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Eintracht Frankfurt: Neuzugänge bekommen alle Zeit der Welt

Von Zwei Azubis mit Erfolgschancen im Frankfurter Trainingslager in Abu Dhabi: Die Neuzugänge Andersson Ordonez und Max Besuschkow sind nicht als Sofort-Hilfen eingeplant. Beide sind Wetten auf die Zukunft – und können in Ruhe an dem großen Sprung in die Bundesliga arbeiten.
Foto: Christian Klein

Leicht wird er es nicht haben, der Andersson Ordonez. Was wenig mit seinen fußballerischen Fähigkeiten zu tun hat. Viel mehr mit der Tatsache, dass es zwischen seiner Heimat Ecuador und Deutschland enorme Unterschiede gibt. Und dass er zumindest zunächst auf seine Lebensgefährtin sowie die vier Monate alte gemeinsame Tochter verzichten muss.

Extra: Sonderschicht für Fußballgott

Die vergangenen Trainingstage waren wie verhext. Ausgerechnet Alex Meier, der Frankfurter Fußballgott, wurde zum Chancentod. Entweder schoss er selbst aus besten Positionen und ohne

clearing

Eintracht Frankfurt ist seine erste Auslandsstation. Und da ist er doch sehr beeindruckt, wie in der Fußball-Bundesliga gearbeitet wird. Besonders die Trainings-Intensität sei eine ganz andere Hausnummer: „Aber ich bin froh und glücklich, hier zu sein. Es liegt jetzt an mir, mich so schnell wie möglich anzupassen.“ Dass dies gelingen kann, hat ihn Trainer Nico Kovac im Frankfurter Trainingslager in Abu Dhabi in ein Zimmer mit dem Mexikaner Marco Fabián gesteckt, da gibt es keine Sprachprobleme. Und Fabián, der vor einem Jahr in Abu Dhabi ebenfalls seine ersten Eintracht-Erfahrungen gemacht hatte, kann ihm erzählen, wie das so ist mit der Eingewöhnung. Bei dem Offensivspieler hatte sie rund ein halbes Jahr gedauert. Inzwischen gehört Fabián zu den Besten.

Ordonez, zuletzt mit Barcelona SC Guayaquil ecuadorianischer Meister geworden, wird von Kovac genügend Zeit erhalten. Die Eintracht hatte den knapp 23-Jährigen hauptsächlich als Pfand für die Zukunft verpflichtet. Wenn Jesus Vallejo im Sommer nicht weiter ausgeliehen werden kann, dann braucht sie einen anderen guten Innenverteidiger. Ordonez, der als seine Stärken Schnelligkeit, Luftkampf und Technik angibt, machte am Anfang durchaus einen guten Eindruck. Im Training kann er es dem Coach derzeit allerdings nicht beweisen, was er kann. Seit Donnerstag laboriert er an einer Innenbanddehnung im Knie.

Für Nationalelf empfehlen

Ordonez ist ungeduldig, will eigentlich Tag für Tag hart arbeiten, um möglichst schnell „in diese funktionierende Mannschaft“ zu kommen. Schließlich will er sich über die Bundesliga auch für seine A-Nationalmannschaft empfehlen: „Ich freue mich auf das Abenteuer Bundesliga“, sagt der Linksfuß. Und auf Duelle mit Spitzenstürmern wie Lewandowski oder Aubameyang. Diese Namen kennt man auch im fernen Guayaquil.

Aber erst einmal muss er sich an die neue Kultur, die neue Spielweise gewöhnen. In Abu Dhabi fühlt sich Ordonez besonders wohl. Als er am ersten Trainingstag in Frankfurt bei Temperaturen um den Gefrierpunkt aufs Feld musste, da war er schon „überrascht. Aber auch das Klima zählt zur Integration.“

Solche Probleme hat der zweite Frankfurter Wintereinkauf nicht. Max Besuschkow ist im Schwäbischen groß geworden, hat die vergangenen zehn Jahre für den VfB Stuttgart gespielt. Allerdings nie bei den Profis, sondern nur in der Regionalliga. Dass er ein guter Kicker ist, hatte Fredi Bobic während seiner Stuttgarter Zeit schon vor Jahren erkannt, hat den Weg des inzwischen 19-Jährigen aus der Ferne verfolgt. Der Frankfurter Sportvorstand war es, der den Transfer auf den Weg gebracht hat.

Die Eintracht hatte eine Chance, weil Besuschkow, dessen Eltern aus Russland stammen, am Necker unzufrieden war. Man hatte ihm eigentlich versprochen, dass er in dieser Saison mit den Profis üben dürfe. Als er von der deutschen U 19 nach der Europameisterschaft in die Vorbereitung einstieg, durfte er allerdings nur eine Woche „oben“ trainieren, wurde dann wieder nach „unten“ verlegt. Offiziell hieß es, man habe zu viele ähnliche Spielertypen im Zweitliga-Kader.

Neue Herausforderung

Besuschkow war enttäuscht: „Die Tür war zu, ich sah keine Perspektive mehr. Und als die Eintracht mir die Chance bot, nahm ich natürlich die neue Herausforderung an.“ Auch, weil Trainer Niko Kovac versichert hatte, ihm „alle Zeit der Welt“ zu geben, um sich an die härtere Gangart zu gewöhnen. Der Jungprofi will dagegen „Vollgas“ geben.

Sein erster Auftritt am Sonntag beim 3:0 über den chinesischen Erstligisten Changchun war durchaus hoffnungsvoll. Kovac war mit dem Mittelfeldspieler „sehr zufrieden“, auch wenn die körperliche Frische noch fehlte: „Wir werden versuchen, ihn schnell aufzupäppeln.“

Auch Besuschkow war zufrieden, glaubt, dass er die Umstellung von der Regionalliga in die Bundesliga schaffen kann: „Ich habe ja schon manchmal mit den Profis trainiert.“ Die Eintracht sei zwar qualitativ höher als der VfB einzuordnen, aber „Ich fühle mich wohl hier und komme mit den Jungs super zurecht.“ Auch auf dem Platz. Dort fühlt er sich am wohlsten als „Achter“ oder „Zehner“, wo er viele Bälle bekommt, diese dann verteilen kann, aber auch die Chance zum Abschluss hat. Beinahe hätte es bereits gegen die Chinesen mit dem ersten Treffer im Adlertrikot geklappt.

Besuschkow vermittelt den Eindruck, in seiner Entwicklung schon recht weit zu sein. Selbst die Anmerkung, dass ein Blatt geschrieben habe, ihm fehle die Schnelligkeit, lässt ihn nicht wanken. Schlagfertig antwortet er: „Ich bin ja kein Flügelflitzer, sondern spiele im Zentrum. Da kommt es auch besonders auf die Handlungsschnelligkeit an.“ Und die habe er.

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