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Eintracht Frankfurt: Mijat Gacinovic und Team-Kollegen fehlt die Ruhe zum Erfolg

Von Zu gerne würde Mijat Gacinovic auch die eigene Statistik verbessern. Wie der ganzen Eintracht fehlt es dem Mittelfeldspieler aber bisweilen an der dafür nötigen Ruhe.
Zuspruch von Kapitän David Abraham: Mijat Gacinovic (links) neigt bisweilen vielleicht sogar etwas zu sehr zur Selbstkritik. Foto: Heiko Rhode (Heiko Rhode) Zuspruch von Kapitän David Abraham: Mijat Gacinovic (links) neigt bisweilen vielleicht sogar etwas zu sehr zur Selbstkritik.
Frankfurt. 

Gerade hat er vor der Fernsehkamera noch gesagt, das Spiel gegen Bayer Leverkusen sei abgehakt, und man schaue jetzt nur noch nach vorne, auf die nächste Aufgabe. So ganz scheint das aber dann doch nicht zu stimmen. Wenn man Mijat Gacinovic darauf anspricht, ist es nämlich kaum zu übersehen, wie ihn zumindest ein, zwei Szenen vom Samstagnachmittag immer noch wurmen, und das gibt er auch zu – zumal es um etwas geht, das er selbst als grundlegendes Problem für sich erkannt hat: Zu gerne würde der 22 Jahre junge Serbe mehr Tore schießen oder zumindest vorbereiten. Aber es gelingt ihm einfach zu selten. „Das ist ja nichts Neues, das ist schon lange so und es wird nicht besser“, sagt er selbstkritisch.

Endlich Training: Omar Mascarell (re.) mit Aymen Barkok Bild-Zoom Foto: Jan Huebner (Jan Huebner)
Endlich Training: Omar Mascarell (re.) mit Aymen Barkok

Dabei hatte Mijat Gacinovic vor dem ersten Anstoß dieser Bundesliga-Runde im August genau das als ein ganz persönliches Ziel für die neue Saison genannt: „Die Statistik verbessern“. Gelungen ist das bis jetzt noch nicht wirklich, mit zwei Vorlagen bei zwölf Bundesliga-Einsätzen. Insgesamt ist der immer noch recht schmächtige Dribbler in seinem dritten Frankfurter Jahr weiter gereift. Er steht in fast jedem Spiel in der Startelf und kriegt meist auch ordentliche Noten. Er hat nebenbei den Sprung in Serbiens Nationalelf geschafft und sich mit ihr für die Weltmeisterschaft in Russland qualifiziert. Und gerade gegen Leverkusen hätte er auch sein Vorhaben in eigener Sache vorantreiben können. Doch das ging wieder schief, was er schon mit einer Prise Galgenhumor nimmt.

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„Das wurde ein Einwurf“, sagt er mit einem schiefen Lächeln zu seiner Chance nach gut einer Stunde. Der Winkel war dabei ganz spitz. So weit vorbei, dass der Ball schließlich ins Seiten- statt ins Toraus ging, hätte er aber auch nicht unbedingt schießen müssen. „Das war nicht so gut“, kommentiert er trocken. Und dann war da ja noch die 76. Minute, in der die Eintracht dieses Spiel hätte gewinnen und in der sie es schließlich verlieren sollte. Mit dem Ball am Fuß war Gacinovic nach vorne gesaust, drei weitere Frankfurter neben und nur zwei Leverkusener vor sich. Schließlich zog der Mittelfeldspieler selbst ab, sein Schuss aber wurde abgeblockt – und nach dem flotten Gegenangriff lag die Kugel dann im eigenen Kasten, zum 0:1, dem Tor des Tages.

Möglicherweise hatte Gacinovic den richtigen Moment zum Abspiel versäumt. Indes kamen seine Kollegen auch nicht so recht in Position. „Wenn ich das nächste Mal auch keine bessere Lösung sehe, mache ich es wieder so. Wenn ich abspielen kann, spiele ich ab“, sagt er achselzuckend.

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Beim ersten Training der Woche sind die Reihen bei der Frankfurter Eintracht meistens gelichtet. Der eine oder andere Profi kuriert dann noch leichtere Blessuren vom letzten Spiel aus.

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An Selbstkritik mangelt es ihm dabei gewiss nicht, eher im Gegenteil. „Ich will unbedingt das Tor oder den Assist machen. Aber ich denke zu viel, und dann kommt ein Fehler“, meint er, und klingt fast schon ein wenig verzweifelt. Nicht zum ersten Mal hat er darüber mit Niko Kovac gesprochen. Der Rat des Trainers lautet: Ruhiger werden, nicht so viel nachdenken.

„Manchmal zu hektisch“

Ganz ähnlich wie bei Gacinovics Torschusspanik klingt im Übrigen die Diagnose bei einem allgemeinen Frankfurter Problem, was nicht erst beim 0:1 gegen Leverkusen zutage trat. „Wir spielen manchmal zu hektisch, da müssen wir auch mal einfacher spielen“, meint er – und freut sich in dieser Hinsicht über das Wiedersehen mit Omar Mascarell, der nach ewigem Achillessehnen-Ausfall langsam wieder ins Mannschaftstraining einsteigt. „Omar hat Ruhe am Ball und macht die einfachen Dinge“, lobt Gacinovic, weiß aber auch: „Es ist besser, wenn er nicht zu früh zurückkommt. Wir brauchen ihn für lange Zeit. Ich hoffe, er kann bald wieder spielen. Aber er muss dann bei 100 Prozent sein.“

So lange wird auch er selbst immer wieder ein Kandidat für einen Aushilfsjob im defensiven Mittelfeld sein. Als Fleißarbeiter ist er da eine gute Wahl. Er frisst immer mit die meisten Kilometern, zählt den ausdauerndsten Sprintern, geht auch ohne Ball viele Wege – was wiederum dazu beiträgt, dass vor dem Tor manchmal die Frische fehlt. Aber er gibt auch nie auf. „Jedes Spiel, seit ich hier bin, war schwer und eng. Wir haben nie locker gewonnen, und wir haben nie hoch verloren“, sagt er. Was am Sonntag bei Hertha BSC normalerweise nicht viel anders wird. „Berlin ist keine Top-top-Mannschaft. Aber gerade zu Hause spielen sie immer gut. Da gibt es gar keinen Raum“, hat er festgestellt.

Keinen Raum lassen

Was für die Eintracht ebenso gilt. „Wir kämpfen immer bis zum Schluss und wir lassen dem Gegner auch wenig Raum“, betont Mijat Gacinovic. „Wir sind nicht Bayern München oder Borussia Dortmund. Wir müssen weiter so machen und nur noch weniger Chancen zulassen.“ Und die eigenen gezielter nutzen, da greift sich Mijat Gacinovic gleich wieder an die eigene Nase. In der Vorbereitung traf er noch das eine oder andere Mal, in der ersten Pokalrunde auch. Kaum hatte die Bundesliga begonnen, war es aber „nicht so gut“, wie er, der nach zweieinhalb Eintracht-Jahren längst gut deutsch spricht, selbst meint. Beim Lattenschuss gegen Wolfsburg hatte er auch noch Pech. In Köln holte er einen Elfmeter heraus, gegen Dortmund legte er das 2:2 auf. Zwei Vorlagen, das war es an Zählbarem für die Statistik. „Das muss besser werden“, sagt Mijat Gacinovic noch einmal. „Das ärgert mich.“

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