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Eintracht Frankfurt: Lukas Hradecky: "Man gewinnt kein Spiel mit links"

Von In seinem dritten Jahr in Frankfurt hat die Eintracht die bislang beste Mannschaft beisammen, findet Torhüter Lukas Hradecky.
Lukas Hradecky Lukas Hradecky

Hallo Lukas, wie war das, ein freies Wochenende zu haben?

Ich fand das gut, dass jetzt das erste Freitagsspiel war. Am Samstag habe ich natürlich die Bundesliga-Konferenz geschaut und dann war ich am Sonntag meinen Freund und Kollegen Heinz Lindner besuchen, der ja inzwischen bei Grass-hopper Zürich spielt. Da war ich über Nacht und am Montag bin ich zurückgekommen.

Waren Sie in Ihrer Frankfurter Zeit eigentlich schon mal anderswo Fußball gucken? Interessieren Sie sich überhaupt für den kleinen Fußball?

Beim FSV war ich einmal in meinem ersten Eintracht-Jahr, als sie noch in der zweiten Liga gespielt haben. Und Eishockey gehe ich manchmal gucken. Ein Kumpel von mir hat letzte Saison noch in Bad Nauheim gespielt, da bin ich immer mal hingefahren. Amateurfußball schaue ich mir natürlich manchmal im Urlaub in Finnland an, wenn meine Freunde kicken. Ansonsten habe ich genug Fußball in meinem Leben. In der Freizeit muss man auch mal an etwas anderes denken.

Okay, kommen wir also zu den Spielen, die für Sie beruflich wichtig sind: Wie lässt sich das Schweinfurt-Spiel zusammenfassen?

Also ich mag ja die Magie des Pokals. Das habe ich schon in Dänemark gemocht, wenn man in die kleinen Städte und auf die kleinen Fußballplätze kommt und die kleinen Vereine einen rauswerfen wollen. Dieser Kampf David gegen Goliath, das gefällt mir. Und dann hatte ich ja noch überraschend viel zu tun im Tor. Auch da sieht man, wie hoch die Qualität des Fußballs in Deutschland ist, wenn einen die Viert- oder Fünftligisten noch so beschäftigen können.

Und was gibt es zum Spiel in Mainz zu sagen?

Nicht viel. Das ist erledigt. Das war kein schönes Spiel und glücklicherweise haben wir noch einen Punkt geholt. Das ist ja auch eine Qualität, wenn man aus so einem Spiel noch etwas mitnimmt.

Wie zufrieden sind Sie insgesamt mit dem ersten Drittel der Saison?

Ich denke, es hätte etwas besser gehen können, aber genauso gut auch etwas schlechter. Wir können mit der Punktausbeute jedenfalls ganz zufrieden sein. Die Hauptsache ist doch, dass wir genügend Abstand zum Tabellenkeller haben – und so soll das auch bleiben. Gegen Bremen ist das deswegen wieder ein ganz wichtiges Spiel und ich finde, es ist nicht unbedingt der günstigste Zeitpunkt dafür, denn Mannschaften sind nach einem Trainerwechsel immer schwer einzuschätzen und oft auch besonders motiviert.

Wie würden Sie ihre Mannschaft beschreiben – und wie fällt der Vergleich mit der Mannschaft der vergangenen Saison aus?

Das ist eine gute Frage. Also wir haben diesmal schon richtig gute Spieler geholt, da ist eine Menge Qualität dazugekommen. In meinen drei Jahren hier, das meine ich ganz bestimmt, ist das jetzt die beste Mannschaft.

Gibt es trotzdem einen Abgang, den Sie besonders vermissen?

Für mich war Basti (Bastian Oczipka, Anm. der Redaktion) ein guter Junge. Wir haben jetzt als linken Verteidiger Jetro Willems, der macht das auch gut und der ist auch ein super Typ, aber Basti war ein guter Freund, den ich schon etwas vermisse in der Kabine. Und Heinz Lindner natürlich. Aber ich habe ihm selbst gesagt, dass ich hoffe, dass er einen Verein findet, wo er spielt. Das hat geklappt, und ich freue mich sehr für ihn, dass er jetzt in Zürich die Nummer eins ist.

Und welcher Neuzugang bringt die Mannschaft besonders voran?

Kevin Prince ist von der Persönlichkeit und seiner ganzen Art und Weise schon derjenige, den man da nennen muss. Er ist auf Anhieb ein ganz wichtiger Anker geworden im Mittelfeld. Es ist fast komisch, wie schnell das passiert ist, dass er diese Rolle eingenommen hat. Und auch Sebastien wird mehr und mehr zum Führungsspieler. Jetzt macht er ja die Tore und bekommt immer mehr Selbstbewusstsein.

Hat sich für Sie etwas geändert durch das klare Bekenntnis zur Dreier- beziehungsweise Fünferkette? Muss ein Torwart da anders spielen?

Also mit Dreier- und Fünferkette haben wir schon in der Nationalmannschaft gespielt, daher kenne ich das schon. Und hier haben wir ja doch bessere Spieler als in der finnischen Nationalmannschaft. In der Viererkette muss man vielleicht etwas mehr mit dem Fuß mitmachen im Spielaufbau, bei der Dreierkette ist das weniger notwendig.

Mit welchen Spielern bespricht denn der Trainer taktische Fragen? Gehört da der Torwart dazu?

Nein, gehört er nicht. Niko Kovac entscheidet das mit seinem Trainerteam – und so muss das für mich auch sein. Der Trainer gibt die Taktik vor, die Spieler spielen das Spiel.

Ihre Kollegen schwören Stein und Bein, dass es keine Verständigungsschwierigkeiten gibt, aber es sind doch eine Menge Dolmetscher beim Training und bei den Spielen unterwegs. Wie erleben Sie das – quasi als Sprachexperte?

Jedenfalls kommt es nur ganz selten zu Situationen auf dem Platz, in denen es etwas länger dauert mit dem einander Verstehen. Aber es stimmt schon: Man denkt natürlich schneller in seiner eigenen Sprache als in einer anderen. Wobei: Auf dem Platz weiß eigentlich jeder, was er zu tun hat. Zumindest haben wir keine komischen Gegentore kassiert oder Fehlpässe gespielt, die etwas mit fehlender Verständigung zu tun hatten.

Man sieht, dass sich die Mannschaft in den vier Monaten, die sie ja erst zusammen ist, extrem weiterentwickelt hat. Und zwar was taktische Feinheiten angeht genau wie in Sachen Zusammenhalt. Oder sehen wir das falsch?

Nein, das sehe ich genauso. Der Trainer musste wohl das Risiko eingehen, dass es nicht gleich funktioniert. Und vielleicht hat er geahnt oder vorhergesehen, dass es so gut klappen würde. Wir haben jedenfalls schneller zu der jetzigen Qualität gefunden, als ich gedacht habe. Das freut mich natürlich sehr.

Und wie ist es damit: Es scheint, ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, auch so zu sein, dass die Stärken dieser Mannschaft das Spiel gegen den Ball, der Zusammenhalt und der Kampf sind, dass sie viel Aufwand betreiben muss, um zum Erfolg zu kommen?

(Lacht) Wir wissen natürlich, dass wir kein FC Barcelona sind. Deswegen spielen wir auch nicht naiv von hinten raus. Man sieht ja andere Mannschaften in Deutschland, die das versuchen, aber damit nicht sonderlich erfolgreich sind. Ich habe das Gefühl, dass bei uns alle damit klarkommen, dass wir vielleicht nicht den allerschönsten Fußball spielen. Für mich spielen wir einen Power-Fußball, zu dem viel Rennen und Druck machen dazugehört. Das macht uns stark. Und solange die Ergebnisse stimmen, muss meine Mannschaft eben nicht wie Barcelona spielen. Oder anders gesagt: Wir kennen unsere Schwächen und wissen, wo wir uns noch entwickeln können.

Nicht nur viele Eintracht-Spiele sind ganz knapp ausgegangen. Es scheint, als wären die Mannschaften unterhalb von Bayern, Dortmund und Leipzig auch sonst noch enger zusammengerückt?

Also in meinem ersten Jahr war es auch schon ganz eng. Da waren wir fast draußen und in der zweiten Liga. Schauen Sie, das ist wie jetzt gegen Bremen: Eigentlich sollte man den Tabellenvorletzten schlagen. Aber wenn man mit dieser Einstellung in das Spiel geht, hat man schon verloren. Ich glaube, wir sind alle ganz auf dem Boden und wissen, dass wir kein Spiel leicht nehmen dürfen. Man kann sich nämlich auf eins verlassen: Man gewinnt kein Spiel mit links.

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