Michael Skibbe: «Nur noch über Fußball reden»

Von Roland Stripp
Frankfurt. Unter Michael Skibbe spielt die Eintracht nicht nur so erfolgreich wie lange nicht mehr, sie spielt manchmal sogar richtig schön. Und jetzt verspricht der Trainer auch noch, sich nicht mehr öffentlich über die Arbeit des Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen zu äußern.
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Frankfurt. Unter Michael Skibbe spielt die Eintracht nicht nur so erfolgreich wie lange nicht mehr, sie spielt manchmal sogar richtig schön. Und jetzt verspricht der Trainer auch noch, sich nicht mehr öffentlich über die Arbeit des Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen zu äußern.

Herr Skibbe, sind Sie irgendwie auch ganz froh über die Niederlage in Stuttgart?

Nein, wir sind natürlich enttäuscht, wie immer, wenn wir verlieren. Wieso?

Na ja, die Gefahr ist geringer geworden, dass Sie mit Ihrer Einschätzung danebenliegen, die Qualität Ihrer Mannschaft reiche nicht, um den siebten Tabellenplatz zu behaupten oder gar noch höher zu klettern…

Die Mannschaften, die ganz oben stehen, sind tatsächlich besser. Wir können inzwischen mithalten, wenn wir unser allerbestes Niveau erreichen, so wie in Dortmund oder gegen Bremen. Aber das schaffen wir nicht jeden Tag. Sobald zwei, drei Dinge im Spiel nicht klappen, haben wir kaum eine Torchance.

Die Niederlage in Stuttgart war eine verdiente, weil der Gegner in der zweiten Halbzeit einige gute Torchancen hatte. Sie sind ein gefragter Mann und geben fast täglich Interviews – nicht immer zur Freude Ihres Chefs Heribert Bruchhagen. Hatte er Recht, sich über einige Ihrer Äußerungen zu ärgern?

Es kommt bei einem Interview ja auch immer auf die Fragestellung an und darauf, was der Fragesteller bezweckt. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, in Interviews nur noch über die Mannschaft zu reden, über Fußball und sonst über keine anderen Themen.

Haben Sie Verständnis dafür, dass der Vorstandsvorsitzenden der Eintracht Probleme damit hatte, dass Sie nicht alles mit ihm hinter verschlossenen Türen geregelt haben?

Ich habe nicht einmal zu etwas Stellung bezogen, was nicht sowieso schon öffentlich war. Wenn ich sage, es sei schade, dass wir Lincoln oder Gekas nicht verpflichtet haben, ist das kein Angriff gegen irgendjemanden.

Weil die Verpflichtung von Gekas nicht geklappt hat, konnte später ja Halil Altintop geholt werden. Ist das nicht viel besser, weil der mehr Perspektive bietet?

Gekas ist 30, Halil 27, das gibt sich nicht allzu viel. Beide können noch ein paar gute Jahre spielen. Beide standen von Anfang an ganz oben auf unserer Liste, weil sie in ihren Vereinen nicht zum Einsatz kamen und deshalb wechselwillig waren. Und beide haben schon nachgewiesen, dass sie in der Bundesliga auf hohem Niveau etwas bewegen können.

Sinngemäß haben Sie gesagt, es hätten nicht alle Spieler der Eintracht die Qualität, um mit ihnen einen weiteren Schritt nach vorne gehen zu können. Sprechen wir hier von den Spielern, die unter Ihnen nicht zu Einsatz kommen?

Es ist sicher richtig, dass Spieler, die jetzt schon häufig nicht zum Kader gehören, dauerhaft Schwierigkeiten haben werden. Das gilt allerdings nicht für die ganz jungen, denen wir Zeit geben und denen ich zutraue, den Sprung zu schaffen. Das Niveau, das wir anpeilen müssen, um dauerhaft zu den besten zehn Mannschaften der Bundesliga zu gehören, ist das von Spielern wie Altintop, Franz, Schwegler oder eben auch Lincoln oder Gekas.

Sind einige Reservisten im Winter tatsächlich geblieben, weil sie kein anderer Verein wollte?

Ja, das stimmt, es gibt Spieler, die wir abgegeben hätten, für die jedoch keine Anfragen da waren.

Wie nah lassen Sie die Spieler an sich heran? Wie würden Sie Ihr Verhältnis zur Mannschaft beschreiben?

Vom Alter entferne ich mich jedenfalls immer mehr von den Spielern. Aber Spaß beiseite: Es ist mir wichtig, dass die Spieler ein vertrauensvolles Verhältnis zu mir aufbauen können und sogar sollen. Die Situation Trainer-Spieler ist aber immer vorhanden. Trainer entscheiden nun mal viele Dinge und die sind nicht immer für jeden Spieler gut. Ich bemühe mich, immer ein offenes Ohr für alle Spieler zu haben, aber das Verhältnis ist doch relativ weit davon entfernt, freundschaftlich zu sein. Es ist aber auf jeden Fall sehr professionell.

Zu den nächsten fünf Gegnern gehören die drei derzeit besten Bundesliga-Mannschaften, Schalke, Bayern und Leverkusen. Wie viele Punkte sind da drin?

So viele wie möglich. Es wird eben darauf ankommen, so oft wie möglich die Topleistung abzurufen. Das gilt auch für die Spiele gegen Hannover und Bochum. Dass wir gegen zwei verhältnismäßig starke Mannschaften wie Bremen und Dortmund gewonnen haben heißt ja nicht, dass wir automatisch auch gegen alle hinter uns stehenden Mannschaften gewinnen, wie man gegen Köln und in Stuttgart gesehen hat. Umgekehrt gilt aber auch, dass Bayern, Leverkusen und Schalke auch gegen uns verlieren können.

Im Verein und besonders beim Leistungszentrum der Eintracht gelten Sie als einer, der großes Augenmerk auf die Nachwuchsarbeit legt. Hat man als Cheftrainer einer Profimannschaft tatsächlich Zeit, sich da einzubringen?

Man kann da viel machen. Ich bin fast täglich im Dialog mit den Verantwortlichen. Es findet ein ständiger Austausch statt. Gerade heute haben wir besprochen, dass der verletzte B-Jugendspieler Sonny Kittel medizinisch in die Obhut der Profiabteilung kommt.

Sie denken also an die Zukunft der Eintracht, auch wenn Sie bisher „nur“ einen Zweijahresvertrag haben.

Für jeden Trainer sind natürlich die aktuellen Erfolge wichtig, aber ich bin sicher, dass jeder Trainer perspektivisch denkt. Dies gehört einfach dazu und wird auch von mir so gemacht.

Mal angenommen, Sie blieben länger als zwei Jahre. Wie würden Sie versuchen, die Eintracht doch ganz nach vorne zu bringen?

Wir müssen hier eine sportliche Konzeption erarbeiten, die es uns ermöglicht, einen Schritt nach oben zu machen. Ich denke schon, dass wir dazu in der Lage sind. Im Profibereich heißt das natürlich, dass die richtigen Entscheidungen getroffen werden müssen, sei es bei Transfers von außen, aber auch bei Vertragsverlängerungen und beim Heranführen junger Spieler aus dem Nachwuchsbereich. Da muss alles passen.

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