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Eintracht Frankfurt: Multi-Kulti-Kader: Sprachenwirrwarr und geduldete Grüppchenbildung

Der Multi-Kulti-Kader ist zu einem echten Frankfurter Markenzeichen geworden. Nicht alle Spieler verstehen ihren Trainer. Der Dolmetscher Stephane Gödde gehört zu den wichtigsten Mitarbeitern von Trainer Adi Hütter.
Laufend gemeinsam unterwegs: Eintracht-Neuzugang Goncalo Paciencia (rechts) und Dolmetscher Stephane Gödde. Foto: Jan Huebner (Jan Huebner) Laufend gemeinsam unterwegs: Eintracht-Neuzugang Goncalo Paciencia (rechts) und Dolmetscher Stephane Gödde.
Frankfurt. 

Wenn der Trainer redet, müssen die Spieler schweigen. Zuhören, die Anweisungen aufnehmen, lieber keinen Mucks von sich geben. So ist das normalerweise üblich, doch nicht bei der Frankfurter Eintracht. Richtet Adi Hütter das Wort an seine Mannschaft, dann geht das rege Getuschel erst richtig los. Zwar leise, aber doch vernehmbar. Und das direkt vor den Augen des Österreichers. Der Grund: Nicht alle Spieler verstehen ihren Trainer.

Nun ist es keine neue Erkenntnis, dass die Frankfurter einen Multi-Kulti-Ansatz verfolgen, längst ist dieser durch die Einkaufspolitik von Sportvorstand Fredi Bobic und Manager Bruno Hübner zu einem echten Markenzeichen des Pokalsiegers geworden. Spieler aus aller Herren Länder, die sich unabhängig von Religion, Hautfarbe oder Sprache als verschworene Einheit präsentieren und sportlich gemeinsam Erfolg haben.

So war es geplant und so wurde es in den vergangenen beiden Jahren erfolgreich umgesetzt. Jede Saison aufs Neue bringt vor allem das Sprachenwirrwarr aber auch einige zu bewältigende Aufgaben mit sich.

„Alles kein Problem“

„Ich habe schon in Bern mit vielen verschiedenen Nationalitäten gearbeitet“, sagte Hütter vor drei Wochen bei seiner Vorstellung. Das sei alles kein Problem. Er wisse schon, „wie ich mir helfen kann“. Unterstützung benötigt der 48-jährige Trainer, der seine Anweisungen auf dem Trainingsplatz fast durchweg auf Deutsch gibt und nur ab und an ins Englische ausweicht, aber doch. So wurde die Eintracht schon unter Hütters Vorgänger Niko Kovac ständig von Stephane Gödde begleitet. Ein sympathischer Mann, der viel lächelt und der mit seinen staksigen Beinen sofort zum Dolmetschen auf den Rasen eilt, wenn Hütter verbal loslegt.

Erteilt der Trainer seine Anweisungen, gibt es eine regelrechte Grüppchenbildung. Auf der einen Seite flüstert Gödde den Franzosen ins Ohr, was der Coach von ihnen sehen will. Der 18-jährige Evan N’Dicka, Neuzugang von AJ Auxerre, lauscht, nickt, lauscht und nickt wieder. Auch stecken Sébastien Haller und Simon Falette, die beiden anderen Franzosen, die schon ein Jahr in Frankfurt kicken, ab und an ihre Köpfe dazu. Auch sie mit identischer Reaktion: kollektives Nicken.

Ein ähnliches Bild nur zwei Meter weiter. Da formt sich die iberische Fraktion unter Anleitung von David Abraham zu einer kleinen Arbeitsgruppe. Der Eintracht-Kapitän – in Argentinien geboren, daher spanisch-sprechend und seit 2013 in Deutschland aktiv – übersetzt für die beiden Neuzugänge, Lucas Torro aus Madrid und Goncalo Paciencia aus Porto. Auch hier: synchrones Auf- und Absenken des Kopfes. „Ich denke, dass es mir leichtfallen wird, mich einzugewöhnen“, sagte der Portugiese Paciencia vor einigen Tagen in seinem ersten Interview auf deutschem Boden. Und in drei Monaten werde er bestimmt weniger Hilfe benötigen.

Multitalent Willems

Bei Jetro Willems, dem Niederländer, der auf der Karibikinsel Curacao geboren wurde und daher auch Spanisch kann, soll es um die Deutschkenntnisse ordentlich bestellt sein. Er selbst sagt, dass er alles verstehe. In der Öffentlichkeit rede er aber lieber Englisch. „Innerhalb der Mannschaft ist das eine andere Sache“, gibt Willems Einblicke in die Kabine, „da spreche ich mal Deutsch, mal Englisch und auch Spanisch – alles abwechselnd“. Mit Jonathan de Guzman, dem zweiten Holländer im Team, unterhalte er sich zudem noch in seiner Muttersprache. „Wenn ich jetzt auch noch Französisch könnte, wäre ich der perfekte Typ“, sagt Willems und grinst.

Regelrecht ins Lachen verfällt der Linksverteidiger, wenn er von der Kommunikation mit dem Trainerteam berichtet. Bei Adi Hütter, dem Vorarlberger mit leichtem Akzent, sei das ja alles überhaupt kein Problem, so Willems. Aber – und in diesem Moment kann er kaum noch an sich halten – beim Assistenten, da sei das ganz anders.

Gemeint ist Christian Peintinger, seit drei Jahren Co-Trainer von Hütter und seit 20 Jahren ein guter Freund des Chefcoaches. Er wuchs in der Nähe von Graz in der Steiermark auf. Zu überhören ist das nicht. Jetro Willems beschreibt das betont freundlich so: „Er hat wirklich einen ziemlich schwierigen Dialekt.“ Kurze Pause, dann prustet er los. Für dieses Lachen bedarf es nun wirklich keiner Übersetzung.

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