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Eintracht Frankfurt: Luka Jovic: Der Rohdiamant

Von Bei Benfica Lissabon konnte er sich nicht durchsetzen, bei der Frankfurter Eintracht ist er bislang nur ein effizienter Joker. Jetzt will sich Luka Jovic bei dem Fußball-Bundesligisten zur Stammkraft entwickeln.
Bereit zum Jubeln: Der Frankfurter Luka Jovic nach seinem Treffer zum 2:0 gegen Gladbach am vergangenen Freitag. Foto: Huebner/Blatterspiel (Jan Huebner) Bereit zum Jubeln: Der Frankfurter Luka Jovic nach seinem Treffer zum 2:0 gegen Gladbach am vergangenen Freitag.
Frankfurt. 

Viele Tore (vier) in nur wenigen Spielminuten (269) – das hat Luka Jovic in dieser Saison der Fußball-Bundesliga bislang ausgezeichnet. Der 20 Jahre alte Stürmer ist der Joker der Frankfurter Eintracht. Zweimal hat er auch schon in der Anfangself gestanden, beim Auswärtsspiel in Hamburg und beim Heimspiel gegen den FC Schalke 04.

Die besseren Leistungen hat er aber bei seinen acht Einwechslungen gezeigt. Auf die Jokerrolle will er sich auf Dauer freilich nicht reduzieren lassen. „Erst wenn ich öfter von Beginn an gespielt habe, kann man sehen, was mir besser liegt“, sagt der 1,81 Meter große Angreifer mit imponierenden Waden, die fast so kräftig sind wie seine Oberschenkel.

An diesem Sonntag beim Gastspiel der Frankfurter in Augsburg könnte es wieder einmal so weit sein. Ante Rebic, sein Konkurrent im Angriff, fehlt in der Partie gegen die Schwaben wegen einer „Gelbsperre“, Jovic gilt als erster Anwärter auf den Platz im Sturm neben Sébastien Haller. Noch hat sich Eintracht-Trainer Niko Kovac aber nicht endgültig entschieden, weder extern noch intern. Erst beim Freitagtraining werde er erfahren, ob er dabei ist, sagt Jovic, erst dann ist auch bei den Übungseinheiten eine Tendenz festzustellen, welche Pläne der Trainer des hessischen Bundesligisten verfolgt.

Kandidat für die WM

Beim Gesprächstermin mit den lokalen Medien hatte Jovic am Donnerstag einen prominenten Dolmetscher. Die Eintracht hatte ihre „Legende“ Dragoslav Stepanovic angefordert. 34 Länderspiele hat „Stepi“ für das ehemalige Jugoslawien bestritten, 63 Bundesligaspiele für die Eintracht. Zur „Kultfigur“ aber ist er aber erst als Trainer geworden. Zweimal, von 1991 bis 1993 und dann noch einmal 1996, hat er die Frankfurter Eintracht trainiert.

Was der inzwischen 69 Jahre alte Stepanovic sagt, hat bei aller Freude und bei allem Spaß, den er Satz für Satz ausstrahlt, doch Gewicht. Jetzt wurde Stepi gebraucht, um zu sagen, was Jovic gesagt hat. Gesprochen wurde auch über die serbische Nationalmannschaft. Jovics gute Leistungen in der Bundesliga sind natürlich bis in die Heimat vorgedrungen. In einigen Medien seiner Heimat wird er bereits als Kandidat für das WM-Aufgebot genannt. Er würde sich über eine Berufung natürlich freuen. „Wenn ich noch besser werde, kann das wirklich klappen“, glaubt er. Eine zusätzliche Motivation also.

Jovic ist ein bescheidener junger Mann, durchaus aber auch mit Selbstvertrauen ausgestattet. Dass er sich in der Bundesliga durchsetzen kann, davon ist er überzeugt. „Ich weiß, was ich kann“, sagt er. Sein Trainer Niko Kovac weiß auch, welchen Rohdiamanten er da in seinem Aufgebot hat. „Luka hat einen sehr präzisen Abschluss, links wie rechts“, lobt der Frankfurter Fußball-Lehrer seinen jungen Stürmer, „im Strafraum ist er sehr kaltschnäuzig.“ Heim Heimsieg gegen Borussia Mönchengladbach hat Jovic am letzten Freitag das 2:0 mit links erzielt. „Mit rechts bin ich noch ein bisschen besser“, verrät er, „aber ich arbeite schon lange daran, mit links genauso stark zu werden.“ Gerade in der Bundesliga sei dies eine wichtige Voraussetzung, um sich durchsetzen zu können.

Die gleiche Sprache

Der Wechsel vom portugiesischen Rekordmeister Benfica Lissabon zur Eintracht im letzten Sommer hat ihn deutlich voran gebracht. Es werde viel härter trainiert in der Bundesliga als in Portugal, sagt er. Aber auch das konnte ihn nicht wirklich überraschen. Seinen Freund und Landsmann Mijat Gacinovic hatte er vor der Unterschrift angerufen. „Danach wusste ich, was mich erwartet“, lacht er. Vom kroatischen Trainer Niko Kovac und dessen intensiven Übungseinheiten habe er schon viel lernen können in den vergangenen Monaten. Hilfreich sei dabei natürlich auch, dass man die gleiche Sprache spricht. Bei allem Lob, manchmal gibt es auch Tadel. Das Defensivverhalten müsse noch besser werden, würde sein sportlicher Vorgesetzter immer mal wieder anmahnen, sagt Jovic. „Nach hinne muss er besser werde“, übersetzte Stepanovic in seinem typisch putzigen Serbo-Hessisch ganz treffend.

Luka Jovic steht auf Leihbasis bis zum Sommer 2019 bei der Eintracht unter Vertrag, also auch noch in der kommenden Saison. Danach haben sich die Frankfurter eine Kaufoption von Benfica Lissabon gesichert. Die soll angeblich stolze zwölf Millionen Euro betragen. Löst die Eintracht sie ein, wäre das die höchste Ablösesumme, die der Club je für einen Spieler gezahlt hat. „Ich weiß davon nichts“, sagt Jovic zu diesem Thema, der freilich trotz seiner Jugend hohe Erwartungen und hohe Summen schon gewohnt ist. Als er einst schon als Jugendspieler bei Roter Stern Belgrad in der ersten Mannschaft gekickt hatte, wurde er mit den ganz Großen der Branche verglichen. Die Erwartungshaltung sei riesig gewesen, erzählt er im Rückblick, „der Druck von den Fans war viel zu groß für einen 16-Jährigen.“

Benfica Lissabon war schnell auf das serbische Kraftpaket aufmerksam geworden. Über den Umweg Limassol (Zypern) war er dann am 1. Februar vor zwei Jahren zum portugiesischen Rekordmeister gewechselt. Benfica hatte damals 6,6 Millionen Euro Ablöse für das Talent gezahlt. Und nicht viel dafür zurück bekommen. In die A-Mannschaft von Benfica hatte es Jovic nicht geschafft, nur in der Reserve gespielt, meisten ist er durch die portugiesische Fußball-Provinz getingelt. Womöglich habe er „nicht so professionell wie nötig“ trainiert, gibt er zu.

Das Interesse der Frankfurter Eintracht ist da gerade recht gekommen. Nur zu gerne hat Jovic im letzten Sommer das Mauerblümchen-Dasein in Lissabon mit der Herausforderung in der Bundesliga getauscht und seine Chance in Frankfurt gesucht. „Ich will gerne hier bleiben“, sagt er jetzt. Vor kurzem hatte er in einem Interview noch gesagt, er wolle sich in Frankfurt durchsetzen, „um eine Rückfahrkarte nach Lissabon zu bekommen“.

Einstellung verändert

Inzwischen aber kann er sich gut vorstellen, auch dauerhaft in Frankfurt Fußball zu spielen. Die ganze Einstellung zum Beruf hat sich in den letzten Monaten hier verändert. „Wenn ich so weiter arbeite, werde ich immer besser“, sagt er, „wenn ich physisch zulege, dann kann ich auch noch besser erfüllen, was der Trainer will.“

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