen Auswechslung nach bereits 40 Minuten. Da verabschiedete sich Taleb Tawatha mit Rückenbeschwerden aus dem Spiel, ausgerechnet Tawatha, der letzte gesunde Linksverteidiger im Aufgebot.

Wie schwer die Blessur ist, die sich der 26-Jährige zuzog, ließ sich noch nicht genau absehen. Doch der Linksfuß droht fürs morgige Auswärtsspiel in Dortmund auszufallen. Und dann? Dann hätte Eintracht Frankfurt ein massives Problem, den Hessen gehen schon früh in der Saison die Spieler aus.

Jetro Willems ist nach seiner tölpelhaften Tätlichkeit aus dem Bremen-Spiel rotgesperrt, Timothy Chandler fällt mit einem Knorpelschaden für dieses Kalenderjahr aus. Viele Alternativen hat Trainer Adi Hütter nicht. Okay, er könnte Danny da Costa von rechts nach links ziehen und Makoto Hasebe stattdessen als Außenverteidiger aufbieten. Keine gute Idee: Da Costa kommt momentan schon auf seiner angestammten Seite kaum zum Zug und verhaspelt sich mit seinen überhasteten Flanken, Makoto Hasebe ist dort allenfalls eine Notlösung.

Falette oder Beyreuther?

Oder Coach Hütter könnte dem vormals ausgemusterten und nun wieder in Gnaden aufgenommenen Simon Falette eine Bewährunchance geben. Der Franzose ist Linksfuß, er hat unter Vorgänger Niko Kovac häufig als linkes Glied der Dreierkette agiert und dort sehr weit außen gespielt. Falette ist ein rechtschaffener und harter Zweikämpfer. Der Haken an der Geschichte: Seine fußballerische Begabung ist überschaubar, Flankenläufe oder präzise Hereingaben sind da eher nicht zu erwarten. Andererseits hat selbst die deutsche Nationalmannschaft ihre Wiedergutmachungstour gegen Frankreich mit zwei gelernten Innenverteidigern auf Außen begonnen: Antonio Rüdiger spielte links, Matthias Ginter rechts hinten. Gewöhnungsbedürftig und sicher kein Modell für die Zukunft.

Oder Adi Hütter wählt die mutige Variante und verhilft einer Nachwuchskraft zum Bundesligadebüt: Deji Beyreuther, 19 Jahre jung und seit einem knappen Jahr mit einem Profivertrag ausgestattet. Zu einem Pflichtspiel hat es für den Abwehrmann bislang nicht gereicht, aus der jungen Garde aus dem eigenen Stall wird ihm aber am ehesten der Sprung zu den Profis zugetraut. Ex-Trainer Niko Kovac sah etwas in dem Linksfuß, er wollte ihn perspektivisch aufbauen. „Er ist klar im Kopf. Deji bringt alles mit, was man braucht“, urteilte Kovac.

Beyreuther hat zudem einen Vorteil: Er ist pfeilschnell, das ist im heutigen Fußball ein nicht zu unterschätzendes Gut. Doch traut sich Hütter, den Göttinger mit nigerianischen Wurzeln ausgerechnet im Dortmunder Hexenkessel ins kalte Wasser zu werfen? Andererseits muss sich ja jeder irgendwann mal freischwimmen, wenn er sich in der Bundesliga durchsetzen will. Im Endeffekt ist es eine Frage des generellen Niveaus. Traut man einem Talent etwas zu und hält es für tauglich, dann sollte man ihm das Vertrauen schenken. Bestes Beispiel ist Evan Ndicka, gerade erst 19 geworden, der plötzlich in Freiburg in der Startaufstellung stand und auch gegen Bremen 80 Minuten verteidigte – beide Male abgeklärt, souverän und eiskalt.

Beyreuther ist ein Spätstarter, kam erst im Januar des vergangenen Jahres aus der Jugend des FSV Frankfurt zum Nachbarn an den Riederwald. „Deji ist ein bisschen unter dem Radar geflogen“, sagt Eintracht-Nachwuchschef Armin Kraaz. „Er hat sich relativ spät, dafür aber ziemlich schnell entwickelt.“

Der Linksfuß, dessen Vorbild Bayern-Profi David Alaba ist, hat schon Spuren hinterlassen bei der Eintracht, ihm ist es nämlich zu verdanken, dass die A-Jugend überhaupt noch in der Bundesliga spielt. Am letzten Spieltag der abgelaufenen Saison feuerte er in Heidenheim einen direkten Freistoß ins Netz – es war das Goldene Tor, das letztlich den Klassenerhalt bedeutete.

Die aktuelle Not der Eintracht verdeutlicht, welch Dummheit sich Stammkraft Jetro Willems mit seinem Schlag ins Gesicht von Theodor Gebre Selassie geleistet hat. Die Eintracht wäre gut beraten, ihren Spielern derartige Disziplinlosigkeiten auszutreiben und ihnen klarzumachen, solch vereinsschädigendes Verhalten nicht zu dulden. Auch Kapitän David Abraham neigt ja zu merkwürdigen Aussetzern dieser Art.

Und es zeigt, wie schleppend die Frankfurter Personalpolitik in diesem Sommer verlief – was Fredi Bobic ja schon einräumte, dabei aber stets eine Verteidigungshaltung einnahm. „So einen schweren Transfermarkt hatten wir die letzten zehn Jahre nicht“, befand der Sportvorstand.

Die Eintracht hat es versäumt, auf der Außenverteidigerposition noch mal nachzulegen, wobei sie eher für die rechte und nicht für die nun vakante linke Seite suchte. Mit dem Berner Kevin Mbabu, einem Wunschspieler von Ex-Young-Boys-Coach Hütter, war man weit in den Verhandlungen, letztlich zerschlug sich der Transfer aber in letzter Minute. Es ist ohnehin fraglich, ob fast zehn Millionen Euro für einen Außenverteidiger gerechtfertigt gewesen wären. Zumal die Eintracht ja auch keinen Spieler von denen abgeben konnte, die sie gerne abgeben wollte: Die zeitweise aussortierten Akteure wie Marco Fabián, Marc Stendera, Branimir Hrgota und Simon Falette binden jährlich rund fünf Millionen Euro.

 

Aber nicht nur auf den defensiven Außen hat die Eintracht, anders als geplant, nicht nachlegen können: Ein Konkurrent für Rechtsaußen Nicolai Müller ist nicht verpflichtet worden – dabei ist eigentlich Müller als Backup geholt worden.

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