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Eintracht Frankfurt: Mathe-Professor: Eintracht zu 90 Prozent in Europa

Von Der Frankfurter Mathe-Professor Matthias Ludwig hat ein System entwickelt, um den Ausgang von Fußballspielen zu berechnen. Seine aktuelle Prognose ist eindeutig: Die Eintracht kommt in den Europacup.
Das Motto der hessischen Fans in Bordeaux lautete  "Orange-Chaos-International" . Das Motto der hessischen Fans in Bordeaux lautete "Orange-Chaos-International" .
Frankfurt. 

Wenn es nach Matthias Ludwig geht, können sich die Fans der Frankfurter Eintracht schon auf internationale Festspiele in der nächsten Saison freuen. „Europa wird es auf jeden Fall“, ist sich der Mathematik-Professor von der Frankfurter Goethe-Universität sicher und kann das mit Zahlen untermauern. Mit seinem Potsdamer Kollegen Ulrich Kortenkamp hat er ein System entwickelt, um Fußballspiele zu berechnen – und das für diese Zeitung nun, da mit elf Spieltagen noch knapp ein Drittel verbleibt, auch für den Ausgang dieser Bundesliga-Saison getan. Das Ergebnis: Die Eintracht schafft es unter die besten Sechs und damit in den Europacup. „Das ist mit über 75 Prozent sehr wahrscheinlich“, erklärt Ludwig. Und erhöht die Prognose sogar auf 90 Prozent, weil diesmal wohl auch der siebte Tabellenplatz für Europareisen berechtigt.

Angefangen mit solchen Zahlenspielen hat Matthias Ludwig vor bald zehn Jahren. Weil er unter anderem für die Ausbildung von Mathe-Lehrern zuständig ist, hat er versucht, ein Modell mit möglichst einfachen Mitteln zu entwickeln, etwa auf dem Niveau einer zehnten Klasse. Als spannendes Lehrbeispiel für den Unterricht, als Motivation für die Schüler. Auf der Internetseite „www.fussballmathe.de“, die er mit seinen Mitstreitern von der Uni Frankfurt gestaltet, lässt sich auch schon die im Sommer anstehende Weltmeisterschaft simulieren. So viel sei verraten: Für Deutschland sieht es offenbar gar nicht schlecht aus, nur für Brasilien noch besser.

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Dass er in Stuttgart zuschauen muss, passt Eintracht-Anführer Boateng gar nicht. Er sich ist aber sicher: „Die Jungs schaffen das auch ohne mich.“

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Auch mit der Bundesliga haben Ludwig und Co. schon Erfahrungen gemacht. „Letztes Jahr hatten wir bei neun Mannschaften einen richtig guten Riecher. Nur bei Werder Bremen lagen wir vollkommen daneben“, erinnert er sich. Mehrere Faktoren fließen in die Berechnungen ein. Allein mit dem Marktwert der jeweiligen Kader ließe sich bei der Hälfte aller Partien der richtige Ausgang – Sieg, Unentschieden, Niederlage – vorhersagen, erklärt Ludwig. Noch wichtiger sind die sogenannten Elo-Punkte – ein System, das für das Schachspiel entwickelt wurde und auch im Frauenfußball die Grundlage der Weltrangliste darstellt. Vereinfacht gesagt gibt es umso mehr Punkte, je stärker der Gegner eingeschätzt wird, den man schlägt. Das Torverhältnis wird noch beigemischt. Im aktuellen Bundesliga-Fall kam zu einem geringen Prozentsatz auch das Hinrundenergebnis hinzu, und dann wurden die letzten elf Spieltage 100 000 mal durchgespielt. Wobei die Eintracht am häufigsten auf dem sechsten Rang und damit in der Europa League landete, in insgesamt 34 Prozent der Fälle sogar auf einem der Champions-League-Plätze. „Das ist weniger wahrscheinlich. Aber ausgeschlossen ist es nicht“, sagt Ludwig zu einem Königsklassen-Märchen.

Hat eine ganz besondere Glaskugel für Fußballspiele entwickelt: der Mathe-Professor Matthias Ludwig. Bild-Zoom
Hat eine ganz besondere Glaskugel für Fußballspiele entwickelt: der Mathe-Professor Matthias Ludwig.

Auch beim Blick in die Mathe-Glaskugel ist die Meisterfrage natürlich klar: Die Bayern holen den Titel, mit rund 20 Punkten Vorsprung. Dahinter hat Borussia Dortmund die besten Chancen. Vor der Eintracht liegen in der Ludwig-Tabelle am Ende auch Bayer Leverkusen, RB Leipzig und Schalke 04, ziemlich eng beieinander. Während diese Prognose 1899 Hoffenheim und Borussia Mönchengladbach auf den Plätzen dahinter wenig Hoffnung macht, die Frankfurter Überraschungsmannschaft noch einholen zu können.

Schlechte Nachrichten gibt es für den 1. FC Köln. Der Tabellenletzte hat nur noch eine sechsprozentige Chance, sich wenigstens über die Relegation noch zu retten. Und beim Hamburger SV sieht es kaum besser aus. „Der Dino steigt wohl diesmal ab“, meint Ludwig – da stimmen die Berechnungen mit Beobachtungen von HSV-Spielen überein. Sorgen machen muss sich der hohen Mathematik zufolge auch Mainz 05. „Wahrscheinlich sehen wir den FSV in der Relegation“, sagt der Professor.

Abstiegsängste hat die Eintracht gewiss nicht mehr, da muss man nicht lange rechnen. Da neben den Adlerträgern mit den Bayern, Leverkusen und Schalke nur noch Vereine im DFB-Pokal unterwegs sind, die sich schon über die Bundesliga für internationale Wettbewerbe dürften, wird der Europa-Startplatz des Pokalsiegers wohl frei für den Tabellensiebten der Liga – das verbessert ihre Aussichten auf Auslandseinsätze weiter. Und theoretisch könnten Trainer Niko Kovac und die Seinen ja auch selbst den Weg über Berlin nach Europa schaffen. Das Ticket sollte über die Liga leichter zu lösen sein, ein solcher Endspiel-Coup ist möglicherweise nicht unbedingt zu erwarten. Aber in dieser verblüffenden Saison hat die Eintracht ja schon manches übliche Kräfteverhältnis außer Kraft gesetzt – und die Wahrheit, das weiß auch Matthias Ludwig, liegt bei aller Wahrscheinlichkeitsrechnung der alten Fußball-Weisheit folgend immer noch auf dem Platz. „Der Wert von Daten wird manchmal überhöht“, sagt er über seine Zahlenspiele. Eines hat er damit so oder so erreicht: Noch mehr Lust auf Mathematik zu machen. Und im Fall der Frankfurter Eintracht vielleicht auch auf baldige Europareisen.

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