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Eintracht Frankfurt: Mit einem Paukenschlag zurück auf der internationalen Fußball-Bühne

Die Frankfurter schießen den Siegtreffer nach Gelb-Rot für Willems gar in Unterzahl – ein wichtiger Erfolg für das Selbstwertgefühl.
Frankfurter Jubeltraube mit Trainer Adi Hütter (links) und den Torschützen Luka Jovic (Dritter von links) und Lucas Torro (rechts). Foto: BORIS HORVAT (AFP) Frankfurter Jubeltraube mit Trainer Adi Hütter (links) und den Torschützen Luka Jovic (Dritter von links) und Lucas Torro (rechts).
Marseille. 

Zum guten Schluss jubelten die Sportler in den schwarzen Hemden und auch die Betreuer in den weißen Shirts, und zwar nicht nur ein bisschen, sondern total exaltiert, ja sie flippten förmlich aus. Das ist durchaus nachvollziehbar. Denn Eintracht Frankfurt hat sich nach fast fünfjähriger Absenz mit einem dicken Ausrufezeichen, ja mit einem Paukenschlag auf internationaler Fußball-Bühne zurückgemeldet.

Beim turmhohen Favoriten Olympique Marseille erkämpfte sich der Außenseiter aus Hessen doch tatsächlich die ersten drei Punkte in der Europa League, am Ende siegte die Eintracht mit 2:1 (0:1), nicht mal unverdient. Es war Edeljoker Luka Jovic, der zwei Minute vor Schluss den Ball per Vollspann in die Maschen jagte und für einen kollektiven Jubelsturm der Gäste sorgte.

Es war ein wichtiger, ein extrem wichtiger Erfolg, gerade für das Selbstwertgefühl und das Vertrauen in die eigene Stärke. Und er ist, auch das nicht hoch genug zu bewerten, in Unterzahl errungen worden. „Für die Seele war das Spiel und der Sieg richtig gut“, sagte Frankfurts Bester Danny da Costa. „Wir haben eine Riesenmentalität gezeigt, die wird uns durch die Saison tragen.“

„Das wir das Spiel gewinnen ist unfassbar. Das zeigt den Charakter der Mannschaft“, schwärmte Eintracht-Torwart Kevin Trapp und Trainer Adi Hütter meinte: „Wir haben uns selber belohnt für unsere Arbeit. Ich sehe, dass wir auf einem guten Weg sind.“

Nach genau 126 Sekunden erhielt die große Frankfurter Europa-Begeisterung aber einen ersten empfindlichen Dämpfer, da waren es die hellwachen und hundsgemeinen Südfranzosen, die die ganze schöne Vorfreude im Keim erstickten und der Eintracht einen Vorgeschmack auf das gaben, was ihr auf internationalem Terrain blühen kann. Nach einer amtlichen Frankfurter Fehlerkette und einer Anfangsphase im Tiefschlaf war Lucas Ocampos einen Schritt schneller als Danny da Costa und schoss zum 1:0 ein, nach gerade mal zwei Minuten – sehr viel unglücklicher kann man kaum in ein Spiel starten, in ein Geisterspiel übrigens, das wirklich wie eines wirkte und eines europäischen Wettbewerbs einfach unwürdig war.

Wer, wie die Uefa, auf die Idee kommt, seinen eigenen Wettbewerb mit diesen sinnfreien Kollektivstrafen zu unterminieren, der muss sich die Frage gefallen lassen, wie weit die hohen Herren von richtigem Fußball und echter Liebe zum Sport entfernt sind. Das, was sich da auf dem Rasen des mächtigen Stade Vélodrom abspielte, war grotesk und surreal. Wie da ein Fußballer das Gefühl bekommen soll, dass es wirklich um einen wichtigen Wettbewerb geht, ist die große Frage.

Für die Eintracht war der frühe Nackenschlag zunächst aber so etwas wie ein Wachmacher, fast im Gegenzug flitzte Danny da Costa los, passte flach in die Mitte wo Filip Kostic und Jetro Willems verpassten. Gerade für Willems war es sehr viel schwerer, diese Chance auszulassen als sie zu verwerten. Doch es sollte nicht seine einzige Fehlleistung bleiben.

Olympique spielte in der Folge die ganze fußballerische Klasse aus, die Eintracht enttäuschte nicht, mühte sich redlich, auch besser nach vorne zu spielen. Deshalb hatte Trainer Adi Hütter auch die spielstärkeren Makoto Hasebe und Jonathan de Guzman in die Startformation beordert. Im Angriff waren die Hessen im ersten Abschnitt aber alles in allem zu harmlos, Danny da Costa schoss einmal noch drüber (14.), Sebastian Haller versuchte es noch mal mit der Hacke (31.), das war es aber mit halbwegs vielversprechenden Offensivaktionen der Gäste.

Sie konnten sich bei Torwart Kevin Trapp bedanken, der einen Kopfball von Valère Germain um den Pfosten drehte (9.) und vor allem bei einem hanebüchenen Rückpass von Lucas Torro stark im Eins-zu-Eins gegen Germain reagierte (30.). Glück hatte er bei einem Freistoß von Payette, den er durch die rosafarbenen Handschuhe rutschen ließ (45.). Die Abwehrleistung ließ insgesamt ohnehin zu wünschen übrig.

Trainer Hütter schickte im zweiten Abschnitt Nicolai Müller für den indisponierten Mijat Gacinovic aufs Feld, das sollte sich lohnen. Müller führte sich gleich mal mit einem von OM-Keeper Yohann Pelé zur Ecke geklärten Schuss ein. Die sollte dann für durchdringenden Jubel bei der Eintracht-Delegation im Stadion führen: Nach de Guzmans Flanke donnerte Torro die Kugel per Kopf ins Netz (52.). Ausgleich. Die Eintracht hatte sich für einen couragierten und leidenschaftlichen Auftritt belohnt.

Und hatte sich dann um ein Haar wieder alles eingerissen, was sie sich mit allergrößter Mühe erkämpft hat. Erneut war es der für seine Aussetzer bekannten Jetro Willems, der seinem Team einen Bärendienst erwies. In der 59. Minute räumte er, schon gelb verwarnt, von hinten Payet ab, woraufhin er mit der Ampelkarte des Feldes verwiesen wurde. Eine abermalige Eselei, wie schon gegen Bremen, als er vom Platz flog. Auch wenn die Verwarnung schon eine harte Entscheidung von Schiedsrichter Matej Jug war. Dennoch: So langsam sollte sich der Niederländer mal fragen, wie viel Schaden er seiner Mannschaft eigentlich noch zufügen will. Willems hat damit seine ohnehin geringen Chancen bei der heutigen Berufungsverhandlung vor dem DFB-Bundesgericht sicherlich nicht großartig gesteigert.

Die Eintracht spielte dessen ungeachtet munter weiter offensiv mit, sie suchte ihre Chance. Nach einem Zuspiel von Haller war es wieder Müller, der mit einem Schuss an Pelé scheiterte (72.). Den Sieg tütete ganz zum Schluss Edeljoker Luca Jovic ein, der ein Zuspiel von Simon Falette humorlos ins Tor donnerte – und für gute Laune bei der Frankfurter Entourage sorgte.

Olympique Marseille: Pelé – Sarr, Rami (7. Luiz Gustavo), Caleta-Car, Kamara – Lopez, Strootman – Thauvin (84. Mitroglou), Payet, Ocampos (72. Radonjic) – Germain. – Eintracht Frankfurt: Trapp – da Costa, Abraham, N’Dicka, Willems – Torró – Hasebe, de Guzmán (62. Falette) – Gacinovic (46. N. Müller), Kostic – Haller (75. Jovic). – SR: Jug (Slowenien). – Tore: 1:0 Ocampos (3.), 1:1 Torró (52.), 1:2 Jovic (89.). – Gelb-Rote Karte: Willems (59./wiederholtes Foulspiel).

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