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Sprachgenie und Glückspilz: Neuzugang Gelson Fernandes soll das Mittelfeld der Frankfurter Eintracht stabilisieren

Er hat schon in halb Europa gespielt und beherrscht sieben Sprachen: der Schweizer Nationalspieler Gelson Fernandes.
Er soll im defensiven Mittelfeld der Frankfurter Eintracht künftig die Richtung vorgeben: Gelson Fernandes. Foto: Jan Huebner (Jan Huebner) Er soll im defensiven Mittelfeld der Frankfurter Eintracht künftig die Richtung vorgeben: Gelson Fernandes.
Frankfurt.  Gelson Fernandes ist Fußball-Nationalspieler. Für die Schweiz hat er 64 Länderspiele bestritten. Fernandes ist einer, den man gemeinhin als „Wandervogel“ bezeichnet. Er hat in seiner Profikarriere schon in England für Manchester City und Leicester City gespielt, in Italien für Chievo Verona und Udinese Calcio, in Frankreich für den AS St.Etienne und Stade Rennes und in Deutschland für den SC Freiburg. Nun spielt er für die Frankfurter Eintracht, die eine halbe Million Euro Ablöse an Stade Rennes bezahlt haben. Am Main hat er einen Zweijahresvertrag unterschrieben. „Ich bin immer meinem Herzen gefolgt“, sagt er zu einer ausgeprägten Wechsellust.

Einher gegangen mit allen beruflichen Engagements in halb Europa ist eine Sprachbegabung, die ihresgleichen sucht. Fernandes spricht sieben Sprachen. Mit einem besonderen Talent habe dies nichts zu tun, versichert er, „das ist einfach mein Leben.“ Wo auch immer er gelebt und gearbeitet hat, dort wollte er sich verständlich machen können.

Geboren wurde er auf dem Kapverdischen Inseln, „dort wird portugiesisch und kreolisch gesprochen, das waren schon mal zwei“. In der Schweiz und in Frankreich hat er französisch gelernt, in Italien eben italienisch, in England englisch, in Freiburg deutsch. „Und weil ich mit so vielen Südamerikanern zusammengespielt habe, kann ich auch spanisch“, sagt er lachend, „das ist dann die siebte Sprache.“ Da ist er bei der Eintracht ja genau richtig, japanisch könnte bei zwei Kollegen aus dem Land der aufgehenden Sonne ein Stückchen weiterhelfen.

Doch die Frankfurter haben ihn nicht als Dolmetscher für ihre multi-nationale Mannschaft geholt , sondern als Stabilisator im Mittelfeld. Dort hatte Not geherrscht. Als Sportvorstand Fredi Bobic, Manager Bruno Hübner und Trainer Niko Kovac in Rennes vorstellig geworden waren, um Fernandes zu einem abermaligen Wechsel zu überreden, hat er sich vor allem die sportlichen Vorstellungen genau angehört. „Dann habe ich einen Zettel genommen und plus und minus aufgeschrieben“, sagt er, „wo kann ich am meisten lernen, wo kann ich den meisten Spaß haben.“ Und es war darum gegangen, in welchem Club er am besten helfen könne, gerade jungen Spielern. „Ich war schon immer ein Leadertyp“, sagt er, also ein Anführer. Natürlich hat er auch mit Kollegen aus der Schweizer Nationalmannschaft gesprochen und sich nach der Eintracht erkundigt. Bei den ehemaligen Eintracht-Kapitänen Christoph Spycher und Pirmin Schwegler hat er nachgefragt, auch bei Haris Seferovic. Schwegler übrigens hätte er gerne als Kollegen gesehen. „Er war der Lenker, ich der Kämpfer“, beschreibt er ihre gemeinsame Zeit. Doch die Eintracht-Führung hat die Rückholaktion von Schwegler aus Hoffenheim abgelehnt, er spielt nun für Hannover. Die Summe aller Eindrücke haben bei Fernandes dann dazu geführt, um in Frankfurt einen Vertrag zu unterschreiben. Der Abschied aus Rennes sei ihm „schwer gefallen“, weil er dort viel Freunde gefunden habe. Aber schließlich sei Fußball nun mal sein Beruf. „Ich wollte eine letzte Herausforderung in meiner Karriere“, räumt er ein, „und manchmal muss man auch etwas mit dem Kopf machen und nicht mit dem Herzen“.

Gelson Fernandes, inzwischen 30 Jahre alt, gehört zu jenen Profifußballern, die über den Tellerrand hinaus denken. Er reflektiert den Beruf, er ist auch mal bereit für ungewöhnliche Maßnahmen. Bei der Schweizer Nationalmannschaft hat er mal jedem Kollegen einen Brief geschrieben, auch in verschiedenen Sprachen übrigens, als eine persönliche Analyse ergeben hatte, dass die Einheit in der Mannschaft wegen unterschiedlicher persönlicher Interessen gefährdet schien. Ohne den Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld hat er das getan und jedem Spieler dann die Reaktion selbst überlassen. Auch das ist Gelson Fernandes.

Sportlich bezeichnet er sich als „Sechser“, als jener Spieler, der vor der Abwehr aufräumen und dem Gegner die Bälle klauen kann. Genau so einen braucht die Eintracht. Menschlich ist er Typ „immer fröhlich“. Die Erklärung für sein sonniges Gemüt ist ebenso einfach wie einleuchtend. „Ich habe ein Superleben, ich habe einen Traumberuf, ich bin gesund, meine Familie ist gesund“, sagt er, „ich bin einfach glücklich mit meinem Leben.“

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