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Eintracht Frankfurt: Marco Russ ist wieder zurück im Leben

Von Krebs-Schock, Relegations-Drama, Chemotherapien: Für Eintracht-Profi Marco Russ war das Jahr 2016 eine emotionale Achterbahnfahrt. Jetzt will er zurück auf den Rasen.
Einstweiliger Abschied von der Frankfurter Arena: Marco Russ und seine beiden Kinder nach dem Relegations-hinspiel gegen Nürnberg. Noch in derselben Woche wurde er operiert. Foto: Christian Klein ( FotoKlein) Einstweiliger Abschied von der Frankfurter Arena: Marco Russ und seine beiden Kinder nach dem Relegations-hinspiel gegen Nürnberg. Noch in derselben Woche wurde er operiert.
Frankfurt. 

Jenseits aller sportlichen Nöte und Ängste ist allen rund um die Frankfurter Eintracht im nun abgelaufenen Jahr 2016 einmal der Atem gestockt. Es war der 18. Mai, ein Mittwoch, als Marco Russ (31) zunächst des Dopings bezichtigt wurde, sich aber bald herausstellte, dass er an Hodenkrebs erkrankt war. Russ war zu diesem Zeitpunkt in Vertretung von Alex Meier Kapitän der Eintracht, er sollte und wollte die Mannschaft in den beiden Relegationsspielen gegen den 1. FC Nürnberg anführen.

Es waren schwere Stunden vor allem für ihn, aber auch für den Verein. Jetzt, sieben Monate später, sagt Russ in einem Interview mit dem „Kicker“: „Ich freue mich auf 2017, schlechter als 2016 kann es nicht werden.“

Es war eine unglaubliche Geschichte, die an jenem Tag im Mai in die Öffentlichkeit gelangt war. Bei mehreren Dopingproben war bei Russ ein den Richtlinien entsprechend zu hoher Wert des Wachstumshormons „HCT“ festgestellt worden. „Ich wusste ja, dass ich nichts genommen habe“, sagt Russ. Er habe sich das Hirn zermartert, ob er vielleicht aus Versehen etwas Verbotenes eingenommen habe, sagt er im Rückblick: „Ich habe sogar überlegt, ob ich vielleicht bei meinen Kindern einen Löffel mit Hustensirup abgeleckt hatte.“

Noch gezeichnet: Marco Russ bei der Saisoneröffnungsfeier im Sommer. Bild-Zoom Foto: Christian Klein ( FotoKlein)
Noch gezeichnet: Marco Russ bei der Saisoneröffnungsfeier im Sommer.

Doch Doping konnte bald ausgeschlossen werden. Aus dem Trainingslager vor dem Spiel gegen Nürnberg heraus musste Russ sich nicht nur um seinen guten Ruf kümmern, sondern vor allem um seine Gesundheit. Ein Urologe in Wiesbaden stellte schnell die niederschmetternde Diagnose: „Wir hatten es sehr schnell schwarz auf weiß, dass es Krebs war.“

„Unglücklich gelaufen“

Die Staatsanwaltschaft ließ sich von der Diagnose und eidesstattlichen Versicherungen von Ärzten nicht davon abhalten, sowohl im Mannschaftshotel als auch in den Kabinen in der Arena und in der Privatwohnung Untersuchungen vorzunehmen. „Unglücklich gelaufen“, sagt Russ heute milde. Der damalige Eintracht-Chef Heribert Bruchhagen sprach von einer „Unverschämtheit“. Der Betroffene hat seitdem auf die gesamte Doping-Problematik und auf die in der Bundesliga ausgeweiteten Kontrollen einen ganz eigenen Blick. „Die Kontrollen haben dazu beigetragen, dass die Erkrankung erkannt wurde“, sagt er, „ich verbinde nichts Negatives mit Dopingkontrollen.“ In letzter Konsequenz haben sie ihm das Leben gerettet.

Nach der medizinischen Klarheit hatte er erstaunlicherweise nicht zunächst an die bevorstehende Operation gedacht, sondern an das Spiel. „Ich spiele“, hat er nach Rücksprache mit seiner Frau dem Trainer mitgeteilt. Niko Kovac hat ihn aufgestellt. Das Drama ging weiter. Ausgerechnet Russ unterlief ein Eigentor zum 0:1, zudem sah er noch die zehnte Gelbe Karte, die ihn fürs Rückspiel vier Tage später aus dem Spiel nahm. Der Nürnberger Trainer Rene Weiler und sein Torwart Raphael Schäfer sprachen in Unkenntnis der wahren Sachlage nach dem Abpfiff von „Inszenierungen“. Die Öffentlichkeit war empört. „Wir haben später miteinander gesprochen, es ist alles ausgeräumt“, sagt Russ.

Haare und Bart sprießen wieder: Marco Russ beim Spiel gegen Hoffenheim. Bild-Zoom Foto: Christian Klein (FotoKlein)
Haare und Bart sprießen wieder: Marco Russ beim Spiel gegen Hoffenheim.

Die Krankheit von Marco Russ sei der „emotionalste Moment“ des Jahres gewesen, hat gerade Eintracht-Vorstandsmitglied Axel Hellmann gesagt, er habe sich dabei wie in einer „griechischen Tragödie“ gefühlt. Während die Mannschaft in Nürnberg die Rettung feierte, lag Russ nach der Operation im Krankenhaus. Es folgten Bestrahlungen und zwei Chemotherapien. „Danach war ich komplett am Ende“, gibt er zu. Aber Russ hat gekämpft. Im Juni bei der Saisoneröffnungsfeier an der Arena ist er zum ersten Mal wieder in der Öffentlichkeit aufgetaucht, sichtlich gezeichnet von der Krankheit, ohne Haare, matt und ausgelaugt.

Doch von da an ging es aufwärts, langsam, aber sicher. Die Krankheit sei besiegt, haben ihm die Ärzte gesagt, er könne zu „100 Prozent“ wieder Leistungssport betreiben. Seit ein paar Wochen steht er wieder im Training. Martin Spohrer versucht Russ sportlich aufzupäppeln, bislang mit großem Erfolg. „Es geht mir immer besser, ich bin auf einem guten Weg“, sagt er. Am liebsten möchte er diesen Weg ab nächster Woche im Trainingslager in Abu Dhabi im Kreis der Mannschaft weitergehen. Vielleicht dann auch wieder am Ball. Das Aufbauprogramm soll in jedem Fall weiter ganz behutsam fortgesetzt werden. „Es wird noch einige Zeit dauern, bis wir Marco wieder in der Bundesliga sehen“, sagt Trainer Niko Kovac. Die beste Nachricht für 2017 aber ist: Marco Russ wird wieder auf den Rasen zurückkehren.

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