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Eintracht Frankfurt: „Moppes“ Petz über seine Mainzer Vergangenheit und Lukas Hradecky

Beim ersten Nachbarschaftsduell im DFB-Pokal stand Manfred „Moppes“ Petz noch selbst im Tor, auf der anderen Seite, bei Mainz 05. Vor der Neuauflage sprach der Torwarttrainer von Eintracht Frankfurt mit unserem Redakteur Markus Katzenbach.
Vertrautes Team: „Moppes“ Petz (l.) und Lukas Hradecky Foto: Jan Huebner (imago sportfotodienst) Vertrautes Team: „Moppes“ Petz (l.) und Lukas Hradecky

Wissen Sie noch, was Sie am 26. Oktober 1986 gemacht haben?

MOPPES PETZ: Da stand ich wahrscheinlich im Tor von Mainz 05, im Spiel gegen Eintracht Frankfurt, und habe in der Verlängerung verloren (lacht, Anmerkung der Redaktion) . Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht, auf die Latte und unter die Latte geschossen. Obwohl wir der unterklassige Verein waren, hätte es auch andersrum ausgehen können. Dann kam die Verlängerung und das Tor von Reinhold Jessl, wir waren raus und die Eintracht weiter.

Obwohl das Spiel knapp ausging, waren die Kräfteverhältnisse insgesamt eindeutiger verteilt als heute …

PETZ: Ja, in Mainz hat damals noch keiner an die Bundesliga gedacht. Da war die Eintracht schon eine ganz andere, große Nummer.

Inzwischen gab es einige Nachbarschafts-Duelle. Sind Spiele gegen Ihren Ex-Verein trotzdem noch speziell?

PETZ: Sicher, ich habe 20 Jahre dort gespielt, um die 250 Spiele gemacht. Aber ich bin jetzt auch schon fast zehn Jahre bei der Eintracht, in drei Etappen. Da ist viel Zeit vergangen. Die Eintracht ist jetzt mein Verein. In Mainz gibt auch nicht mehr so viele, die ich kenne. Aber als ehemaliger Spieler bin ich dem FSV natürlich dankbar. Ich wünsche ihnen auch, dass sie die Klasse halten. Aber bei den Spielen, wie jetzt im Pokal, gibt es kein Vertun: Da will ich gewinnen.

Worauf wird es denn dabei heute ankommen? Auch auf Ihren Torwart?

PETZ: Es ist nur ein einziges Spiel, es wird definitiv entschieden, ob nach 90 Minuten, in der Verlängerung oder im Elfmeterschießen. Natürlich kann es da auf unseren Torwart ankommen, ein guter Torwart ist immer wichtig. Aber vor allem muss von der Mannschaft eine Reaktion auf die Bundesliga-Niederlage am Sonntag kommen, die ganze Mannschaft muss mehr abrufen als in Augsburg. Einfach wird es nicht. Mainz ist auch eine Bundesligamannschaft, und keine schlechte.

Auf dem Weg ins Pokalfinale der vergangenen Saison hat Lukas Hradecky wiederholt die Heldenrolle gespielt, mit vielen gehaltenen Elfmetern. Ist das eine besondere Stärke von ihm?

PETZ: Das war zu meiner Zeit auch schon so: Dem einen liegt das, dem anderen nicht. Es gibt schon ein paar Torhüter in der Bundesliga, die eine sehr gute Quote haben, und der Lukas gehört dazu.

Was entscheidet aus Sicht des Torwarts beim Elfmeter: die akribische Vorbereitung auf die Schützen oder vor allem das Bauchgefühl?

PETZ: Jeder macht natürlich seine Beobachtungen. Du weißt, wer die meisten Elfmeter schießt, wer der zweite, dritte Schütze ist. So oft gibt es kein Elfmeterschießen, aber man ist trotzdem so gut wie möglich darauf vorbereitet, auch mit Videobildern, heute kann man das ja alles abrufen. Trotzdem würde ich sagen: Entweder du hast das oder du hast das nicht. Man braucht schon so ein Gespür. Ich weiß, dass bei manchen anderen Vereinen der zweite Torwart eigentlich der bessere fürs Elfmeterschießen ist. Ich will eigentlich keine Namen nennen, aber zwei kann ich vielleicht doch sagen, weil sie Weltklassetorhüter waren: Oliver Kahn und Sepp Maier waren keine Elfmeterkiller, sondern eher die, die damals in der Nationalmannschaft dahinter waren

Beobachten Sie vor einem Spiel auch den gegnerischen Torwart?

PETZ: Die Video-Analysten machen das schon. Aber für mich geht es vor allem um meinen Torhüter. Man weiß schon, wie etwa beim Halbfinale voriges Jahr, dass der Gladbacher Torhüter Yann Sommer in den Elfmeterschießen vorher nicht so viele gehalten hat. Aber ob das dann etwas nützt? Der Schütze muss nervenstark und sicher sein. Der Torhüter hat eigentlich nicht viel zu verlieren. Wenn er ein gewisses Gespür hat, macht er den Schützen vielleicht etwas nervös. Und dann hält er halt auch mal einen.

Als Torwarttrainer arbeitet man mit einem Dreier- oder Vierergrüppchen. Ist da die Verbindung enger, als es bei Feldspielern möglich ist?

PETZ: Ich würde schon sagen, dass das ein sehr gutes Verhältnis ist und eine eigene Gruppierung innerhalb der Mannschaft, eine Einheit. So sollte es auch sein. Man versucht auch schon, bei der Zusammenstellung darauf zu achten, dass die drei oder vier zusammenpassen.

Im Eintracht-Tor hat es zuletzt auf jeden Fall gepasst: Kevin Trapp und Lukas Hradecky waren Volltreffer. Was ist das Erfolgsgeheimnis?

PETZ: Man schaut sicherlich vorher genau hin, so war es ja auch bei beiden: Könnte er es sein, könnte er es nicht sein. Du informierst dich, schaust noch mal und noch mal, dann musst du dich entscheiden. Eine Qualität muss natürlich vorhanden sein. Bei Trapper (Kevin Trapp, Anm. d. Red.) weiß ich, dass er schon viel trainiert hat, bevor er zu uns kam, auch wenn er in Kaiserslautern nur der zweite Torwart war. Bei Lukas waren die Voraussetzungen auch da. Aber das härtere Training hier, wo der Ablauf doch ein bisschen anders ist als in Dänemark, hat schon dazu beigetragen, dass man aus seinem Talent noch etwas herausholen konnte.

Im Moment sieht es so aus, als würde Hradecky seinen Vertrag nicht verlängern. Die Suche nach einem möglichen Nachfolger läuft, für den Fall der Fälle. Laut Sportdirektor Bruno Hübner ist der Kreis schon auf drei Kandidaten eingeschränkt. Nehmen Sie die selbst unter die Lupe und können uns vielleicht etwas dazu sagen?

PETZ: Die Namen kann ich jetzt leider nicht aufzählen (lacht, Anm. d. Red.) . Aber klar ist, dass ich unterwegs bin und auch schon unterwegs war. Es wäre fahrlässig, wenn wir uns nicht auf diesen möglichen Fall vorbereiten würden.

Sie sind doch nie um einen Spruch verlegen: Können Sie Lukas Hradecky nicht überreden, dass er doch bleibt?

PETZ: Ich habe es schon probiert und mit ihm gesprochen. Aber das sind Sachen, die nicht immer beeinflussbar sind, nicht von mir oder wem auch immer. Stand jetzt ist es so, wie Sie es eben ausgedrückt haben.

Und was geben Sie ihm für das Spiel gegen Mainz mit auf den Weg?

PETZ: Dass er am besten zu Null spielt. Dass er notfalls bis zur 120. Minute oder noch länger alles abruft. Und wenn der Fall der Fälle kommt, wäre es schön, wenn er uns dann helfen könnte, dass wir eine Runde weiterkommen. Das ist das große Ziel.

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